Riesige Klimaschäden durch Superreiche
- Ein Artikel von Michelle Bayona
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Ein neuer Greenpeace-Report zeigt: Die größten Klimaschäden der Superreichen entstehen nicht nur durch Privatjets und Luxusvillen, sondern durch Beteiligungen und Finanzanlagen.
Die Finanzierungsfrage wird in der Klimakrise immer drängender. Denn während Dürren, Überschwemmungen, Stürme und Hitzewellen weltweit zunehmen, reicht das bisher zugesagte Geld für Klimaschutz, Anpassung und Schäden in besonders betroffenen Ländern nicht aus. Gleichzeitig bleibt eine Gruppe in der Klimadebatte bislang oft im Schatten: sehr vermögende Menschen, deren Reichtum nicht nur mit hohem Konsum verbunden ist, sondern auch mit Investitionen in emissionsintensive Wirtschaftsbereiche.
Ein aktueller Greenpeace-Report beantwortet die Frage, wie stark die reichsten Menschen Europas zur Klimakrise beitragen. Die Studie untersucht erstmals, welche Klimaschäden durch den Lebensstil, aber auch durch das Vermögen und die Investitionen besonders reicher Menschen entstehen. Diese Schäden rechnet die Studie in „Klimaschulden“ um. Entscheidend ist dabei, wie viele Treibhausgasemissionen Einzelpersonen über ihren jeweils fairen Anteil hinaus verursachen.
Die Studie berechnet die Klimaschulden des reichsten Prozents der Bevölkerung in 24 EU-Staaten für das Jahr 2022 auf zwei unterschiedliche Arten:
- Eigentumsbasiert: rund 301 Milliarden Euro. Dieser Ansatz berücksichtigt die Treibhausgasemissionen, die mit dem Besitz von Unternehmen, Aktien und anderen Vermögenswerten verbunden sind. Die Emissionen werden den Eigentümer:innen anteilig zugerechnet.
- Konsumbasiert: rund 80 Milliarden Euro. Dieser Ansatz berücksichtigt die Treibhausgasemissionen, die durch den persönlichen Lebensstil und Konsum entstehen – etwa durch Flugreisen, Wohnen, Mobilität oder den Kauf von Waren und Dienstleistungen.
Die Klimaschulden des reichsten Prozents fallen beim eigentumsbasierten Ansatz also fast viermal so hoch aus wie beim konsumbasierten. Entscheidend für die Klimaverantwortung der Superreichen ist demnach nicht nur, wie sie leben, sondern vor allem, was sie besitzen.
Die Klimaschulden sind dabei sehr ungleich verteilt: Pro Kopf verursacht das reichste Prozent durch sein Vermögen je nach Land etwa vier- bis mehr als achtmal so hohe Klimaschulden wie die reichsten zehn Prozent insgesamt. Deutschland gehört neben Irland, Österreich, Estland und Litauen zu den Ländern mit den höchsten Werten. Allerdings dürften die Klimaschulden auf ganz Europa bezogen noch höher liegen: Weil nicht ausreichend bekannt ist, wem welche Vermögenswerte gehören, konnten Luxemburg, die Niederlande und Zypern nicht in die Berechnung einbezogen werden. Die neuen Ergebnisse wurden veröffentlicht, während bei einem EU-Gipfel in Brüssel die Regierungschefs über das künftige EU-Budget und neue Einnahmequellen sprechen.
„Die Regierungen haben jetzt die Chance, zu handeln: Sie müssen die UN-Steuerkonvention nutzen, um extrem große Vermögen stärker zu besteuern und offenzulegen, wem besonders klimaschädliche Unternehmen und Vermögenswerte tatsächlich gehören. Wer die Verursacher:innen der Klimakrise zur Kasse bitten will, muss wissen, was die Superreichen tatsächlich besitzen.“
Die Klimaschäden der Superreichen
Die Studie „Under the Surface: The Hidden Climate Debt of Extreme Wealth in the European Union“ knüpft an eine vorangegangene Veröffentlichung von Greenpeace Afrika an. Bereits im Juni analysierte der Report „Understanding the Climate Debt of Extreme Wealth, welche Klimaschäden mit extremer Vermögenskonzentration verbunden sind. Im Mittelpunkt steht nicht nur der luxuriöse Lebensstil Superreicher, sondern auch, welche Kapitalanlagen sie haben und worin sie investieren.
Der Report berechnete die Klimaschäden, die entstehen, wenn die Emissionen dieser kleinen Gruppe Superreicher über einen gerechten Anteil am verbleibenden CO₂-Budget für das 1,5-Grad-Ziel hinausgehen.
Klimaverantwortung lässt sich nicht allein am Konsum festmachen, etwa an Privatjets, Yachten oder Luxusvillen. Entscheidend sind auch klimaschädliche Emissionen durch Kapitalanlagen und CO₂-intensive Investmentportfolios.
Doch die internationale und nationale Klimapolitik konzentriert sich bislang vor allem auf produktions- und konsumbezogene Emissionen. Der Greenpeace-Report aus dem Juni ergänzt diese Perspektive um die Frage der sogenannten “eigentumsbezogenen„ Emissionen: Wem gehören die Unternehmen und Kapitalanlagen, die hohe Emissionen verursachen? Diese Betrachtung verschiebt die Klimabilanz deutlich.
Für das Jahr 2022 kam der Report zu einem deutlichen Ergebnis: Den Investitionen der reichsten 0,01 Prozent der Welt werden geschätzte 992 Milliarden US-Dollar Klimaschäden zugerechnet. Zum Vergleich: Die konsumbezogenen Klimaschäden derselben Gruppe, also etwa durch Wohnen, Reisen oder andere Formen des persönlichen Verbrauchs, schätzt der Report auf 405 Milliarden US-Dollar.
Understanding the Climate Debt of Extreme Wealth
Der Report von Greenpeace Afrika analysiert die Klimaschäden extremer Vermögenskonzentration und zeigt, welche Rolle Kapitalanlagen und CO₂-intensive Investmentportfolios für die globale Klimaverantwortung spielen.
Report "Understanding the Climate Debt of extreme Wealth"Zu den reichsten 0,01 Prozent zählte der Report aus dem Juni 2026 eine sehr kleine Gruppe ultra-vermögender Privatpersonen weltweit, deren Vermögen typischerweise über 38 Millionen US-Dollar liegt. Die nachfolgenden Zahlen zeigen, wie stark sich Klimaverantwortung verschiebt, wenn nicht nur Konsum und Lebensstil, sondern auch Investments berücksichtigt werden.
- Den Investitionen der reichsten 0,01 Prozent der Welt werden für das Jahr 2022 geschätzte 992 Milliarden US-Dollar an Klimaschäden zugerechnet. Diese Summe entspricht umgerechnet rund 918 Milliarden Euro.
- Für ein durchschnittliches Mitglied dieser Gruppe lagen die geschätzten Klimaschäden aus Kapitalbesitz und Investitionen 2022 bei 1,24 Millionen US-Dollar.
- Diese Klimaschäden aus Kapitalbesitz und Investitionen waren mehr als doppelt so hoch wie die konsumbezogenen von 506.783 US-Dollar.
- Zugleich waren sie mehr als 130-mal so hoch wie bei einem durchschnittlichen Mitglied der reichsten 10 Prozent.
- Das reichste 1 Prozent war 2022 für rund 41 Prozent aller Emissionen aus Kapitalbesitz und Investitionen verantwortlich. Konsumbezogen entfielen auf das einkommensstärkste 1 Prozent dagegen 16,5 Prozent.
Eine Frage der Gerechtigkeit
Viele Länder, die am stärksten von der Klimakrise betroffen sind, haben selbst nur wenig zur Erhitzung der Erde beigetragen. Zugleich fehlen ihnen oft die finanziellen Mittel, um sich vor Überschwemmungen, Dürren oder Ernteausfällen zu schützen und klimafreundliche Entwicklung voranzubringen. Der Finanzbedarf der Entwicklungsländer ist enorm: Klimafinanzierung in Ländern des Globalen Südens wird auf mindestens 1 Billion US-Dollar jährlich geschätzt (laut Climate Action Network / CAN). Eine Vermögensbesteuerung könnte hier Mittel bereitstellen.
UN-Steuerkonvention: Ein Hebel für globale Klimagerechtigkeit
Ein möglicher politischer Hebel ist die geplante UN-Steuerkonvention. Unter dem Dach der Vereinten Nationen verhandeln Staaten über neue Regeln für internationale Steuerpolitik. Ziel ist ein gerechteres und wirksameres globales Steuersystem, das Steuervermeidung eindämmt und öffentliche Einnahmen stärkt.
Für die Klimapolitik ist das zentral. Denn gerechte Steuerregeln können helfen, Mittel für Klimaschutz, Anpassung und nachhaltige Entwicklung zu mobilisieren. Gleichzeitig können sie dazu beitragen, sehr vermögende Privatpersonen und große klimaschädliche Unternehmen stärker in die Verantwortung zu nehmen.
Greenpeace fordert Regierungen auf, das Verursacherprinzip in klima- und fiskalpolitische Rahmenwerke zu integrieren und sich im Rahmen der UN-Steuerkonvention für eine wirksame Besteuerung sehr vermögender Privatpersonen und großer klimaschädlicher Unternehmen einzusetzen. Dazu gehören verbindliche Regeln zu Besteuerungsrechten, Transparenz und Maßnahmen gegen Steuervermeidung und Steuermissbrauch.