Skip to main content
Jetzt spenden
Fleisch und Wurst auf einem Teller.
© Dennis Reher / Greenpeace

Gesundheitsrisiken durch Fleischkonsum und Massentierhaltung

Zu viel Fleisch ist ein Risiko für die Gesundheit. Nicht nur wegen des Cholesterins, sondern auch wegen resistenter Keime, Feinstaub und Nitrat. Eine Bilanz.

Zu viel Fleisch ist ungesund, das wissen heute alle. Besonders Schweine- und Rindfleisch sind in Verruf geraten: Sie verursachen– in großen Mengen genossen und in Kombination mit anderen Faktoren wie zum Beispiel Bewegungsmangel –Gicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und erhöhen auch das Risiko einiger Krebsarten. Rund 60 Kilogramm Fleisch und Wurst isst jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt maximal die Hälfte. Mehr ist ungesund.

Doch gibt es neben den ernährungsphysiologischen Aspekten noch weit mehr Gefahren für die menschliche Gesundheit. Auch für sie muss übermäßiger Fleischkonsum und vor allem die übermäßige Fleischproduktion – auch für den Export - zumindest mitverantwortlich gemacht werden. So sind die Haltungsbedingungen in der Massentierhaltung mit Schuld an krankheitserregenden Keimen, die gegen ein oder mehrere Antibiotika resistent sind. Rund um die riesigen Ställe ist die Feinstaubbelastung in der Luft stark erhöht. Und in Gebieten mit großer Tierdichte sind die Nitratwerte im Grundwasser oft bedenklich hoch.

Multiresistente Krankheitskeime

Gerade wenn viele Tiere auf engstem Raum stehen, wenn ihnen frische Luft und Platz für Bewegung fehlt, werden sie leicht krank. Dass sie dann medikamentös behandelt werden, ist gut und richtig. Doch die Masse macht’s. Oft bekommt gleich der ganze Stall Antibiotika, um die Gefahr einer Ansteckung zu unterdrücken. Mehr als 800 Tonnen Antibiotika werden jedes Jahr in Deutschland in der Tierhaltung verwendet. Das ist viel zu viel. Längst sind Massentierställe zu Brutstätten für resistente oder sogar multiresistente Keime geworden.

Erst im Februar 2017 hat die Europäische  Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vor der Gefahr gewarnt, die von multiresistenten Keimen ausgeht. Denn wenn Menschen an solchen Erregern erkranken, wirken immer weniger Antibiotika. Ärzte sind zunehmend machtlos und Patienten ihrem Schicksal ausgeliefert. Schon heute sterben laut EFSA schätzungsweise 25.000 Menschen jährlich in Europa an Infektionen mit resistenten Erregern. Viele Antibiotika sind bereits unwirksam geworden. Immer öfter müssen Mediziner auf ganz spezielle Reserveantibiotika zurückgreifen. In der Tierhaltung werden auch diese Notfallwirkstoffe trotzdem weiterhin skrupellos eingesetzt. 

Feinstaub aus dem Stall

Ein weiteres Gesundheitsproblem von Fleisch ist – Feinstaub. Rund um Massentierställe ist die Belastung mit kleinsten Partikeln in der Luft deutlich erhöht. Denn durch die Ausscheidungen der Tiere wird die Luft mit Ammoniumnitrat- und Sulfatpartikeln versetzt – erst im Stall und über die Belüftung auch in der Umgebung. Vor allem kleinste Teilchen, oft nicht größer als Bakterien, gelten als gesundheitsschädlich.

Feinstaub hat viele Quellen. In Europa verschmutzt – entgegen vieler Vermutungen – neben Verkehr und Industrie vor allem auch die Landwirtschaft die Luft. Ammoniak-Emissionen stammen sogar zu 95 Prozent aus der Landwirtschaft. In Regionen mit hoher Feinstaub-Konzentration ist die Zahl tödlich verlaufender Schlaganfälle, Herz- und Atemwegserkrankungen wie Asthma erhöht. Schätzungsweise 34.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an Feinstaub.

Nitrat im Wasser

Auch für Nitrat im Wasser ist Fleisch eine Ursache. Denn viele Tiere bedeuten: viel Mist und Gülle, die auf die Felder ausgebracht werden. In Maßen ist das ein durchaus sinnvoller Stickstoffdünger für die Böden. Allerdings ist auch hier die Menge des Fleisches das Problem: In Deutschland werden häufig mehr Mist und Gülle auf den Feldern ausgebracht, als Böden und Pflanzen aufnehmen können. Das verschmutzt Oberflächengewässer und Grundwasser.  

In Gebieten von Massentierhaltung werden die Grenzwerte für Nitrat, Ammoniak und Phosphat regelmäßig überschritten. Bei einem Drittel aller Grundwasserkörper in Deutschland wurden zu hohe Nitratwerte nachgewiesen. Ein Problem für das Trinkwasser. Denn das Nitrat aus dem Wasser wieder herauszuholen, ist extrem teuer. So warnt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft bereits: „Trinkwasser könnte in einigen Regionen bis zu 62 Prozent teurer werden.“

Im Trinkwasser dürfen nämlich nur 50 Milligramm Nitrat pro Liter vorkommen. Mehr gilt als ungesund, da sich das relativ ungefährliche Nitrat im Körper unter Umständen zu den schädlichen Stoffen Nitrit und Nitrosaminen umbauen kann. Ein völlig vermeidbares Gesundheitsrisiko – wenn wir weniger Fleisch essen und exportieren würden.

Stand: April 2017

  • Symbolfoto Tierhaltung: Vor einem Stall mit Schweinen ist eine Hand voll Antibiotika zu sehen.

    Brutstätte für resistente Keime

    Überspringe die Bildergalerie
  • Problem Massentierhaltung: Traktor verspritzt Gülle.

    Zu viel Nitrat

    Überspringe die Bildergalerie
  • Blick in einen konventionellen Schweinestall.

    Feinstaub durch Massentierhaltung

    Überspringe die Bildergalerie
Ende der Gallerie

Mehr zum Thema

Tierische Aufgabe

  • 15.11.2021

Nur wenn die Zahl der Tiere in der Landwirtschaft halbiert wird, kann der Sektor seinen gesetzlich vorgegebenen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Der Abbau muss jetzt beginnen.

mehr erfahren

Auslaufmodell Billigfleisch

  • 05.11.2021

Noch dominiert zwar Frischfleisch aus tierschutzwidriger Haltung das Sortiment, aber der Handel ist in Bewegung. Das zeigt der neue Supermarkt-Check von Greenpeace.

mehr erfahren

Bundesbehörde auf Abwegen

  • 04.10.2021

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit schützt die Gentechnik-Industrie statt die Verbraucher:innen.

mehr erfahren

Schleichende Pandemie

  • 05.07.2021

Konventionelles Schweinefleisch ist teilweise mit antibiotikaresistenten Keimen belastet. Folge des Billigfleisch-Systems ist auch die Unwirksamkeit lebenswichtiger Arzneimittel.

mehr erfahren

„Auf Biegen und Brechen“

  • 24.06.2021

Die EU-Förderpolitik müsste bäuerliche Betriebe auf die Herausforderungen durch Klima- und Artenkrise vorbereiten. In Brüssel und Berlin lässt man sie aber im Stich.

mehr erfahren
Greenpeace-Aktive helfen im Mai 2006 einem Farmer in der Provinz Rayong (200 Kilometer östlich von Bangkog/Thailand) gentechnisch verunreinigte Papaya sicherzustellen.

Gentechnik

  • 18.06.2021

Neue gentechnische Verfahren in der Pflanzenzucht versprechen ein lukratives Geschäft für die Gentechnik-Industrie. Doch der Einsatz der Agro-Gentechnik birgt unkalkulierbare Risiken.

mehr erfahren