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EU macht kleinen Rückzieher bei Strahlengrenzwerten

Nach der umstrittenen Fukushima-Eilverordnung vom 25. März will die EU-Kommission nun doch die Strahlengrenzwerte für Lebensmittel aus Japan verschärfen. Allerdings nicht zu sehr - und auch das nur unter Vorbehalt.

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Damit habe die EU-Kommission heute erneut ihre Chance für einen aktiven und glaubwürdigen Verbraucher- und Gesundheitsschutz vertan, kritisiert der Agrarbiologe Dirk Zimmermann. Zumal die Kommission sich vorbehalte, die heute festgelegten Grenzwerte jederzeit wieder abschwächen zu können.

Zwar hat die EU-Kommission den Grenzwert für Cäsium verschärft, doch die simple Übernahme der japanischen Grenzwerte für die anderen radioaktiven Isotope in Lebensmitteln ist nicht akzeptabel, sagt Greenpeace-Experte Zimmermann. Greenpeace fordert erneut die Festsetzung niedrigerer Richtwerte für Strontium und Jod-131. WHO, FAO und kritische Strahlenbiologen empfehlen deutlich unter der EU-Regulierung liegende Maximalwerte.

Zudem macht Radioaktivität nicht an den japanischen Grenzen halt. Nach Auffassung von Greenpeace müssen alle Fische und Meeresfrüchte aus den Hauptfanggebieten des pazifischen Raumes kontrolliert werden. Grenzwerte für pazifischen Fisch, der nur in Ausnahmefällen direkt aus Japan in die EU kommt, fehlen bisher.

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