Jetzt spenden
Tisch gedeckt mit vegetarischem Essen
© Mitja Kobal / Greenpeace

Obst und Gemüse von der Mehrwertsteuer befreien!

Pflanzliche Lebensmittel von der Mehrwertsteuer zu befreien, wäre gut für das Klima, die Gesundheit und würde Verbraucher:innen finanziell entlasten. Gegenfinanzieren ließe sich die Maßnahme, indem die Subventionierung von Fleisch gestrichen würde. 

Zwei Probleme und eine Lösung – die sich sogar rasch umsetzen ließe. Doch zuerst die Probleme: Die Inflation treibt die Preise für Lebensmittel hoch. Ob Äpfel, Paprika, Nüsse – alles wird teurer und erschwert vielen Menschen eine gesunde Ernährung. Andererseits ist der Konsum von Fleisch in Deutschland so hoch, dass er laut  der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nicht gesund ist. Mit einem einfachen Instrument könnte die Bundesregierung Haushalte finanziell entlasten und einen Anreiz für eine gesunde Ernährung schaffen: pflanzliche Lebensmittel von der Mehrwertsteuer befreien. Sänke der Konsum tierischer Produkte, hätte das noch einen weiteren Effekt. Die Zahl der Nutztiere würde zurückgehen – und das ist für den Klima- und Artenschutz unerlässlich. 

Bereits während der Koalitionsverhandlungen hat Greenpeace gemeinsam mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und dem Sozialverband VdK die Ampelkoalition aufgefordert, gesunde und klimafreundliche Lebensmittel für alle bezahlbar zu machen. Bundesfinanzminister Cem Özdemir (Die Grünen) hat sich nun Anfang des Jahres 2023 dafür ausgesprochen, die Mehrwertsteuer bei Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten auf null Prozent zu senken. 

Große Mehrheit befürwortet Null-Prozent-Steuer für pflanzliche Lebensmittel

Dafür würde er in der Bevölkerung viel Zustimmung bekommen. 72 Prozent der Bundesbürger:innen sind dafür, dass Özdemir jetzt vorrangig niedrigere Mehrwertsteuersätze durchsetzt. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von Kantar im Auftrag von Greenpeace. Zwei Drittel der Bundesbürger:innen wollen, dass klimafreundliche pflanzliche Lebensmittel ganz von der Mehrwertsteuer befreit werden. Bei den Befragten mit einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 1500 Euro monatlich ist die Zustimmung mit 84 Prozent noch größer.

Überzeugen muss er nun seinen Ampel-Kollegen Christian Lindner (FDP), der als Finanzminister die Maßnahme umsetzen kann. Die europarechtlichen Grundlagen sind bereits geschaffen: Das EU-Parlament hat im Oktober 2021 mit großer Mehrheit beschlossen, die Mehrwertsteuer auf gesunde Lebensmittel abzuschaffen. In einem Offenen Brief fordert Greenpeace Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) auf, tätig zu werden – auch Sie können den Aufruf unterstützen.

Petition

https://act.greenpeace.de/umsteuern

0% Mehrwertsteuer auf pflanzliche Lebensmittel!

Einkommensschwachen Haushalten helfen und das Klima schützen: Fordern Sie Bundesfinanzminister Lindner auf, die Mehrwertsteuer auf pflanzliche Lebensmittel abzuschaffen!

Jetzt unterzeichnen
0%
vom Ziel erreicht
0
haben mitgemacht
0%
Datum

“Damit würde ganz ohne Zwang eine Änderung von Konsumgewohnheiten gefördert, die zugleich das Klima schützt”, sagt Matthias Lambrecht, Experte für Landwirtschaft bei Greenpeace. „Klar ist aber auch, dass die Mehrwertsteuerbefreiung von Obst und Gemüse nur ein Baustein sein kann, um allen Menschen den Zugang zu gesunden und umwelt- und klimaverträglich erzeugten Lebensmitteln zu sichern. Sie wäre aber eine wichtige Maßnahme, die Minister Lindner umgehend und ohne großen Aufwand umsetzen könnte.”

Konsum zu viel tierischer Produkte hat hohen Preis

Denn eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten in Deutschland ist sowohl für die Gesundheit als auch für die Umwelt notwendig. Erfreulich ist zwar, dass der Fleischkonsum in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen ist – von durchschnittlich 60 Kilogramm pro Kopf und Jahr auf 55. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt jedoch, nicht mehr als 30 Kilo im Jahr zu essen. Zu viel Fleisch auf dem Speiseplan erhöht das Risiko von Herz- und Kreislauferkrankungen, Krebs und Diabetes.

Der allzu große Appetit auf Fleisch und Milchprodukte gefährdet nicht nur die Gesundheit, sondern trägt auch maßgeblich zur Umweltzerstörung bei und verschärft die Klimakrise. Zudem führt die durch die Massentierhaltung ermöglichte billige Produktion von Fleisch zu unendlichem Tierleid. Die Bundesregierung steht in der Pflicht, die vom Klimaschutzgesetz vorgeschriebene Treibhausgasneutralität bis 2045 in Deutschland zu erreichen. In der Landwirtschaft sind die Klimaziele angesichts der hohen Methanemissionen aus der Tierhaltung nur zu schaffen, wenn die Zahl der gehaltenen Tiere deutlich reduziert und die Ernährung gleichzeitig entsprechend angepasst wird. Dafür braucht es eine grundlegende Agrar- und Ernährungswende. 

Conventional Dairy Farm in Germany
  • 13.09.2021

Eine Greenpeace-Studie zeigt: Fleisch- und Milchprodukte belasten das Klima stärker als offiziell angegeben. Die Klimaziele sind nur erreichbar, wenn die Tierhaltung halbiert wird.

Halbe Wahrheit

„Lebensmittel dürfen kein Luxusgut werden“, erklärte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir. „Doch der Preis muss die ökologische Wahrheit stärker ausdrücken.“ Diesen Worten sollte der Minister jetzt Taten folgen lassen. Denn die Herstellung von Fleisch- und Milchprodukten in Deutschland verursacht Umwelt- und Klimaschäden in Höhe von rund sechs Milliarden Euro im Jahr - etwa durch die Belastung von Böden und Gewässern oder Klimakatastrophen infolge der hohen Emissionen. “Die wahren Kosten schlagen sich bislang im Preis nicht nieder“, so Lambrecht. „Und der Verbrauch tierischer Erzeugnisse wird auch noch mit mehr als fünf Milliarden Euro jährlich gefördert, weil auf diese Produkte nur der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent erhoben wird. Minister Özdemir hat das Problem benannt und muss diese paradoxe Politik zu Lasten von Klima und Umwelt beenden.”

Wie sich die Ernährungswende finanzieren ließe

Die Bundesregierung könnte diese klima- und umweltschädlichen Subvention streichen und die Mehrwertsteuer für Fleisch und Milchprodukte an den regulären Satz von 19 Prozent anpassen. Wissenschaftler:innen des Öko-Instituts haben im Auftrag von Greenpeace kalkuliert, was möglich wäre, wenn Deutschland und andere EU-Länder die im März 2022 verabschiedete EU-Vorgabe nutzen würden, um Obst und Gemüse von der Mehrwertsteuer zu befreien und zugleich die Subventionen auf tierische Produkte zu streichen.

In allen fünf untersuchten EU-Ländern (Deutschland, Österreich, Niederlande, Belgien, Polen) würde die Bevölkerung von einer solchen Reform finanziell profitieren. In Deutschland lägen die Ausgaben für Lebensmittel pro Kopf und Jahr um fast 30 Euro niedriger. Und zugleich könnte Bundesfinanzminister Christian Lindner mit zwei Milliarden Euro zusätzlichen Einnahmen rechnen.

Greenpeace und das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft stellen auf einer Pressekonferenz im Bundespresseamt ihre Studie zu artgerechter Tierhaltung vor. Im Bild: Greenpeace-Pressesprecher Matthias Lambrecht

Reform der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel: Eine von Greenpeace beauftragte Studie belegt die möglichen positiven ökologischen und finanziellen Effekte.

mehr erfahren

Dieses Geld könnte für mehr Tierwohl eingesetzt werden, indem die Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung (Borchert-Kommission) vorgeschlagenen Maßnahmen für mehr Tierwohl in den Ställen umgehend umgesetzt werden. Bäuer:innen sollten mit den Einnahmen gezielt unterstützt werden, wenn sie bessere Haltungsbedingungen schaffen und weniger Tiere halten. 

Die Anpassung der Mehrwertsteuer bei pflanzlichen und tierischen Produkten löst zwar nicht alle Probleme, sie ist aber ein wichtiger Baustein für eine Agrar- und Ernährungswende hin zu mehr Tierwohl, Arten- und Klimaschutz sowie gesundem Essen.

Mehr zum Thema

Zwei Aktive von Greenpeace und vier Pfoten vor Protestplakaten gegen Anbindehaltung
  • 05.07.2024

Verdreckte Kühe – so angebunden, dass sie sich kaum bewegen können. Greenpeace hat Strafanzeige gegen die Bärenmarke-Molkerei gestellt. Aktivist:innen nehmen aber auch die Politik in die Pflicht.

mehr erfahren
Kühe auf der Wiese vor dem Reichstags
  • 05.07.2024

Kühe stehen meist im Stall, dabei ist Weidehaltung gut für Tierwohl, Klima und Artenvielfalt. Umwelt- und Tierschutzverbände fordern sie schon lange von der Politik, nun kommt sie: die Weideprämie.

mehr erfahren
Mehrere Kühe stehen nebeneinander in Anbindehaltung
  • 16.05.2024

Auf einem Milchviehbetrieb beschloss Claudia Preuß-Ueberschär als Kind, Tierärztin zu werden. Im Interview erzählt sie, wie sich die Haltung von Milchkühen verändert hat und was die Tiere brauchen.

mehr erfahren
Kletter:innen und großes gelbes dreieckiges Banner am Milchsilo mit der Aufschrift "Achtung Tierleid" und einer abgebildeten Kuh
  • 16.05.2024

Die Molkerei Hochwald wirbt mit hoher Qualität und verkauft unter dem Label Bärenmarke hochpreisige Milch. Fotos belegen nun, dass die Haltung der Milchkühe häufig gegen den Tierschutz verstößt.

mehr erfahren
Kuh mit Kalb auch einer Weide
  • 13.05.2024

Wie alt werden Kühe? Wozu brauchen sie Hörner? Und was bedeutet eigentlich der Ausspruch “Das geht auf keine Kuhhaut”? Das und mehr beantworten unsere 11 Fakten rund um die Kuh.

mehr erfahren
3 Aktivist:innen (eine davon im Bärenkostüm) sowie eine Passantin  an einem Infotisch an dem ein Plakat mit Kühen in Anbindehaltung und der Aufschrift "Tierleid stoppen" hängt.
  • 25.04.2024

Für mehr Tierwohl und Klimaschutz stehen am Samstag Greenpeace-Ehrenamtliche in 27 Städten erneut früh auf. Eine von ihnen ist Michaela Loch. Im Interview erzählt sie von ihrem ehrenamtlichen Einsatz.

mehr erfahren