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Beluga ist Mahnmal

Nach monatelangem Tauziehen ist es entschieden: Das Greenpeace-Schiff „Beluga“ darf als „Mahnmal und Demonstrationsobjekt“ im Gorlebener Forst stehen bleiben. 

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Aktivisten hatten das alte Greenpeace-Schiff im Mai 2013 dort aufgestellt. Der Grundstücksbesitzer war einverstanden, trotzdem verlangte der Landkreis Lüchow-Dannenberg einen Bauantrag. Jetzt gab es endlich die Genehmigung: Das Schiff darf zunächst für fünf Jahre zwischen dem Salzbergwerk und der mit 113 Castoren gefüllten Zwischenlagerhalle stehen bleiben - fünf Jahre amtlich genehmigter Dauerprotest.

Vom Aktions- zum Ausstellungsschiff

Das Greenpeace-Schiff Beluga war in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gegen die Atomindustrie im Einsatz: Vor Atomkraftwerken, bei Castortransporten und vor den Wiederaufbereitungsanlagen hatten Aktivisten mit dem Schiff auf die Gefahren und die ungelöste Endlagerproblematik hingewiesen. So war die Beluga vor den Wiederaufbereitungsanlagen in Sellafield und La Hague im Einsatz, um Proben zu nehmen, oder auf See vor den Plutoniumfabriken, um dort zu protestieren. In Sellafield wurden atomare Abwässer einfach in die Irische See geleitet. „Die Beluga hat uns ermöglicht, vor Ort zu sein und die Atomindustrie mit ihrem dreckigen Geschäft zu konfrontieren“, so Edler.

Eine am Rumpf des Schiffes angebrachte Ausstellung erzählt die Geschichte des verantwortungslosen Umgangs mit Atommüll von den 70ern bis heute. Gorleben wurde als Endlagerstandort rein politisch benannt. Greenpeace  konnte dies mit der Veröffentlichung der Gorleben-Akten nachweisen. Unter dem Deckmantel der wissenschaftlichen Erkundung wurde der Salzstock bereits in industriellem Maßstab ausgebaut. Eine Kurzfilmtrilogie zeigt die Geschichte der Beluga.

Das Prinzip der „weißen Landkarte“

Derzeit sorgt die sogenannte Endlagerkommission für Aufregung unter den Umweltverbänden. Ziel der Kommission soll eine Neubewertung möglicher Endlagerstandorte in Deutschland sein. Das zugehörige Gesetz benennt allerdings wieder nur einen einzigen Standort für die Auswahl: Gorleben. Deshalb weigern sich Greenpeace und andere Umweltverbände, Teil der Kommission zu werden. „Zahlreiche auf Gorleben hin formulierte Vorfestlegungen im Gesetz lassen befürchten, dass am Ende des angeblichen Auswahlverfahrens wieder Gorleben steht. Deshalb ist das Greenpeace-Schiff vor den Toren des Salzstocks in Gorleben nicht nur Mahnmal für bereits gemachte Fehler, sondern auch ein Protest dafür, aus diesen Fehlern zu lernen“, so Edler.
 

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