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FSC in der Krise

Der Schein vorbildlicher Waldbewirtschaftung trügt: Die neue Greenpeace-Fallstudie zeigt, wie in Russland unter dem Deckmantel des FSC systematisch Raubbau am Urwald betrieben wird.

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Das FSC-Label ist die beste Zertifizierung, um einen Beitrag zum Schutz der verbleibenden Urwälder zu leisten. Jedoch stand der FSC in der Vergangenheit zunehmend in der Kritik. „Greenpeace ist Mitglied des FSC. Über die Veröffentlichung guter und schlechter Praxisbeispiele arbeiten wir aktiv daran, das Zertifizierungssystem zu verbessern und eine einheitliche Nachhaltigkeitsgarantie des FSC-Labels zu sichern“, erklärt Jannes Stoppel, Waldexperte von Greenpeace.

Das neue Fallbeispiel Russland ist die 6. Publikation der Reihe „FSC am Scheideweg“. FSC-Holz aus Russland landet in großen Mengen auf dem deutschen Markt, wo es zu Alltagsprodukten verarbeitet wird. Russland verfügt nach Kanada über die meisten FSC-zertifizierten Flächen.

Im Fokus des aktuellen Berichts steht das Urwaldgebiet zwischen den Flüssen Dwina und Pinega im Nordwesten Russlands. In der Region Archangelsk operieren fünf Holzunternehmen mit Kahlschlagpraktiken. Das russische Greenpeace-Büro analysierte mittels Satellitenbildern und Feldbesuchen die Veränderungen im Urwaldgebiet zwischen 2002 und 2013.  Russische NGOs versuchen seit Jahren, ein gesetzliches Urwaldschutzgebiet zu etablieren und verhandeln mit den lokalen Behörden und Firmen.

Hintergrund: Das FSC-Siegel in Russland

38,5 Millionen Hektar Waldfläche sind in Russland nach den Kriterien des Forest Stewardship Council zertifiziert – eine Fläche größer als Deutschland. „Das mag zunächst nach einer guten Nachricht klingen. Die eigentlich starken FSC-Kriterien und -prinzipien wurden aber bisher in Russland nicht überzeugend in die Tat umgesetzt“, sagt Stoppel.

In vielen zertifizierten Waldregionen wird der Wald systematisch übernutzt und nicht nachhaltig bewirtschaftet. Russische NGOs vergleichen diese industrielle Abholzung in der russischen Taiga mit dem Ressourcenabbau im Bergbau und haben den Begriff „Wood mining“ etabliert. Denn die Kahlschlagflächen können nicht ohne weiteres wieder aufgeforstet werden. Die Kosten sind hoch und die Bäume wachsen im Klima der russischen Taiga nur langsam.

Viele europäische Großabnehmer setzen auf das FSC-Label als Nachhaltigkeitsgarant, beispielsweise IKEA. Auch einige Banken verlassen sich in ihren Sektorrichtlinien zur Forstwirtschaft auf den FSC. Ein Anreiz, der sich mit der Zeit negativ ausgewirkt hat.  Das Label sichert vielen Produzenten, die in schützenswerten Wäldern einschlagen und auf Exporte angewiesen sind, einen guten Marktzugang. Mit jahrelanger Übernutzung und zu hohen Einschlagquoten wurde die Existenz zahlreicher Holzfirmen im Laufe der Zeit gefährdet. Einige Firmen sichern sich nun mit der FSC Zertifizierung neue Einschlagsflächen, die ihnen erlauben, in Urwaldgebiete einzuschlagen, die eigentlich unter Schutz gestellt werden sollten. 

Der FSC muss handeln!

„Das FSC-Label muss einen Weg finden eine ökologisch, nachhaltige Bewirtschaftung der borealen Wälder Russlands durch ihre Zertifikate zu garantieren“, sagt Stoppel. „Statt intakte Urwälder zu degradieren, müsste der FSC die Erhaltung von unersetzbaren Urwäldern unterstützen. Akut, indem sie Firmen eine große Anzahl von Zertifikaten in schützenswerten Urwaldgebieten entziehen.“  Doch auch der Verbraucher kann seinen Beitrag zum Urwaldschutz leisten und seinen Konsum von Papier-und Zellstoffprodukten, wie zum Beispiel Haushaltpapier, Wegwerfwindeln, Pappbecher und unnötiger Verpackung drosseln.

Bearbeitet nach dem Blog von Astrid Roesle / Greenpeace Schweiz
 

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