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Studioaufnahme: Textilien von Shein auf einem Haufen
© Fred Dott / Greenpeace

Schäm dich, Shein: gefährliche Chemikalien weiterhin in Kleidung

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Schnell, billig, rücksichtslos – das ist das Geschäftsmodell von Fast-Fashion-Konzern Shein. Greenpeace hat zum dritten Mal Produkte ins Labor geschickt – wieder mit beunruhigenden Ergebnissen.

Shein verkörpert die Eskalation von Fast Fashion: Das Unternehmen überwacht Trends in Echtzeit, kopiert Designs per KI und lässt sie in einem dichten Netz von Zulieferfabriken unter extremem Produktionsdruck fertigen. Täglich veröffentlicht Shein Tausende neue Designs – an Spitzentagen über 10.000, die oft nur wenige Wochen verfügbar sind. Mit 363 Millionen Besuchen pro Monat ist Shein.com die meistbesuchte Mode-Website der Welt – mehr als die Drei nächst größeren Händler, Nike, Myntra und H&M, zusammen. Auf der Plattform finden sich über eine halbe Million Modelle gleichzeitig – zwanzigmal so viele wie bei H&M.

Mit aggressivem Marketing, manipulativen App-Mechanismen wie zeitlich begrenzten Angeboten, die im Countdown ablaufen, und massiver Präsenz auf TikTok und Instagram treibt Shein vor allem junge Konsument:innen in den Kaufrausch. Die Preise sind niedrig, bezahlt wird mit Umweltzerstörung und Ausbeutung. 82 Prozent der Fasern bestehen aus Polyester, also Erdöl, und die Emissionen haben sich binnen drei Jahren vervierfacht. Shein umgeht Zollvorschriften und verstößt gegen Verbraucherschutz- und Umweltregeln – trotz mehrfacher Millionenstrafen.

Wertlose Versprechen: weiterhin gefährliche Chemikalien in Kleidung

Bereits 2022 und auch im November 2025 hatte Greenpeace gefährliche Chemikalien, wie  Phthalate und die langlebigen, gesundheitsschädlichen PFAS in Shein-Kleidung oberhalb der gesetzlich erlaubten EU-Grenzwerte (REACH) nachgewiesen, darunter auch in Kinderkleidung  Shein versprach daraufhin, die betroffenen Artikel zu entfernen, und erklärte, Produktsicherheit sowie EU-Standards hätten oberste Priorität

Vier Wochen später wollte Greenpeace genau prüfen, ob Shein diese Versprechen auch wirklich einhält – oder ob die belastete Kleidung weiterhin verkauft wird. Dafür haben wir gezielt Kleidungsstücke getestet, die in der letzten Recherche im November 2025 auffällig waren – also Artikel, die Shein eigentlich genauer hätte prüfen müssen und die nach Sheins eigener Aussage eigentlich nicht mehr verfügbar hätten sein sollten.

Insgesamt haben wir 31 Kleidungsstücke und Schuhe, darunter auch Kinderkleidung, getestet. Das Ergebnis ist eindeutig: Shein hat nur die von Greenpeace gemeldeten Produktnummern entfernt – wenn überhaupt. Fast identische oder sogar identische Artikel, etwa in anderen Farben, bleiben weiterhin online. Insgesamt hat Greenpeace in ca. 80 Prozent – der getesteten Kleidung wieder gefährliche Chemikalien oberhalb der EU-Grenzwerte gefunden. Die Sicherheit von Kund:innen und Umwelt? Für Shein offenbar zweitrangig.

Schäm dich Shein II

Schäm dich Shein II

Greenpeace-Recherche zeigt: Shein ignoriert externe Hinweise zu gefährlichen Chemikalien in seinen Produkten, anstatt diesen konsequent nachzugehen. Dieses Verhalten ist Konsument:innen und der Umwelt gegenüber grob fahrlässig.

Anzahl Seiten: 36

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Portrait of Moritz Jaeger-Roschko
„Shein steht für ein krankes System aus Überangebot, Profitgier und der Vermüllung der Welt. Der Fast-Fashion-Gigant überschwemmt die Welt mit minderwertiger Kleidung, die trotz gegenteiliger Versprechen von Shein oft mit Chemikalien belastet ist.“
Moritz Jäger-Roschko

Greenpeace-Experte für Kreislaufwirtschaft

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“Shein steht für ein krankes System aus Überangebot, Profitgier und der Vermüllung der Welt. Der Fast-Fashion-Gigant überschwemmt die Welt mit minderwertiger Kleidung, die trotz gegenteiliger Versprechen von Shein oft mit Chemikalien belastet ist.”
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Greenpeace-Experte für Kreislaufwirtschaft
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Die Rechnung zahlen andere:

Die nachgewiesenen Stoffe im Detail:

  • Phthalate (14 Produkte): beeinträchtigen Wachstum, Fruchtbarkeit und gesunde Entwicklung von Kindern
  • PFAS (7 Produkte): extrem langlebig, krebserregend, schwächen Immunsystem, Leber und Nieren
  • Schwermetalle (Blei & Cadmium, 2 Produkte): schädigen Gehirnentwicklung, Nervensystem, Organe und Fortpflanzung
  • Alkylphenolethoxylate (APEO, 1 Produkt): giftig, stören Hormonsystem von Wasserorganismen
  • Formaldehyd (1 Produkt): DNA-schädigend, kann Krebs und Erbkrankheiten auslösen

Bianca Heinicke und Greenpeace gemeinsam gegen Fast Fashion

Bianca Heinicke zeigt, dass Veränderung möglich ist – besonders, wenn man die Branche von innen kennt. Ihre eigene Erfahrung mit Shein hat ihr einen Blick hinter die Kulissen ermöglicht, den nur wenige haben. Jetzt nutzt sie ihre Reichweite, um über die Folgen von Fast Fashion zu sprechen und Alternativen sichtbar zu machen.

Kaufrausch stoppen, Umwelt schützen: Fast Fashion braucht Gesetze 

Fast Fashion ist ein strukturelles Problem: Die Fast Fashion-Industrie überschwemmt die Märkte mit Mengen, die den Bedarf der Weltbevölkerung um ein Vielfaches übersteigen. Social Media, Influencer:innen und aggressive Werbung treiben Konsument:innen in den Kaufrausch. Die Folge: Billig erstandene Shirts, Pullis, Hosen werden oft gar nicht oder nur kurz getragen und dann entsorgt. Um den Fast-Fashion-Wahnsinn zu beenden, fordert Greenpeace ein Anti-Fast-Fashion-Gesetz nach französischem Vorbild.

Konkret heißt das: 

  1. eine Sonderabgabe für Fast-Fashion-Produkte (Wegwerfmode)
  2. die Förderung alternativer Geschäftsmodelle wie Second Hand und Tauschbörsen
  3. ein Fast-Fashion-Werbeverbot, auch auf Social Media

Diese Kombination könnte Fast Fashion wirksam eindämmen und wäre ein entscheidender Schritt in Richtung echter textiler Kreislaufwirtschaft: weniger Müll, langlebigere und hochwertige Kleidung – statt weiter im Hamsterrad aus Billigproduktion und Wegwerfmode. Frankreich hat mit seinem Gesetz gegen Fast Fashion einen wichtigen Schritt gemacht – Deutschland muss nachziehen, für eine echte textile Kreislaufwirtschaft, weniger Müll, langlebige Kleidung und mehr Reparaturmöglichkeiten.

Vogel über Müllberg

Greenpeace und die Modeindustrie

Im Jahr 2011 forderte Greenpeace mit der „Detox My Fashion“-Kampagne die Modebranche auf, ihre Produktion zu entgiften. Mit Erfolg. Die damals adressierten Marken, darunter die Fast-Fashion Brands Zara und H&M, haben über Jahre darauf hingearbeitet, ihre Lieferketten zu entgiften und transparenter zu gestalten.

Dennoch lösten genau diese großen Konzerne vor vielen Jahren den Fast-Fashion-Trend aus und öffneten damit die Büchse der Pandora. SHEIN schlug neue Kapitel auf – nicht nur durch den Einsatz giftiger Chemikalien, sondern auch durch die schiere Masse an Hosen, Shirts, Schuhen, Jacken, Kleidern hoben sie die Umwelt- und Klimaschäden durch Massenproduktion in eine ganz neue Dimension. 

Über die vergangenen Jahre ist die Wegwerfkleidung von Ultra-Fast-Fashion-Marken zudem zunehmend Teil des stetig wachsenden Müllbergs geworden. Altkleider werden häufig in Länder wie Ghana, Kenia und Tansania exportiert, landen dort teils auf Deponien oder werden unter freiem Himmel verbrannt. Da die Textilien hauptsächlich aus synthetischen Fasergemischen bestehen, verschmutzen sie als Plastikmüll die Umwelt, wie Greenpeace gezeigt hat.

Schäm dich, Shein

Schäm dich, Shein

Greenpeace hat Shein-Kleidung auf gefährliche Chemikalien untersucht. 18 von 56 getesteten Artikeln überschreiten EU-Grenzwerte deutlich – darunter auch Kinderkleidung. Nachgewiesen wurden unter anderem Phthalate und PFAS. Die Ergebnisse zeigen: Sheins Chemikalienmanagement versagt trotz eigener Selbstverpflichtung.

Anzahl Seiten: 41

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