Gebäudeenergiegesetz: Rückschritt im Heizungskeller
- Ein Artikel von Sonka Terfehr
- mitwirkende Expert:innen Mira Jäger
- Hintergrund
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) wird zum Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) – und auch sonst ändert sich einiges. Leider zum Schlechten. Wie die Bundesregierung den Klimaschutz im Gebäudesektor runterfährt.
Mit ihren Plänen zur “Abschaffung des Heizungsgesetzes” vollzieht die Bundesregierung eine Rolle rückwärts beim Klimaschutz, treibt Verbraucher:innen in die Kostenfalle und Deutschland immer tiefer in die fossile Sackgasse. Und das in Zeiten geopolitischer Krisen, die überdeutlich zeigen, wie dringend wir uns aus der Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten befreien müssten.
Mit den am 24. Februar 2026 veröffentlichten “Eckpunkten zum neuen Gebäudemodernisierungsgesetz” kippt die Bundesregierung die geltende Vorgabe, dass neu eingebaute Heizungen künftig mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien nutzen müssen. Stattdessen sollen Versorgungsunternehmen durch eine so genannte “Grüngas bzw. Grünölquote” den fossilen Heizstoffen schrittweise angeblich nicht-fossile Gase und Öle beimischen. Die Regierung nennt das “Bio-Treppe”, die 2028 mit der homöopathischen Menge von bis zu einem Prozent starten, 2029 zehn Prozent erreichen und dann weitere bisher nicht definierte Stufen hochtrippeln soll. De facto heißt das: klimaschädliche Gas- und Ölheizungen dürfen nun viel länger weiterlaufen und sogar noch neu eingebaut werden. Mühsam erlangte Fortschritte werden damit kurzerhand wieder einkassiert – zu Lasten des Klimas, aber auch der Verbraucher:innen. Denn die “grünen” Alternativen zum fossilen Gas und Öl sind knapp und teuer, CO2-Preis und Gasnetzentgelte pro Haushalt werden absehbar steigen.
GEG: finanzielles Fiasko
Besonders für Mieter:innen droht das neue Gesetz zum finanziellen Fiasko zu werden. Da Vermieter:innen die Brennstoffkosten in der Regel voll umlegen können, fehlt ihnen der Anreiz, in wirklich effiziente neue Systeme wie Wärmepumpen zu investieren. Eine Studie, die das Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace erstellt hat, zeigt: Für die ärmsten 10 Prozent der Haushalte in Deutschland könnten die Heizkosten bis 2040 auf 9 Prozent ihres gesamten Einkommens steigen. Das ist fast eine Verdopplung gegenüber der heutigen Belastung.
“Viele arme Menschen können sich das Heizen schon heute kaum leisten. Wenn sie bald durch die Gaslobby-freundlichen Regeln noch mehr dafür zahlen müssen, bleibt ihnen nur noch die Wahl zwischen frieren oder bei anderen Grundbedürfnissen wie gesunder Ernährung weiter kürzen zu müssen.”
Und auch auf die Allgemeinheit kommen durch den abgeschwächten Klimaschutz enorme Kosten zu, schließlich steigt der Treibhausgasausstoß, wenn fossile Heizsysteme länger laufen, als nach altem Heizungsgesetz vorgesehen. Schon jetzt verfehlt der Gebäudesektor die nationalen Klimaziele, durch Abschaffung der 65-Prozent-Regelung könnte sich die Ziellücke bis 2030 um 5 bis 8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente vergrößern. Bis 2040 würde das Budgetdefizit so auf bis zu 172 Millionen Tonnen anwachsen. Im Rahmen der EU- Klimaschutzverordnung (ESR) müsste Deutschland zusätzliche Emissionsrechte in Höhe von bis zu 2,8 Milliarden Euro kaufen, so die Studie. Steuergelder, mit denen man mehrere hunderttausend Wärmepumpen fördern könnte.
GEG: Geschenk für die fossile Industrie
Was die Bundesregierung hier plant, ist ein riesiges Geschenk für die fossile Industrie, die länger an ihrem klimaschädlichen Geschäftsmodell festhalten kann. Die Gaslobby kann also jubeln, während alle anderen die Zeche zahlen.
Die gute Nachricht: Hausbesitzer:innen und Unternehmen haben sich längst auf die 65-Prozent-Regel eingestellt, Kommunen und Handwerk arbeiten damit. Das belegt der rasant steigende Einbau von Wärmepumpen zeigt. Wer bald einen Heizungstausch plant, sollte sich nicht verunsichern lassen und mehr Vernunft beweisen als die Bundesregierung: langfristig ist und bleibt die Wärmepumpe neben erneuerbaren Wärmenetzen die beste Lösung – fürs Klima und für den eigenen Geldbeutel.