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Jochen Tack/dpa

Unvermeidbare Restemissionen - Fakten zur aktuellen CCS-Debatte

Sogenannte “unvermeidbare Restemissionen” sollen in CO2-Speichern unter dem Meer verpresst werden. Doch wie viel davon ist wirklich unvermeidbar? Gibt es Alternativen? Und was ist mit CO2-freien Produktionsprozessen? Zahlen und  Fakten zur aktuellen CCS-Debatte.

Der fossile Wahnsinn geht in die nächste Runde. Nach dem Willen der Bundesregierung soll in den kommenden Jahren eine gigantische neue Entsorgungsinfrastruktur für CO₂-Emissionen aus dem Boden gestampft werden. CO₂ aus der Chemie-, Glas-, Stahl- und Zementindustrie soll in Hubs gesammelt und in Pipelines über Hunderte von Kilometern an die Küsten transportiert werden. Dort soll es entweder verdichtet per Schiff zu CO₂-Endlagern transportiert oder über Transportleitungen zu CO₂-Deponien gepumpt werden. Pro Jahr sollen so 34 bis 73 Millionen Tonnen CO₂ entsorgt werden und unter tiefen Sedimentschichten verschwinden. Das entspricht immerhin 5 bis 10 Prozent des heutigen deutschen Emissionsniveaus bzw. bis zu 40 Prozent der gesamten heutigen CO₂-Emissionen der Industrie. So steht es im Evaluierungsbericht der Bundesregierung zur CCS-Technologie.  Alles im Namen des Klimaschutzes.

Industrie und Politik stellen das Vorhaben als alternativlos dar. Es gehe nur um die absolut „unvermeidbaren Restemissionen". Als Paradebeispiel dient die Zementindustrie, in der produktionsbedingte Prozessemissionen anfallen. Unvermeidbare CO₂-Restemissionen sind Emissionen, die nicht durch Substitution fossiler Brennstoffe durch erneuerbare Energien oder durch Änderung des Produktionsprozesses vermieden werden können. Der Begriff „unvermeidbar“ bezieht sich dabei auf die technische Unvermeidbarkeit der Emissionen nach heutigem Kenntnisstand.

 

Kein Mangel an CO₂-freien Produktionsprozessen

Doch wie hoch sind die so genannten „unvermeidbaren Restemissionen“? Und sind sie wirklich unvermeidbar? Keineswegs, denn die Kernbereiche der industriellen Produktion können auch ohne CCS-Technologie weitgehend dekarbonisiert werden. Allein durch Nachfragereduktion, Recycling oder Produktsubstitution können diese technisch unvermeidbaren Emissionen in der Regel deutlich reduziert oder fast vollständig vermieden werden.

Im Industriesektor kann die Energieversorgung vollständig auf die Nutzung klimafreundlicher erneuerbarer Energien umgestellt werden. Wo hohe Temperaturen oder offene Flammen benötigt werden, kann regenerativ erzeugter grüner Wasserstoff einspringen.

Bleiben die prozessbedingten Emissionen der Industrie, die mit heutiger Technik etwa ein Drittel zu den Treibhausgasemissionen des Industriesektors beitragen. Aber auch hier ist der Ausstoß von Treibhausgasen nicht alternativlos. In der Stahl-, Chemie- und Bauindustrie mangelt es nicht an nahezu CO₂-freien Verfahren oder Materialien.

 

Moorburg Coal Power Station Projection in Hamburg

Die Stromkonzerne wollen das Treibhausgas Kohlendioxid mittels CCS in die Erde verpressen. Die weitgehend unerprobte Technik ist teuer, energieintensiv und riskant.

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  • Die Wärme- und Dampferzeugung für eine treibhausgasneutrale Chemieproduktion kann zukünftig CO₂-frei durch den Einsatz von 100 Prozent erneuerbarem Strom erfolgen (Power-to-Heat).
  • Eine relativ klimafreundliche Methanolproduktion kann mit grünem Wasserstoff und CO₂ aus nicht-fossilen Quellen (z.B. Biomasse) erreicht werden.
  • Stahl kann im Prinzip unendlich oft recycelt werden. Dieser Sekundärstahl kann zukünftig mit Strom aus erneuerbaren Energien nahezu treibhausgasneutral hergestellt werden.
  • Bei der Stahlherstellung durch Direktreduktion mit grünem Wasserstoff entstehen keine prozessbedingten CO₂-Emissionen. Es entsteht Eisenschwamm (Direct Reduced Iron, DRI), der anschließend in einem Elektrolichtbogenofen zu Rohstahl erschmolzen wird. Wird der Wasserstoff zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien bereitgestellt, ist dieser Weg nahezu CO₂-neutral.
  • Zement ist ein Bindemittel. Der Einsatz alternativer Bindemittel ermöglicht die Herstellung von Beton ohne den Einsatz von konventionellem Zementklinker, der mit hohen prozessbedingten Emissionen verbunden ist.
  • Gebäude aus Holz oder anderen biologischen Baustoffen wirken langfristig als Kohlenstoffsenke für die geerntete Biomasse. Biologische Baumaterialien können im Gebäudebau herkömmliche, schwer zu dekarbonisierende Baustoffe wie Stahl und Beton ersetzen. Dadurch können erhebliche CO₂-Emissionen aus der Zement- und Stahlproduktion vermieden werden. 

So schrumpfen die „unvermeidbaren Restemissionen“ durch innovative Lösungen auf ein Minimum zusammen. Die von der Bundesregierung geplante gigantische Entsorgungsinfrastruktur wäre nicht nur völlig überdimensioniert, sondern auch teuer und unattraktiv. CCS ist eine rein nachsorgende End-of-Pipe-Technologie, die umweltschädliche Prozesse lediglich um eine nicht nachhaltige Zusatztechnologie ergänzt. Zudem bestehen erhebliche Risiken bei der Entsorgung und dauerhaften Speicherung von CO₂ im Untergrund.

Deshalb lehnt Greenpeace die CO₂-Abscheidung an Industrieanlagen und die anschließende Verpressung des CO₂ in den Untergrund ab. Der Aufbau einer großindustriellen CO₂-Entsorgungsinfrastruktur, die die fossile Wirtschaftsweise weiter befeuert, ist ein gesellschaftspolitischer Irrweg. Stattdessen sollten wir uns für eine echte industrielle Transformation einsetzen, die mit neuen Materialien und innovativen Verfahren eine an natürliche Kreisläufe angepasste Bioökonomie aufbaut.

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