Jetzt spenden
Group Action Day on Ecological Wealth Tax  in Cologne
© Markus J. Feger / Greenpeace

Pirmasens: Wie eine Vermögensteuer die kommunale Finanznot lindern könnte

Label
Einmalig
Label
Monatlich
Standardintervall
Monatlich
Position Spendenbar am unteren Rand
Aus

Eine Vermögensteuer könnte der klammen Stadt Pirmasens jährlich 14,7 Millionen Euro einbringen, zeigt eine Studie von Greenpeace. Geld für Schulen, Kitas, Straßen, Radverkehr und Klimaanpassung. 

Pirmasens leidet bis heute unter den Folgen des Strukturwandels. Einst ein Zentrum der deutschen Schuhindustrie, ist die rheinland-pfälzische Stadt heute von hoher Arbeitslosigkeit, Bevölkerungsrückgang und geringen eigenen Einnahmen geprägt.  Gleichzeitig steht Pirmasens wie andere Kommunen auch vor der Herausforderung, zunehmend mehr Pflichtaufgaben finanzieren zu müssen und die Stadt zukunftssicher aufzustellen - gerade auch für die Herausforderungen und Gefahren der Klimakrise. 

Eine Vermögensteuer mit sozial-ökologischer Lenkungswirkung könnte der Stadt jährlich rund 14,7 Millionen Euro zusätzlich bringen – Geld für Schulen, Kitas, Straßen, Radverkehr und Klimaanpassung. Das hat das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) für Greenpeace in einer neuen Fallstudie analysiert. Nach einer Modellrechnung könnte eine Vermögensteuer nach dem Greenpeace-Konzept Pirmasens jährlich rund 14,7 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen bringen. Das Greenpeace-Steuerkonzept mit ökologischer Lenkungswirkung sieht einen Steuersatz von zwei Prozent auf Nettovermögen oberhalb von 100 Millionen Euro sowie einen zusätzlichen Steuer-Malus von 0,5 Prozent auf klimaschädliche Vermögen vor. Betroffen wären weniger als 5.000 Haushalte in ganz Deutschland.

Die Pirmasens-Studie ist die dritte Fallstudie einer Reihe, die die im Juni veröffentlichte Analyse zur kommunalen Finanznot in Deutschland an konkreten Beispielen vor Ort weiterführt  (Zur Studienreihe).

Das Wichtigste auf einen Blick

Fallstudie „Pirmasens – Finanzen auf sichere Beine stellen“

Text

14,7 Millionen Euro
könnte Pirmasens nach einer Modellrechnung jährlich zusätzlich aus einer Vermögensteuer erhalten.

20,1 Millionen Euro
beträgt das für 2026 geplante Haushaltsdefizit der Stadt.

Rund 73 Prozent
des Defizits könnten durch die zusätzlichen Einnahmen rechnerisch ausgeglichen werden.

Mindestens 12 von 15 Schulen
in städtischer Trägerschaft sind vom Sanierungsstau betroffen.

Bis 2030

soll Pirmasens besser mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Rad und zu Fuß erreichbar sein; dafür sind massive Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur nötig. 

Kommunale Vermögensteuer - Fallstudie Pirmasens

Kommunale Vermögensteuer - Fallstudie Pirmasens

Die neue Studie des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag von Greenpeace zeigt: Eine gezielte Steuer auf große Vermögen ab 100 Millionen Euro mit sozial-ökologischer Lenkungswirkung könnte Pirmasens jährlich rund 14,7 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen bringen. Damit ließen sich rechnerisch rund 73 Prozent des für 2026 erwarteten Haushaltsdefizits ausgleichen.

Anzahl Seiten: 16

Dateigröße: 1.05 MB

Herunterladen
Staff Portrait Barbara Happe in Germany

Dr. Barbara Happe

Greenpeace-Sprecherin für Steuergerechtigkeit

„Eine Steuer mit sozial-ökologischer Lenkungswirkung auf sehr große Vermögen könnte Pirmasens den finanziellen Spielraum geben, Schulen und Kitas zu sanieren, nachhaltige Mobilität auszubauen und den Schutz vor Hitze und Klimafolgen zu stärken. Ein Staat, der vor Ort sichtbar und verlässlich funktioniert, schafft Vertrauen und stärkt damit die Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“
Staff Portrait Barbara Happe in Germany
Zitat
„Eine Steuer mit sozial-ökologischer Lenkungswirkung auf sehr große Vermögen könnte Pirmasens den finanziellen Spielraum geben, Schulen und Kitas zu sanieren, nachhaltige Mobilität auszubauen und den Schutz vor Hitze und Klimafolgen zu stärken. Ein Staat, der vor Ort sichtbar und verlässlich funktioniert, schafft Vertrauen und stärkt damit die Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“
Zitatinhaber, Vorname Nachname
Dr. Barbara Happe
Position des Zitatinhabers
Greenpeace-Sprecherin für Steuergerechtigkeit
Kreisförmiges Bild
An

Online-Mitmachaktion

https://act.greenpeace.de/milliarden-fuer-kommunen

Milliardärssteuer gegen klamme Kommunen

Kommunen fehlt Geld für ÖPNV & Hitzeschutz, während Milliardär:innen die Klimakrise anheizen. Eine faire Vermögensteuer bringt Geld dorthin, wo Kommunen es am dringendsten benötigen. Schreiben Sie jetzt Ihrem:r Bürgermeister:in für lebenswerte Städte!

Jetzt mitmachen
Illustration grüne Stadt

Strukturwandel belastet Pirmasens bis heute

Pirmasens war einst eine Hochburg der deutschen Schuhindustrie. 1960 beschäftigte die Branche in Stadt und Landkreis noch rund 32.000 Menschen. Mit der Verlagerung der Produktion gingen in diesem Sektor die meisten Arbeitsplätze verloren. Auch der Abzug der amerikanischen Streitkräfte in den 1990er Jahren traf die lokale Wirtschaft.

Die Folgen sind bis heute sichtbar: Seit 1961 ist die Einwohner:innenzahl um mehr als ein Drittel gesunken. Im Juni 2026 lag die Arbeitslosenquote mit 12,1 Prozent mehr als doppelt so hoch wie im rheinland-pfälzischen Durchschnitt. Auch das durchschnittliche Primäreinkommen liegt deutlich unter dem Landes- und Bundesdurchschnitt. 

Das wirkt sich unmittelbar auf die Finanzen der Stadt aus. Der Anteil der Einnahmen aus Einkommen- und Gewerbesteuer liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, gleichzeitig sind die Ausgaben für soziale Pflichtaufgaben hoch. Für 2026 plant Pirmasens erneut mit einem Defizit von rund 20,1 Millionen Euro.

Pirmasens fordert seit Jahren eine strukturell bessere Finanzausstattung und hat zwei Klagen gegen den Finanzausgleich für 2024 und 2025 eingereicht.  Oberbürgermeister Markus Zwick (CDU) beschreibt die Folgen der knappen Kassen besonders mit Blick auf die Schulen drastisch: Die Stadt arbeite dort „seit 30 Jahren auf Verschleiß“.

Sanierungsstau an Pirmasenser Schulen

Besonders sichtbar wird die Finanznot an den Schulen. Mindestens zwölf der 15 Schulen in städtischer Trägerschaft sind vom Sanierungsstau betroffen. Statt umfassender Sanierungen kann die Stadt vielerorts nur schrittweise modernisieren.

Ein Beispiel ist das Hugo-Ball-Gymnasium. Eine Generalsanierung war bereits vor rund 20 Jahren vorgesehen, konnte aus finanziellen Gründen aber nicht umgesetzt werden. Seit 2020 wurden zwar rund 5,6 Millionen Euro investiert, weitere Sanierungsschritte stehen jedoch noch aus.

Auch dringend benötigte Neubauten verzögern sich. Die Pirminiusschule ist für 90 Schüler:innen ausgelegt, wird aber von knapp 140 Kindern besucht. Sie soll gemeinsam mit der Grundschule Husterhöhe in das neue Schulzentrum Nord ziehen. Für das Projekt sind rund 16 Millionen Euro veranschlagt. Wegen der angespannten Finanzlage und begrenzter Investitionskredite sucht die Stadt nach zusätzlichen Fördermitteln.

Auch Kitas warten auf Sanierungen

Ähnlich sieht es bei den Kindertagesstätten aus. Die Kita „Villa Kunterbunt“ im Stadtteil Winzeln wurde seit den 1960er-Jahren nicht grundlegend saniert. Eine Sanierung war bereits 2009 zugesagt, befindet sich aber noch immer in der Planung.

Auch bei der Paulus-Kindertagesstätte besteht Sanierungsbedarf. Nachdem das Gebäude 2015 wegen statischer Probleme schließen musste, wurden zunächst nur kleinere Arbeiten vorgenommen. Eine grundlegende Sanierung blieb bislang aus.

Gleichzeitig braucht Pirmasens zusätzliche Betreuungsplätze. Um Kosten zu sparen, setzt die Stadt teilweise auf vorhandene Containergebäude und baut diese für die Kinderbetreuung um.

Public Transport- Regional Bus Brandenburg
© Paul Langrock / Greenpeace

Milliardärssteuer: Kommunen stärken

Überblick

Eine moderate Vermögensteuer auf besonders hohe Vermögen ab 100 Millionen Euro würde Kommunen stärken. Denn Städte und Gemeinden brauchen verlässliches Geld für Schulen, Kitas, Nahverkehr, Infrastruktur und Schutz vor Klimafolgen.

mehr erfahren über Milliardärssteuer: Kommunen stärken
Wilhelm-Kaisen-Brücke in Bremen
© Kerstin Rolfes/Greenpeace

Finanznot in Bremen lindern

Hintergrund

Bremen hat die höchste Pro-Kopf-Verschuldung aller Bundesländer. Doch eine Vermögensteuer könnte Investitionen in Schulen, Kitas, Nahverkehr und Hitzeschutz ermöglichen.

mehr erfahren über Finanznot in Bremen lindern
Marktplatz in Halle (c) imageBROKER / dpa /  pa
(c) imageBROKER / dpa / pa

Halle: Geld für Zukunftsinvestitionen

Nachricht

Halle (Saale) fehlt das Geld für wichtige Zukunftsinvestitionen. Eine Vermögensteuer mit ökologischer Lenkungswirkung könnte die Finanznot lindern.

mehr erfahren über Halle: Geld für Zukunftsinvestitionen

Radverkehr unter finanziellem Druck

Nicht nur das Straßennetz erfordert hohe Investitionen. Beim Radverkehr besteht ebenfalls klarer Nachholbedarf. Im ADFC-Fahrradklima-Test 2024 bewerteten die Pirmasenser:innen ihre Stadt mit der Note 4,5. In ihrer Größenklasse landete Pirmasens damit auf Rang 417 von 429 Kommunen. Das Radverkehrskonzept der Stadt sieht zahlreiche Verbesserungen vor. Bislang konnten jedoch vor allem kleinere Maßnahmen wie Markierungen und neue Schilder umgesetzt werden. Für größere Projekte wie neue Radwege fehlten Fördermittel.

Klimaschutz trotz knapper Kassen

Dabei mangelt es Pirmasens nicht an Ideen. Die Stadt hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Nachhaltigkeitsprojekte entwickelt und wurde bereits für ihre Bemühungen ausgezeichnet. Ihre Nachhaltigkeitsstrategie umfasst rund 155 Maßnahmen – von mehr Grün in der Stadt bis zur energetischen Sanierung kommunaler Gebäude.

Für größere Projekte fehlen jedoch häufig die finanziellen Spielräume. Das betrifft etwa Investitionen in eine erneuerbare Wärmeversorgung oder die Anpassung der Stadt an zunehmende Hitze. An der Robert-Schuman-Grundschule leiden Schüler:innen und Lehrkräfte in den Sommermonaten unter Überhitzung. Die Stadt investiert deshalb unter anderem in eine Beschattungsanlage und überdachte Erholungsplätze. 

Was 14,7 Millionen Euro in Pirmasens ermöglichen könnten

Die Fallstudie zeigt beispielhaft, wofür die zusätzlichen Einnahmen eingesetzt werden könnten:

  • 8 Millionen Euro jährlich für Schulen: Damit könnte Pirmasens das auf 16 Millionen Euro veranschlagte Schulzentrum Nord rechnerisch innerhalb von zwei Jahren aus eigenen Mitteln finanzieren. Anschließend könnten weitere Schulen und Kitas saniert oder besser gegen Hitze geschützt werden.
  • 4 Millionen Euro jährlich für Straßen und Radverkehr: Die Stadt könnte Straßen instand halten und größere Vorhaben aus dem Radverkehrskonzept umsetzen, darunter den Bau neuer Radwege.
  • 2,7 Millionen Euro für weitere Zukunftsinvestitionen: Die verbleibenden Mittel könnten unter anderem in Klimaschutz, Klimaanpassung und eine erneuerbare Wärmeversorgung fließen.

Die Rechnung zeigt dabei keine konkrete Haushaltsplanung, sondern beispielhaft, welche Größenordnung zusätzliche Einnahmen für eine finanzschwache Kommune bedeuten könnten.

Vermögensteuer: Wie das Geld nach Pirmasens kommen könnte

Die von Greenpeace vorgeschlagene Vermögensteuer mit sozial-ökologischer Lenkungswirkung wäre eine Ländersteuer. Die Einnahmen würden daher zunächst den Bundesländern zufließen und nicht direkt an Pirmasens.

Die Fallstudie zeigt einen möglichen Weg, wie zusätzliche Einnahmen aus einer Vermögensteuer bei finanzschwachen Städten und Gemeinden ankommen könnten. Die Modellrechnung berücksichtigt zunächst, welcher Anteil des zusätzlichen Steueraufkommens nach dem Finanzkraftausgleich auf Rheinland-Pfalz entfallen könnte. Anschließend wird modellhaft angenommen, dass zusätzliche Mittel über den kommunalen Finanzausgleich an die Kommunen weitergegeben werden und Pirmasens daran entsprechend seines bisherigen Anteils beteiligt wird. Unter diesen Annahmen könnten der Stadt rechnerisch rund 14,7 Millionen Euro jährlich zufließen.

Damit Pirmasens tatsächlich zusätzliche Mittel erhält, müsste Rheinland-Pfalz die Einnahmen aus der Vermögensteuer entsprechend in die Finanzierung seiner Kommunen einbeziehen.

Infografik: Der Weg des Geldes - von der Vermögensteuer in die Kommune

Mehr zum Thema

Marktplatz in Halle (c) imageBROKER / dpa /  pa

Halle: Geld für Zukunftsinvestitionen

Halle (Saale) fehlt das Geld für wichtige Zukunftsinvestitionen. Eine Vermögensteuer mit ökologischer Lenkungswirkung könnte die Finanznot lindern.

mehr erfahren über Halle: Geld für Zukunftsinvestitionen
Wilhelm-Kaisen-Brücke in Bremen

Finanznot in Bremen lindern

Bremen hat die höchste Pro-Kopf-Verschuldung aller Bundesländer. Doch eine Vermögensteuer könnte Investitionen in Schulen, Kitas, Nahverkehr und Hitzeschutz ermöglichen.

mehr erfahren über Finanznot in Bremen lindern
Autobahnverkehr aus der Vogelperspektive

Umweltschädliche Subventionen abbauen

Umweltschädliches Wirtschaften wird in Deutschland noch immer belohnt. Jahr für Jahr fließen Milliarden an Anreizen und Subventionen in den Verbrauch von Öl, Gas und Kohle.

mehr erfahren über Umweltschädliche Subventionen abbauen
Public Transport- Regional Bus Brandenburg

Milliardärssteuer: Kommunen stärken

Eine moderate Vermögensteuer auf besonders hohe Vermögen ab 100 Millionen Euro würde Kommunen stärken. Denn Städte und Gemeinden brauchen verlässliches Geld für Schulen, Kitas, Nahverkehr, Infrastruktur und Schutz vor Klimafolgen.

mehr erfahren über Milliardärssteuer: Kommunen stärken
Climate March 2025 in New York

UN-Steuerkonvention – eine historische Chance

Unter dem Dach der Vereinten Nationen entsteht mit der UN Tax Convention ein globales Steuerabkommen, das neue Wege für gerechte Finanzierung von Klimaschutz und sozialer Entwicklung eröffnen soll.

mehr erfahren über UN-Steuerkonvention – eine historische Chance
Greenpeace Activists Symbolically “Confiscate” WEF Participants Private Planes in Switzerland

WEF Davos: Greenpeace fordert Milliardärssteuer

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos treffen sich die reichsten und mächtigsten Menschen der Welt. Anreise: oft im Privatjet. Greenpeace fordert eine Milliardärssteuer und weniger Privatflüge.

mehr erfahren über WEF Davos: Greenpeace fordert Milliardärssteuer