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Shaun Burnie, Greenpeace-Experte für Atomkraft
Christian Åslund / Greenpeace

Waldbrände in Fukushima: Interview mit Atom-Experte Shaun Burnie

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Zehn Kilometer westlich von Fukushima brennt der Wald – mitten in der am höchsten verstrahlten Zone. Greenpeace-Experte Shaun Burnie berichtet über die Situation vor Ort.

Westlich des Atomkraftwerkes Fukushima erhebt sich ein kleines Küstengebirge, bestanden mit dichtem, unberührtem Zedernwald. Seit der Atomkatastrophe im März 2011 in Fukushima sind Teile des Waldes hochgradig verstrahlt, einige Gebiete gehören zur sogenannten Zone 3: der für Menschen wegen Verstrahlungsgefahr gesperrten Zone. Jetzt brennt dort der Wald. Fragen zur Situation in Japan beantwortet Shaun Burnie, Greenpeace-Experte für Atomenergie.

Greenpeace: Wie sieht die Lage vor Ort aus?

Shaun Burnie: Das Feuer ist am 29. April ausgebrochen und bis heute nicht unter Kontrolle. Auf 20 Hektar brennt der Wald von Namie, das ist ein hügeliges Gebiet keine zehn Kilometer westlich des verunglückten Atomkraftwerkes. Japanische Medien berichten, dass Einsatzkräfte vor Ort versuchen, das Feuer von Hubschraubern aus zu löschen– eine gefährliche Arbeit, schließlich ist der Wald hoch verstrahlt. Greenpeace hat immer wieder vor der Gefahr von Waldbränden gewarnt. Gerade die Monate von März bis Mai bergen wegen der Trockenheit das Risiko für Waldbrände in der Region.

Wie groß ist die Gefahr, dass erneut Radioaktivität freigesetzt wird?

Es ist klar, dass die im Holz und im Humus des Waldbodens gespeicherten Radionuklide durch das Feuer freigesetzt werden. Aus Erfahrungen mit Waldbränden in radioaktiv verseuchten Wäldern rund um Tschernobyl wissen wir, dass bis zu 40 Prozent der in der Biomasse gespeicherten Cäsium-Partikel über das Feuer wieder in die Umwelt gelangen. Von der Hitze in höhere Luftschichten hochgerissen, kann sich die Radioaktivität auch über größere Entfernungen hin neu verteilen. Natürlich ist aber die Belastung sehr viel geringer und auch kleinräumiger als bei einem Unfall in einem Atomkraftwerk.

Gibt es Messungen, wie hoch die freigesetzte Radioaktivität tatsächlich ist?

Nein. Nach Behörden-Angaben weisen die offiziellen Messstationen in den nahegelegenen Geisterstädten Futuba und Okuma noch keine erhöhte Radioaktivität auf. Allerdings wissen wir von früheren Messungen, dass die Zedern Werte von 31.000 Becquerel pro Kilo Biomasse aufweisen, damit gelten sie als Atommüll. Und diese Radioaktivität gelangt dort gerade wieder in die Umwelt.

Der Waldbrand  befindet sich ja in der Sperrzone – das heißt, Menschen wohnen nicht im engeren Umkreis?

Leider befinden sich keine zehn Kilometer vom Brand entfernt Gebiete der Zone 2, für die Japan im vergangenen Jahr die Rücksiedlung angeordnet hat. Zum Glück ist bis jetzt nicht mal ein Prozent der Bevölkerung zurückgekehrt, obwohl das für die Menschen große finanzielle Nachteile mit sich bringt. Denn sie erhalten nun keine Ausgleichszahlungen mehr.

Die Brände zeigen, wie absurd der Glaube der japanischen Regierung ist, man könnte Dörfer und Gemeinden rund um Fukushima dekontaminieren, also von der Strahlung befreien. Aus den umliegenden hoch verstrahlten Bergwäldern droht immer wieder neue Verseuchungsgefahr. Was die japanische Regierung der Bevölkerung dort zumutet, ist hochgradig fahrlässig. In diesen Gebieten kann man nicht wieder sicher wohnen. Das muss die japanische Regierung endlich einsehen und die Rücksiedlung stoppen.

  • Hinter dem verunglückten Atomkraftwerk Fukushima Daichii erheben sich bewaldete Hügel.

    Verstrahlter Wald

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  • Greenpeace-Experten messen radioaktive Strahlung im Wald bei Fukushima.

    Strahlender Wald

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  • Eine Karte zeigt die Intensität der Verstrahlung rund um Fukushima.

    Der Weg der Radioaktivität

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