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Risiko-Frachter aus Japan?

In Deutschland wird am Dienstag die Ankunft des ersten Schiffes erwartet, das Japan nach dem Tsunami am 11. März verlassen hat. Nachdem in China schon vor Wochen ein Schiff wegen überhöhter Strahlenwerte zurückgeschickt wurde, besteht nun auch bei uns Verunsicherung. Ist die MOL Majesty möglicherweise verstrahlt?

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Für das Schiff ist von keiner Belastung auszugehen, sagt Dirk Zimmermann von Greenpeace. Die MOL Majesty hat Tokio zwar erst nach dem Tsunami verlassen, das war aber bevor die radioaktive Wolke Tokio erreichen konnte.

Schiffe, die in Hamburg eintreffen, haben in der Regel bereits andere Häfen angefahren. Im aktuellen Fall war dies Rotterdam. Dort wurde das Schiff zwar nicht von offizieller Seite auf Radioaktivität überprüft, Messungen der Reederei ergaben jedoch Werte zwischen 0,1 und 0,15 Mikrosievert pro Stunde Sv/h). Dies liegt im natürlichen Bereich und ist nicht auf zusätzliche Verstrahlung zurück zu führen, so Zimmermann. Der Wert bewegt sich außerdem unter dem offiziellen Prüfwert, der von den Hamburger Behörden am 11. April 2011 mit 0,2 Mikrosievert pro Stunde angegeben wurde.

Hamburg hat am 12. April einen Handlungsleitfaden für den Hafen vorgestellt. Darin ist unter anderem die Überprüfung aus Japan kommender Schiffe geregelt. Wenn diese keine Untersuchungsergebnisse aus zuvor angelaufenen Häfen vorlegen können, werden Kontrollen von der Hamburger Wasserschutzpolizei durchgeführt. Bei einer Überschreitung des Prüfwertes wird über weitere Maßnahmen entschieden.

Für eintreffende Waren (außer Lebens- und Futtermittel) hat das Bundesumweltministerium in Übereinstimmung mit der Strahlenschutzkommission einen Höchstwert von 4 Becquerel pro Quadratzentimeter Oberfläche (Bq/cm2) empfohlen.

Auch hier gilt: eine Unterschreitung des Wertes, führt zu Strahlendosen die weit unter international empfohlenen Referenzwerten und der natürlichen Strahlung liegen. Der Vollzug der Kontrollen wird von den Ländern durchgeführt.

Japanische Hersteller haben sich penible Selbstkontrollen auferlegt. Nintendo, Sony, Canon, Toshiba oder Mazda wollen unter allen Umständen vermeiden, wegen verstrahlter Ware Umsatz- und Imageverluste zu erleiden.

Nur etwa 300 der jährlich in Hamburg eintreffenden 12.000 Frachtschiffe kommen aus Japan. Mögliche Probleme beschränken sich daher nicht nur auf direkt aus Japan eintreffende Waren, sondern könnten auch aus Japan in alle Welt gelieferte und verbaute Teile sowie über andere Länder zu uns gelangende japanische Produkte betreffen, sagt Zimmermann. Im Moment scheinen gefährliche Kontaminationen zwar unwahrscheinlich, solange aber Unsicherheiten bestehen, müssen die Kontrollen möglichst umfassend ausfallen.

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