Klimawandel: Wir müssen unser Leben ändern - sofort.

Mehr vom Weniger

Die Jugendbewegung Fridays for Future lässt keinen Zweifel: Nach einem Leben in Saus und Braus stehen wir in der Pflicht aufzuräumen. Das geht nur mit drastischen Veränderungen.

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Rollschuhe, Stirnbänder, Pac-Man, Depeche Mode, Kaugummizigaretten und eine ernstzunehmende Debatte über Klimaschutz. Das hätten die Achtzigerjahre sein können. Waren sie aber nicht, das ist historisch bewiesen – also das mit dem Klimaschutz, der Rest stimmt schon. Ungünstig für die heutige Ausgangslage: Denn seitdem haben wir zu viel vom CO2-Budget verbraucht, das der Welt noch zur Verfügung steht, um die Erderhitzung bei 1,5-Grad zu stabilisieren.

Voran in großen Schritten

Die Chance der kleinen Schritte ist also verpasst: Ein bisschen weniger Auto fahren, fliegen, einkaufen, Kohlekraft reicht jetzt nicht mehr. Die Forderung der Fridays for Future ist richtig: Bis 2035 muss Deutschland seine klimaschädlichen Emissionen auf Null senken. Nur so kann das Land seinen Beitrag leisten, um den Klimawandel in beherrschbaren Bahnen zu halten.

Zu schaffen ist das nur, wenn die Politik mutige Entscheidungen trifft und Verbraucherinnen und Verbraucher ihren Lebensstil umkrempeln – und zwar rasch. Die Hauptsache-Klimaschutz-tut-nicht-weh-Mentalität muss an den Nagel gehängt werden. Sonst ist Schluss mit lustig – und das nicht erst ganz spät, sondern recht bald. So, dass bereits unsere Kinder in einer grundsätzlich anderen Welt leben müssen, geprägt etwa von Wetterextremen, die die jetzigen Phänomene als niedlich dastehen lassen. 

Klimakrise nimmt keine Rücksicht

Ja, die Bundesregierung hat den für den Klimaschutz so wichtigen Ausstieg aus der Kohle sowie die Verkehrswende verschleppt, kaum Anstöße für nachhaltigen Konsum gesetzt. Zwar fängt die Große Koalition nach massiver Kritik von Wissenschaft und Klimabewegung an, ihre viel zu schwachen Klimabeschlüsse nachzubessern. Allerdings reicht auch die Erhöhung des CO2-Preises von 10 auf 25 Euro pro Tonne nicht, um Industrie und Verbrauchern eindeutige Anreize für mehr Klimaschutz zu geben. Erst bei einem Einstiegspreis von 80 Euro, kombiniert mit sozialverträglichen Ausgleichsmaßnahmen, würde der CO2-Ausstoß schnell sinken. Davon abgesehen ist noch immer kein einziges Kohlekraftwerk vom Netz gegangen und im Verkehr sowie der Landwirtschaft fehlen weiterhin wirksame Maßnahmen.

Doch auch wir Verbraucher und Verbraucherinnen wissen, dass die Ansammlung von Flugmeilen, die Autofahrten zum Zigarettenautomaten an der Ecke, die gepfefferten Steaks in der Pfanne, die Variationen an Shirts im Kleiderschrank bei weitem mehr als genug und nur mit einem erheblichen Kollateralschaden für die Erde zu haben sind.

Warum aber ändert sich angesichts der drohenden Klimakatastrophe nichts? Weil sie so groß ist, die Ausmaße so entsetzlich sind, dass wir lieber wegblicken? Schon möglich, nur nimmt die fortschreitende Klimakrise auf solche Befindlichkeiten keine Rücksicht. Oder ist es die Angst vor Verzicht oder gar einem schlechteren Leben? Dann allerdings sollten wir alles Mögliche tun, die Erderhitzung zu stoppen. Denn wir haben viel zu verlieren. 

Weniger ist oft mehr

„Wenn irgendetwas unser gutes Leben bedroht, dann ist das ein nicht nachhaltiger Lebensstil“, sagt Johan Rockström, einer der beiden Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Zu spüren ist das bereits heute, wenn etwa schlechte Luft in Städten die Gesundheit gefährdet oder Dürre für Ernteverluste sorgt.

„ […] Weniger Konsum heißt eben nicht, das gute Leben aufzugeben. Es ist die Gelegenheit für ein anderes, besseres Leben“, so Rockström weiter. Welch Luxus wäre es, weniger zu arbeiten, weil der Kurztrip nach New York nicht finanziert werden muss. Oder stellen Sie sich Städte vor, in denen Menschen statt Autos Platz haben, weil Räder, Elektrobusse oder –Bahnen uns mobil machen.

Auch wenn es Verzicht bedeutet

Trotz alledem – es soll hier ja schließlich nicht nach Schönreden klingen – haben wir keine andere Wahl, als beherzte Klimaschützer zu werden. Selbst wenn es Verzicht bedeutet. Denn wer will schon das Wohl der nachfolgenden Generationen auf das Übelste gefährden. Kreuzfahrten etwa, der Einbau von Ölheizungen oder ein Jetset-Leben sind Dinge, die sich nicht mehr gehören.

Weltweit denken Menschen über diesen Wandel nach. Auch wenn es solche wie US-Präsident Donald Trump gibt, die immer noch den menschengemachten Klimawandel infrage stellen. Sie spielen aber keine Rolle - wenn eine kritische Masse loslegt. Das fängt mit dem ausdrücklichen Bekenntnis Kaliforniens zum Klimaschutz an und geht weiter mit den wachsenden Klimabewegungen wie Fridays for Future, die vehement ihr Recht auf Zukunft einfordern.

Legen auch Sie los:

  • Machen Sie der Politik klar, dass Sie wirkliche Veränderungen zum Schutz des Planeten wollen. Wir brauchen Regelungen, die Wirtschaft und Konsum einen Rahmen setzen.
  • Mischen Sie sich ein, Möglichkeiten dazu gibt es viele: etwa weniger Fleisch in der Kantine, Stromwechsel im Kindergarten, eine zusätzliche Bushaltestelle oder mehr Radwege.
  • Inlandsflüge ganz, innereuropäische Flüge weitgehend vermeiden. Flüge sind die klimaschädlichste Art der Fortbewegung, deshalb sollte jeder Flug wohlüberlegt sein. Lassen Sie das Auto stehen. Das ist auf dem Land natürlich nicht so einfach möglich. Aber auch hier können Strecken mit dem Rad gemeistert werden, wenn es zu weit wird vielleicht mit elektronischer Unterstützung – so haken Sie womöglich auch den Vorsatz ab, mehr Sport zu treiben.
  • Überlegen Sie bei jedem Produkt, ob sie es wirklich brauchen. Wenn ja, kaufen Sie möglichst regionale, nachhaltig produzierte und langlebige Produkte. Sind vielleicht teurer, halten dafür aber auch länger. Vieles gibt es auch gebraucht. Zu welchen Problemen der Online-Handel führen kann, lesen Sie hier
  • Essen Sie wenig Fleisch. Durchschnittlich sollte der Fleischkonsum weltweit um 50 Prozent sinken. Da Deutschland auf einem mengenmäßig deutlich höheren Niveau startet als Länder wie Thailand oder Indien, müsste er hierzulande sogar noch stärker zurückgehen. Hier finden Sie weitere Infos rund ums Fleisch.

Weitere Tipps für einen neuen Lebensstil:

  • Zu Hause, im Supermarkt oder im Garten: Jeder kann was für den Waldschutz tun – Tag für Tag. Zehn Tipps. 
  • Verpackungsfolien, Einweggeschirr, Abreißtüten: Plastik ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken – und doch gar nicht so schwer zu vermeiden. Zehn Tipps
  • Gutes Essen – was bedeutet das? Dass es lecker ist, na klar. Gesund soll es sein, umweltschonend und fair produziert. Geht das alles zusammen? Ja – diese zehn Tipps machen Appetit. 

(Aktualisiert am 17.12.2019)

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