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Ein Jahr Fukushima: Stimmen aus Japan, Folge 3

Noch gehen nur wenige Menschen in Japan gegen die Atomkraft auf die Straße, doch viele sind empört über die Energiepolitik ihres Landes. Vito Avantario und Enno Kapitza (Fotos) haben einige für das Greenpeace Magazin gefragt: Wie hat die Jahrhundertkatastrophe das Land verändert? (Aus dem Greenpeace Magazin 2/2012)

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Am 11. März 2011 wird Japan vom stärksten Erdbeben seiner Geschichte erschüttert. Mit dem Beben und dem verheerenden Tsunami wird ein drittes Horrorszenario wahr - das AKW Fukushima Daiichi gerät außer Kontrolle. Millionen Menschen weltweit bangen mit den Menschen in Japan. Die Folgen der Katastrophe erschüttern das Land auch heute noch.

Stimmen aus Japan:

Ryoko Tomomori (34), Tierschützerin

Die Hundefriseurin aus Tokio rettet herrenlose Tiere aus der verstrahlten Sicherheitszone um das Atomkraftwerk Daiichi. Ihr Ehemann ist dagegen, dass sie in die Zone geht. Aber von seiner Angst will sie sich nicht abhalten lassen.

Viele Hunde, Katzen, Schweine und Ziegen haben die Dreifachkatastrophe überlebt. Weil die umgesiedelten Menschen ihre Tiere aber zurücklassen mussten, sterben viele davon in dem radioaktiv verseuchten Gebiet. Seit dem 21. April letzten Jahres ist es Unbefugten verboten, dort einzudringen. Aber es finden sich Schlupflöcher: Schon 100 Hunde und 30 Katzen habe ich aus der Zone herausgeholt. Bei meiner Arbeit trage ich einen Schutzanzug, die Tiere lasse ich von Spezialisten untersuchen. Sind sie kontaminiert, wasche ich sie mit Seife ab. Dabei darf ich radioaktive Stoffe nicht über Haut oder Atmung aufnehmen, das Reinigungswasser darf nicht in die Umwelt gelangen. Dann fotografiere ich die Tiere und stelle die Bilder ins Internet, um ihre Besitzer zu finden.

Yoshihiko Ikegami (56), Philosoph und Chigaya Kinoshita (41), Schriftsteller

Nach der Reaktorkatastrophe gehörten sie zu den Demonstranten der ersten Stunde. Sie protestieren in Occupy-Zelten im Regierungsviertel von Tokio.

Ikegami: Für die Atomaufsicht ist in Japan die Behörde für Rohstoffe und Energie verantwortlich. Sie ist dem Wirtschaftsministerium zugeordnet. Aus Protest über ihre schlechte Informationspolitik haben wir vor dem Ministerium vor einigen Monaten ein Zeltlager errichtet. Die Polizei droht uns jeden Tag damit, die Zelte zu räumen, aber noch lässt man uns gewähren - vielleicht auch deshalb, weil selbst Mitarbeiter der Regierungsbehörden sich bei uns informieren. Wir vertrauen den Informationen der offiziellen Stellen nicht, sondern beziehen aktuelle Daten aus dem Internet. Greenpeace ist dabei eine unserer wichtigsten Quellen.

Kinoshita: Die Regierung spielt die Strahlungsgefahr für die Bevölkerung herunter. In den meisten Großstädten Japans hat sich der Alltag deshalb scheinbar normalisiert: Viele Menschen besuchen Sushibars und fragen nicht, woher der Fisch kommt, den sie dort essen. Tepco hat tausende Tonnen radioaktives Wasser ins Meer gelassen. Fisch aus Fukushima ist hochgiftig. Ich esse in Restaurants deshalb keinen Fisch mehr, wenn ich den Gastronomen nicht persönlich kenne. Meine Freundin lebt in Osaka. Das liegt 560 Kilometer Luftlinie von Fukushima entfernt. Selbst sie isst keinen Fisch, wenn sie nicht überprüfen kann, woher er kommt. Meeresfrüchte kaufe ich nur noch, wenn sie aus dem Ausland importiert wurden.

Den vollständigen Artikel finden Sie im Greenpeace Magazin 2.2012.

Folge 1
Folge 2

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