Treibhausgase, die wir heute freisetzen, bleiben noch lange in der Atmosphäre

Ist der Klimawandel noch aufzuhalten?

Die Lage ist ernst. Der Klimawandel kann eine in ihren Ausmaßen noch kaum zu überblickende Umweltkatastrophe verursachen. Im 20. Jahrhundert ist die globale Durchschnittstemperatur um 0,74 Grad Celcius gestiegen. Ab einer Erwärmung um 2 Grad Celsius befürchten Experten katastrophale Folgen. Schafft die Welt es, den Temperaturanstieg unter diesen zwei Grad zu halten, kann sie zumindest die schlimmsten Folgen des Klimawandels noch verhindern.
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Diese Zahl muss man sich merken: 450 ppm CO2eq

Was wie ein kryptischer Zahlen- und Buchstabenmix aussieht, beschreibt die Menge von Treibhausgasen in der Atmosphäre, die wir auf keinen Fall überschreiten dürfen. CO2eq bedeutet CO2-Äquivalente. Damit wird die Klimawirksamkeit der Treibhausgase gemessen. Dabei dient Kohlendioxid als Richtgröße. Die anderen Treibhausgase werden entsprechend ihrer spezifischen Wirksamkeit in Teilchen pro Million Teilchen (part per million, ppm) CO2 gemessen. 10 ppm Methan sind demnach umgerechnet 210 ppm CO2eq.

Der Klimarat der UN (IPCC) und der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) gehen davon aus, dass bei 450 ppm CO2eq die kritische Grenze von zwei Grad Celsius Erwärmung erreicht, möglicherweise sogar überschritten wird.

Derzeit liegt die CO2-Konzentration in der Atmosphäre bei ca. 390 Teilchen pro einer Million Teilchen (parts per million - ppm). Das ist ein Anstieg um 110 ppm gegenüber dem vorindustriellen Niveau. Und jedes Jahr steigt die Menge an Kohlendioxid in der Luft um weitere drei Prozent.

Die nächsten Jahre müssen wir nutzen

Die Treibhausgase entfalten ihre Wirksamkeit noch lange, nachdem sie freigesetzt wurden. Selbst wenn wir jetzt sofort aufhören würden, fossile Energieträger zu verbrennen, würden die Temperaturen eine Weile weiter ansteigen, bevor sich das Klima stabilisiert. Umso wichtiger ist es, jetzt die Bremse zu ziehen.

Bis 2017 muss die Kehrtwende eingeleitet sein. Schon eine Verzögerung bis zum Jahr 2025 würde bedeuten, dass sich die Durchschnittstemperatur bis zum Jahr 2100 um mehr als drei Grad Celsius erhöhen könnte. Ab 2017 muss der weltweite Ausstoß drastisch reduziert werden, und zwar bis 2050 auf weniger als die Hälfte des heutigen Niveaus. Für die Industriestaaten mit ihren hohen Emissionen bedeutet das eine Reduktion um 80 Prozent. Doch auch dann werden wir uns an Überschwemmungen und Dürren anpassen müssen.

Nur mit der Energiewende können wir den Klimawandel aufhalten

Um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen, brauchen wir eine völlig andere Energiepolitik. Ziel ist eine Energieversorgung auf Basis der klimafreundlichen Erneuerbaren Energien. Auf dem Weg zur vollständigen Versorgung durch Sonne, Wind, Wasser, Erdwärme und Biomasse müssen wir zunächst alle Einsparmöglichkeiten und Effizienzpotenziale nutzen:

Gebäude müssen so gut gedämmt werden, dass sie kaum mehr beheizt zu werden brauchen, was bei Neubauten schon problemlos möglich ist. Beim Verkehr müssen öffentliche Verkehrsmittel gefördert, neue Mobilitätskonzepte erdacht und der Treibstoffverbrauch von Fahrzeugen drastisch reduziert werden. Effiziente Techniken gibt es schon, trotzdem werden bislang kaum sparsame Motoren produziert. Strom sollte nur noch mit der effizienten Technik der Kraft-Wärme-Kopplung produziert werden, die gleichzeitig auch Wärme liefert und so eine doppelte Energieausbeute möglich macht. Besonders der Ausbau von Nahwärmenetzen ist hierfür eine wichtige Voraussetzung. Unsere Energieversorgungsstruktur auf der Basis von wenigen großen Kohle-, Atom- und Gaskraftwerken muss dezentraler werden und einem intelligenten Mix von Erneuerbaren Energien weichen, der von virtuellen Schaltzentralen gesteuert wird.

Energie-[R]Evolution

In Deutschland hat nach Fukushima auch die schwarz-gelbe Bundesregierung begriffen, dass Atomkraft keine Option für die Zukunft ist. Ab 2022 soll kein AKW mehr am Netz sein. Damit sind die Gefahren der Atomkraft noch nicht gebannt, doch ein wesentliches Hindernis für die Energiewende ist aus dem Weg geräumt. Nun gilt es, den Ausstieg aus der Kohleverbrennung einzuleiten.

Dass diese Aufgabe zu bewältigen ist, hat Greenpeace mit einem weltweiten Energieszenario gezeigt: Der Masterplan zur Rettung des Klimas "Energy [R]Evolution" zeigt anhand verschiedener Länderszenarien, wie der Weg zur radikalen Energiewende aussehen muss. Für Deutschland hat Greenpeace schon 2007 mit dem Plan B für den Klimaschutz klargemacht, dass ein schneller Atomausstieg für die Umstrukturierung notwendig und möglich ist. Gleichzeitig können wir unsere CO2-Emissionen in Deutschland bis 2020 um 40 Prozent reduzieren.

Klimaschutz: Der Plan

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Wir müssen auf den Neubau von Kohlekraftwerken, insbesondere auf die besonders klimaschädlichen Braunkohlekraftwerke, verzichten.
  • Die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) muss massiv ausgebaut werden. Der KWK-Anteil an der Stromerzeugung muss bis 2020 verdreifacht werden. Reine Stromerzeugungs-Kraftwerke, die wie bei Kohle-Kraftwerken etwa 60 Prozent der Energie als Wärme an die Luft abgeben, sind nicht mehr zeitgemäß.
  • Der Ausbau der Erneuerbaren Energien muss noch konsequenter vorangetrieben werden. Der Anteil kann und muss im Strom- und Wärmebereich verdreifacht werden. Dafür brauchen wir ein Anschubprogramm für die Erdwärme und vor allem ein Instrument zur Nutzung der regenerativen Wärmeerzeugung.
  • Massive Reduzierung des Energiebedarfes im Straßenverkehr muss sein. Der Flottenverbrauch wird bis 2030 auf 3 Liter auf pro 100 Kilometer reduziert, (heute liegt er bei 7,7 Liter/100 Kilometer).
  • Nachhaltiger Ausbau der Biomasse. Sie gehört aber nicht in den Tank, sondern sollte vor allem für die Wärmeerzeugung eingesetzt werden.

Lesen Sie in unseren Szenarien im Detail, wie die Energiewende zu schaffen ist!

(Stand: August 2012)

Der Plan - Deutschland ist erneuerbar!

Der Plan ist das Greenpeace-Senario für einen kompletten Umstieg auf erneuerbare Energien. Deutschland ist erneuerbar, weil ein Ruck durchs Land geht, weil wir AKW abschalten, bereits 17 Prozent Erneuerbare Energien haben und damit international an der Spitze stehen, weil wir in 40 Jahren zu 100 Prozent unseren Strom aus Erneuerbaren Energien beziehen.

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