Tierhaltung

Tierleid beenden

38 betäubungslose Kastrationen von Ferkeln pro Minute in Deutschland, doppelt so viele kupierte Schwänze. Das Leiden der Schweine muss ein Ende haben.

Haltung, Frau Klöckner

Julia Klöckner (CDU) lächelt in die Kameras, kündigt mehr Tierwohl an. Die Landwirtschaftsministerin inszeniert sich gerne als Handelnde – und ist längst vom Handel überholt worden. Alle großen Supermarktketten haben nach monatelanger Greenpeace-Kampagne eine einheitliche Kennzeichnung für Fleischprodukte angekündigt.

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Verbraucher können dann auf Verpackungen von Frischfleisch erkennen, wie das Tier gehalten wurde. Auf das seit langem angekündigte Label der Landwirtschaftsministerin wollten die Supermarktketten wohl nicht länger warten.

Klöckner ist seit über einem Jahr im Amt; seitdem ist wenig passiert. Den Tieren geht es nach wie vor schlecht: Sauen vegetieren in engen Kastenständen, Ferkel büßen ohne Betäubung die Hoden ein, die Ringelschwänze werden kupiert. Gülle belastet Gewässer, Pestizide schädigen die Artenvielfalt,  und die Agrargelder landen vor allem bei Großbetrieben. 

Nichts weist darauf hin, dass sich was ändern wird: zum Schutz der Tiere, des Klimas, der Ressourcen, der Artenvielfalt. 

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Schade, denn neben der moralischen Frage, ob eine Gesellschaft, die sich für zivilisiert hält, so mit Nutztieren umgehen will, verstoßen zahlreiche Missstände gegen geltendes Recht:

  • Schweine ohne Ringelschwänze: Schweine sind neugierige, intelligente Wesen. In der Natur sind sie viel unterwegs, wühlen und suhlen sich. In Mastställen stehen sie dicht nebeneinander, haben kaum Tageslicht und keine Ablenkung vom tristen Alltag.  Viele Schweine werden dadurch verhaltensauffällig; einige neigen zum Beißen, meist in den Ringelschwanz. Statt den Tieren Auslauf und Beschäftigung anzubieten, werden ihnen die Schwänze abgeschnitten. Ein grausamer Pragmatismus. In der EU ist diese Verstümmelung seit 1994 verboten. Weil Deutschland diese Vorgabe immer noch nicht umgesetzt hat, strebt die EU nun ein Vertragsverletzungsverfahren an.
  • Kastration ohne Betäubung: Pro Jahr werden 20 Millionen Ferkeln in Deutschland betäubungslos die Hoden abgeschnitten. Die EU hatte sich bereits 2010 darauf verständigt, diese Praxis bis Anfang 2018 zu beenden. In Deutschland sollte Anfang dieses Jahres Schluss sein. Das zuständige Landwirtschaftsministerium hat jedoch eine Verlängerung um weitere zwei Jahre durchgesetzt. Es gäbe keine Alternativen, um den strengen Ebergeruch zu verhindern. Das jedoch stimmt nicht. Zahlreiche Länder praktizieren bereits die Ebermast, die Impfung oder die Narkose und Kastration durch den Tierarzt. Kostet nur mehr, als wenn der Bauer selbst schnippelt.
  • Sauen ohne Platz: Ein 70 Zentimeter breiter Käfig steht einer Sau zu, die gut und gerne 250 Kilogramm auf die Waage bringt. Will sie sich hinlegen und dabei gar die Beine ausstrecken, endet dieser Versuch im Rücken der Nachbarin. Den Großteil ihres Lebens verbringen Sauen so: wenn sie besamt werden, wenn sie Ferkel gebären. 2015 entschied das Oberverwaltungsgericht Magdeburg, dass der zu enge Kastenstand nicht rechtens ist. Die Tiere müssen sich ungehindert ausstrecken können. Bis heute hat das Landwirtschaftsministerium dieses Urteil nicht umgesetzt.
  • Gülle ohne Land: Viele Tiere, viel Gülle. So ist das nun mal, wenn Tiere wie üblich ganz ohne Einstreu gehalten werden. Die Landwirtschaft stellt diese einfache Rechnung vor Probleme. Bauern wissen nicht, wohin mit den ganzen Exkrementen. Häufig kommt zu viel davon auf die Äcker. Die überflüssigen Nährstoffe landen im Grundwasser, in Flüssen, Seen, dem Meer und in der Luft. Darunter leiden die Ökosysteme; Wasserwerke beklagen die Wasserqualität. Weil die Bundesregierung daran nichts ändert, hat die EU Deutschland verklagt

Kein Hexenwerk: die Lösungen

Die EU, Teile der bundesdeutschen Politik, Gerichte fordern Konsequenzen. Anfang Januar demonstrierten 35.000 Menschen – Bauern wie Verbraucher – für die Agrarwende. 125.000 Menschen unterschrieben eine an die Landwirtschaftsministerin gerichtete Greenpeace-Petititon für mehr Tierwohl. Klöckner täte also gut daran, die längst überfälligen Veränderungen anzugehen. 

So muss die Nutztierhaltungsverordnung, die den Umgang mit Nutztieren regelt, dringend reformiert werden. Sie toleriert die oben genannten Missstände und verstößt damit laut Greenpeace-Gutachten gegen Tierschutz und Verfassung. Das Bundesland Berlin hat auf dieser Basis im Januar eine Normenkontrollklage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht.

Eine verpflichtende Haltungskennzeichnung für alle Fleischprodukte wiederum informiert Verbraucher darüber, wie die Tiere gehalten werden. Diese Transparenz ermöglicht ihnen, sich für Fleisch aus besserer Tierhaltung zu entscheiden. Die von Klöckner geplante Kennzeichnung soll lediglich freiwillig sein und nur die besseren Produkte ausloben. Schätzungsweise 90 Prozent des Fleisches würden also weiterhin ohne einen Hinweis auf miese Massentierhaltung im Kühlregal liegen. Längst überfällig ist eine neue Gülleverordnung, die etwa die Zahl der Tiere an die Fläche der Höfe koppelt.

Eine weitere Steuerung ist über Geld möglich. Derzeit diskutiert die EU die Vergabe von Agrargeldern. Seit Jahrzehnten ist die Subventionierung an die Fläche, die ein Landwirt bewirtschaftet, gebunden – egal was darauf wächst beziehungsweise wie Tiere gehalten werden. Stattdessen müssten ökologische Leistungen und Tierschutz gefördert werden. Doch auch hier ist die Ministerin still, was jüngst zum Krach mit Umweltministerin Svenja Schulze führte. 

Jede Menge Missstände also; die Leidtragenden sind die Verbraucher, die Umwelt und vor allem die Tiere. Ihnen reicht es auch?

Dann werden Sie Teil der Bewegung: Gemeinsam gegen Tierleid.

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