Riesige Klimaschäden durch Superreiche
- Ein Artikel von Michelle Bayona
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Ein neuer Greenpeace-Report zu den reichsten 0,01 Prozent Menschen dieser Welt zeigt: Die größten Klimaschäden der Superreichen entstehen nicht nur durch Privatjets, Yachten und Luxusvillen. Noch größer sind die Emissionen durch Beteiligungen und Finanzanlagen. Mit ihnen erzeugen sie Klimaschäden von 1.000 Milliarden US-Dollar. Veröffentlicht wird der Report am 10. Juni 2026 auf der Bonner UN-Klimakonferenz.
Bei der Bonner UN-Klimakonferenz geht es vom 8. bis 18. Juni 2026 um zentrale Fragen der internationalen Klimapolitik: Wie können Staaten ihre Klimaziele umsetzen? Wie lässt sich der Ausstieg aus fossilen Energien beschleunigen? Und wer bezahlt für die Schäden, die durch die Klimakrise längst entstehen? Die Bonner Gespräche gelten als wichtige Etappe auf dem Weg zur nächsten Weltklimakonferenz: Hier werden Positionen geklärt, Verhandlungslinien vorbereitet und mögliche Beschlüsse vorstrukturiert. Es werden Delegierte aus aller Welt erwartet. Auch Greenpeace-Expert:innen begleiten die „UN Climate Change Conference“ (SB 64) vor Ort.
Greenpeace-Report zu den Klimaschäden Superreicher
Gerade die Finanzierungsfrage wird immer drängender. Denn während Dürren, Überschwemmungen, Stürme und Hitzewellen weltweit zunehmen, reicht das bisher zugesagte Geld für Klimaschutz, Anpassung und Schäden in besonders betroffenen Ländern nicht aus. Gleichzeitig bleibt eine Gruppe in der Klimadebatte bislang oft im Schatten: sehr vermögende Menschen, deren Reichtum nicht nur mit hohem Konsum verbunden ist, sondern auch mit Investitionen in emissionsintensive Wirtschaftsbereiche.
Genau hier setzt der neue Report von Greenpeace Afrika „Understanding the Climate Debt of Extreme Wealth„ an. Er analysiert, welche Klimaschäden mit extremer Vermögenskonzentration verbunden sind. Im Mittelpunkt steht nicht nur der luxuriöse Lebensstil Superreicher, sondern auch, welche Kapitalanlagen sie haben und worin sie investieren.
Understanding the Climate Debt of Extreme Wealth
Der Report von Greenpeace Afrika analysiert die Klimaschäden extremer Vermögenskonzentration und zeigt, welche Rolle Kapitalanlagen und CO₂-intensive Investmentportfolios für die globale Klimaverantwortung spielen.
Report "Understanding the Climate Debt of extreme Wealth"Der Report berechnet die Klimaschäden, die entstehen, wenn die Emissionen dieser kleinen Gruppe Superreicher über einen gerechten Anteil am verbleibenden CO₂-Budget für das 1,5-Grad-Ziel hinausgehen.
Klimaverantwortung lässt sich nicht allein am Konsum festmachen, etwa an Privatjets, Yachten oder Luxusvillen. Entscheidend sind auch klimaschädliche Emissionen durch Kapitalanlagen und CO₂-intensive Investmentportfolios.
Doch die internationale und nationale Klimapolitik konzentriert sich bislang vor allem auf produktions- und konsumbezogene Emissionen. Der Greenpeace-Report ergänzt diese Perspektive um die Frage der sogenannten „eigentumsbezogenen“ Emissionen: Wem gehören die Unternehmen und Kapitalanlagen, die hohe Emissionen verursachen? Diese Betrachtung verschiebt die Klimabilanz deutlich.
Für das Jahr 2022 kommt der Report zu einem deutlichen Ergebnis: Den Investitionen der reichsten 0,01 Prozent der Welt werden geschätzte 992 Milliarden US-Dollar Klimaschäden zugerechnet. Zum Vergleich: Die konsumbezogenen Klimaschäden derselben Gruppe, also etwa durch Wohnen, Reisen oder andere Formen des persönlichen Verbrauchs, schätzt der Report auf 405 Milliarden US-Dollar.
„An extremen Vermögen hängen noch größere Klimaschäden als bisher angenommen. Die Spitze der Superreichen trägt besonders stark zur Klimakrise bei und muss nach dem Verursacherprinzip auch stärker an den Kosten beteiligt werden.“
Zentrale Ergebnisse des Reports zu den Klimaschäden der Superreichen
Zu den reichsten 0,01 Prozent zählt der Report eine sehr kleine Gruppe ultra-vermögender Privatpersonen weltweit, deren Vermögen typischerweise über 38 Millionen US-Dollar liegt. Die nachfolgenden Zahlen zeigen, wie stark sich Klimaverantwortung verschiebt, wenn nicht nur Konsum und Lebensstil , sondern auch Investments berücksichtigt werden.
- Den Investitionen der reichsten 0,01 Prozent der Welt werden für das Jahr 2022 geschätzte 992 Milliarden US-Dollar an Klimaschäden zugerechnet. Diese Summe entspricht umgerechnet rund 918 Milliarden Euro.
- Für ein durchschnittliches Mitglied dieser Gruppe lagen die geschätzten Klimaschäden aus Kapitalbesitz und Investitionen 2022 bei 1,24 Millionen US-Dollar.
- Diese Klimaschäden aus Kapitalbesitz und Investitionen waren mehr als doppelt so hoch wie die konsumbezogenen von 506.783 US-Dollar.
- Zugleich waren sie mehr als 130-mal so hoch wie bei einem durchschnittlichen Mitglied der reichsten 10 Prozent.
- Das reichste 1 Prozent war 2022 für rund 41 Prozent aller Emissionen aus Kapitalbesitz und Investitionen verantwortlich. Konsumbezogen entfielen auf das einkommensstärkste 1 Prozent dagegen 16,5 Prozent.
Eine Frage der Gerechtigkeit
Viele Länder, die am stärksten von der Klimakrise betroffen sind, haben selbst nur wenig zur Erhitzung der Erde beigetragen. Zugleich fehlen ihnen oft die finanziellen Mittel, um sich vor Überschwemmungen, Dürren oder Ernteausfällen zu schützen und klimafreundliche Entwicklung voranzubringen. Der Finanzbedarf der Entwicklungsländer ist enorm: Klimafinanzierung in Ländern des Globalen Südens wird auf mindestens 1 Billion US-Dollar jährlich geschätzt (laut Climate Action Network / CAN). Eine Vermögensbesteuerung könnte hier Mittel bereitstellen.
UN-Steuerkonvention: Ein Hebel für globale Klimagerechtigkeit
Ein möglicher politischer Hebel ist die geplante UN-Steuerkonvention. Unter dem Dach der Vereinten Nationen verhandeln Staaten über neue Regeln für internationale Steuerpolitik. Ziel ist ein gerechteres und wirksameres globales Steuersystem, das Steuervermeidung eindämmt und öffentliche Einnahmen stärkt.
Für die Klimapolitik ist das zentral. Denn gerechte Steuerregeln können helfen, Mittel für Klimaschutz, Anpassung und nachhaltige Entwicklung zu mobilisieren. Gleichzeitig können sie dazu beitragen, sehr vermögende Privatpersonen und große klimaschädliche Unternehmen stärker in die Verantwortung zu nehmen.
Greenpeace fordert Regierungen auf, das Verursacherprinzip in klima- und fiskalpolitische Rahmenwerke zu integrieren und sich im Rahmen der UN-Steuerkonvention für eine wirksame Besteuerung sehr vermögender Privatpersonen und großer klimaschädlicher Unternehmen einzusetzen. Dazu gehören verbindliche Regeln zu Besteuerungsrechten, Transparenz und Maßnahmen gegen Steuervermeidung und Steuermissbrauch.