Jetzt spenden
Documentation of an Air-Source Heat Pump in Germany
© Felix Schmitt / Greenpeace

Gebäudeenergiegesetz: Rückschritt im Heizungskeller

Label
Einmalig
Label
Monatlich
Standardintervall
Monatlich
Position Spendenbar am unteren Rand
Aus

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) wird zum Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) – und auch sonst ändert sich einiges. Leider zum Schlechten. Wie die Bundesregierung den Klimaschutz im Gebäudesektor runterfährt.

Mit ihren Plänen zur “Abschaffung des Heizungsgesetzes” vollzieht die Bundesregierung eine Rolle rückwärts beim Klimaschutz, treibt Verbraucher:innen in die Kostenfalle und Deutschland immer tiefer in die fossile Sackgasse. Und das in Zeiten geopolitischer Krisen, die überdeutlich zeigen, wie dringend wir uns aus der Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten befreien müssten. 

Mit den am 24. Februar 2026 veröffentlichten “Eckpunkten zum neuen Gebäudemodernisierungsgesetz” kippt die Bundesregierung die geltende Vorgabe, dass neu eingebaute Heizungen künftig mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien nutzen müssen. Stattdessen sollen Versorgungsunternehmen durch eine so genannte “Grüngas bzw. Grünölquote” den fossilen Heizstoffen schrittweise angeblich nicht-fossile Gase und Öle beimischen. Die Regierung nennt das “Bio-Treppe”, die 2028 mit der homöopathischen Menge von bis zu einem Prozent starten, 2029 zehn Prozent erreichen und dann weitere bisher nicht definierte Stufen hochtrippeln soll. De facto heißt das: klimaschädliche Gas- und Ölheizungen dürfen nun viel länger weiterlaufen und sogar noch neu eingebaut werden. Mühsam erlangte Fortschritte werden damit kurzerhand wieder einkassiert – zu Lasten des Klimas, aber auch der Verbraucher:innen. Denn die “grünen” Alternativen zum fossilen Gas und Öl sind knapp und teuer, CO2-Preis und Gasnetzentgelte pro Haushalt werden absehbar steigen. 

GEG: finanzielles Fiasko

Besonders für Mieter:innen droht das neue Gesetz zum finanziellen Fiasko zu werden. Da Vermieter:innen die Brennstoffkosten in der Regel voll umlegen können, fehlt ihnen der Anreiz, in wirklich effiziente neue Systeme wie Wärmepumpen zu investieren. Eine Studie, die das Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace erstellt hat, zeigt: Für die ärmsten 10 Prozent der Haushalte in Deutschland könnten die Heizkosten bis 2040 auf 9 Prozent ihres gesamten Einkommens steigen. Das ist fast eine Verdopplung gegenüber der heutigen Belastung. 

Greenpeace Germany Staff Portrait Mira Jäger
“Viele arme Menschen können sich das Heizen schon heute kaum leisten. Wenn sie bald durch die Gaslobby-freundlichen Regeln noch mehr dafür zahlen müssen, bleibt ihnen nur noch die Wahl zwischen frieren oder bei anderen Grundbedürfnissen wie gesunder Ernährung weiter kürzen zu müssen.”

Mira Jäger

Energieexpertin bei Greenpeace

Greenpeace Germany Staff Portrait Mira Jäger
Zitat
“Viele arme Menschen können sich das Heizen schon heute kaum leisten. Wenn sie bald durch die Gaslobby-freundlichen Regeln noch mehr dafür zahlen müssen, bleibt ihnen nur noch die Wahl zwischen frieren oder bei anderen Grundbedürfnissen wie gesunder Ernährung weiter kürzen zu müssen.”
Zitatinhaber, Vorname Nachname
Mira Jäger
Position des Zitatinhabers
Energieexpertin bei Greenpeace
Kreisförmiges Bild
An
Licht fällt aus einem Dachfenster
Getty Images

Wärmewende

Hintergrund

Auch Gebäudewärme muss klimaneutral werden, wollen wir die Klimaziele schaffen und unabhängig von Fossilen aus Kriegsgebieten werden. Laut einem Gutachten wären Rückschritte sogar verfassungswidrig.

mehr erfahren über Wärmewende
Mira Jäger schaut aus dem Fenster, Wärmepumpe im Vordergrund
© Felix Schmitt / Greenpeace

Wärmepumpe: So gelingt der Heizungstausch

Hintergrund

Mira Jäger, Energieexpertin von Greenpeace, hat ihren persönlichen Gasausstieg kürzlich vollzogen. Ihre Hausgemeinschaft hat sich für den Einbau einer Wärmepumpe entschieden. Hier ist ihr Erfahrungsbericht.

mehr erfahren über Wärmepumpe: So gelingt der Heizungstausch

Und auch auf die Allgemeinheit kommen durch den abgeschwächten Klimaschutz enorme Kosten zu, schließlich steigt der Treibhausgasausstoß, wenn fossile Heizsysteme länger laufen, als nach altem Heizungsgesetz vorgesehen. Schon jetzt verfehlt der Gebäudesektor die nationalen Klimaziele, durch Abschaffung der 65-Prozent-Regelung könnte sich die Ziellücke bis 2030 um 5 bis 8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente vergrößern. Bis 2040 würde das Budgetdefizit so auf bis zu 172 Millionen Tonnen anwachsen. Im Rahmen der EU- Klimaschutzverordnung (ESR) müsste Deutschland zusätzliche Emissionsrechte in Höhe von bis zu 2,8 Milliarden Euro kaufen, so die Studie. Steuergelder, mit denen man mehrere hunderttausend Wärmepumpen fördern könnte.

GEG: Geschenk für die fossile Industrie

Was die Bundesregierung hier plant, ist ein riesiges Geschenk für die fossile Industrie, die länger an ihrem klimaschädlichen Geschäftsmodell festhalten kann. Die Gaslobby kann also jubeln, während alle anderen die Zeche zahlen. 

Die gute Nachricht: Hausbesitzer:innen und Unternehmen haben sich längst auf die 65-Prozent-Regel eingestellt, Kommunen und Handwerk arbeiten damit. Das belegt der rasant steigende Einbau von Wärmepumpen zeigt. Wer bald einen Heizungstausch plant, sollte sich nicht verunsichern lassen und mehr Vernunft beweisen als die Bundesregierung: langfristig ist und bleibt die Wärmepumpe neben erneuerbaren Wärmenetzen die beste Lösung – fürs Klima und für den eigenen Geldbeutel. 

Mehr zum Thema

Protest against Drilling Fossil Gas in Reichling

Kein neues Gas in Bayern!

Wirtschaftsminister Aiwanger überzieht Bayern mit Genehmigungen für völlig aus der Zeit gefallene Vorhaben. Jetzt gibt Greenpeace ihm im Landtag Kontra.

mehr erfahren über Kein neues Gas in Bayern!
Break Free From Tyrants

LNG: neue fossile Abhängigkeiten

Aktivist:innen von Greenpeace demonstrieren in München für eine europäische Energieunabhängigkeit. Schluss mit Fossilen, Erneuerbare sind die Lösung!

mehr erfahren über LNG: neue fossile Abhängigkeiten
Wind Farm near Nauen, Germany

Kritik am Energiewende-Monitoringbericht

Der Vergleich zweier Fassungen des Monitoringberichts zur Energiewende zeigt: Das Wirtschaftsministerium hat entscheidende Passagen verändert. Über fossile Interessen und ein demokratisches Problem.

mehr erfahren über Kritik am Energiewende-Monitoringbericht
Windräder vor Morgenrot

Stand der Energiewende

Der Monitoringbericht zur Energiewende setzt vor allem auf Kosteneffizienz. Greenpeace-Recherchen zeigen: Einige Formulierungen des Berichts stammen aus dem Bundeswirtschaftsministerium selbst.

mehr erfahren über Stand der Energiewende
Floating Protest against Gas Drilling off Borkum

Kein neues Gas vor Borkum!

Die Bundesregierung will Gasbohrungen im Wattenmeer vor Borkum erlauben. Ein Vertrag zwischen Deutschland und den Niederlanden, der das Projekt ermöglicht, ist völkerrechtswidrig, so ein neues Rechtsgutachten.

mehr erfahren über Kein neues Gas vor Borkum!
Documentation of an Air-Source Heat Pump in Germany

Tag des offenen Heizungskellers

Bundesweit fanden am 15. November mehr als 200 Veranstaltungen statt. Falls Sie nicht dabei sein konnten: Es gibt digitale Folgeangebote - und eine Wiederholung im kommenden Jahr!

mehr erfahren über Tag des offenen Heizungskellers