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Nahaufnahme im Labor: Hand hält eine Schale mit Mikroplastik.
© Jack Taylor Gotch / Greenpeace

Mikroplastik: ein unsichtbares Problem

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Was genau ist Mikroplastik? Wo kommt es her – und warum ist es so schwer, das Problem wieder einzufangen. Antworten auf diese Fragen, liefert dieser Artikel.

Mikroplastik ist längst überall. Die winzigen Plastikteilchen treiben in den Ozeanen, liegen in Böden und Flüssen, werden durch die Luft getragen – und gelangen sogar in den menschlichen Körper. Forschende haben sie inzwischen im Blut, in der Lunge und sogar in der Plazenta nachgewiesen.

Was lange unsichtbar blieb, hat heute messbare Folgen für Umwelt, Tiere und möglicherweise auch für unsere Gesundheit. Denn Plastik verschwindet nicht einfach. Es zerfällt mit der Zeit in immer kleinere Stücke – bis am Ende unzählige winzige Partikel entstehen: Mikroplastik.

Einmal in der Umwelt angekommen, lässt sich dieses Plastik nicht wieder einsammeln. Stattdessen verteilt es sich über ganze Ökosysteme und bleibt dort wahrscheinlich für immer.

Was ist Mikroplastik?

Als Mikroplastik bezeichnet man Plastikpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind – also kleiner als ein Radiergummi-Ende oder ein Sesamkorn. Viele dieser Partikel sind sogar so winzig, dass sie mit bloßem Auge kaum noch zu erkennen sind.

Grundsätzlich unterscheiden Forschende zwei Arten: 

  • Primäres Mikroplastik wird gezielt in kleiner Form hergestellt, um es in bestimmten Produkten einzusetzen, z. B. Farben, Reinigungsmitteln und auch immer noch in Kosmetikprodukten
  • Sekundäres Mikroplastik entsteht dagegen, wenn größere Plastikprodukte zerfallen.

Und genau dieser Zerfall passiert ständig. Plastik wird durch Sonne, Wind, Wellen oder mechanische Belastung spröde und bricht mit der Zeit in immer kleinere Stücke auseinander. Am Ende bleiben unzählige winzige Partikel zurück.

Wie entsteht Mikroplastik?

Ein Großteil des Mikroplastiks entsteht im Alltag – oft ohne dass wir es merken. Wenn Autoreifen über Asphalt rollen und beim Bremsen, löst sich ständig feiner Reifenabrieb, der zu den größten Mikroplastikquellen in der EU gehört. Auch synthetische Kleidung wie Polyester oder Fleece verliert beim Waschen winzige Plastikfasern, die über das Abwasser in Flüsse und Meere gelangen können.

Dazu kommt der enorme Berg an Plastikmüll weltweit. Verpackungen, Tüten oder Flaschen zerfallen über Jahre oder Jahrzehnte in immer kleinere Fragmente. Selbst Dinge, an die viele Menschen gar nicht denken, tragen zum Problem bei: Farben, Lacke oder Kunstrasenplätze setzen ebenfalls große Mengen Mikroplastik frei.

Fast Fashion and Waste Colonialism - Banner on Beach in Ghana

Wie jeder Plastikmüll verrotten auch Plastik-Textilien nicht, die Europa etwa nach Afrika exportiert und die dort die Müllkapazitäten sprengen. Um die Menge in den Griff zu bekommen, werden sie auch unter freiem Himmel verbrannt oder sie landen in den Flüssen, schwimmen mit der Strömung ins Meer und werden dort zu Mikroplastik zerrieben.

Wo findet man Mikroplastik?

Mittlerweile lautet die ehrliche Antwort: Mikroplastik ist fast überall. Forschende haben es in Ozeanen und Flüssen nachgewiesen, aber auch in Böden, in der Luft von Städten und sogar in entlegenen Regionen wie der Tiefsee, der Arktis oder auf Berggipfeln. Ein großer Teil der Partikel wird über Flüsse ins Meer gespült. Andere werden vom Wind transportiert und können über große Distanzen durch die Atmosphäre reisen. In den vergangenen Jahren haben Studien Mikroplastik sogar im menschlichen Blut, in der Lunge und in der Plazenta gefunden. Das zeigt, wie weit sich Plastik inzwischen in unserer Umwelt verbreitet hat.

Warum ist Mikroplastik ein Problem für Tiere und Ökosysteme?

In der Natur werden die kleinen Partikel leicht mit Nahrung verwechselt. Plankton, Muscheln, Fische oder Seevögel nehmen sie auf – oft ohne sie wieder ausscheiden zu können. Mikroplastik kann Verdauungssysteme blockieren oder Tiere daran hindern, ausreichend echte Nahrung aufzunehmen. Gleichzeitig können sich an den Partikeln Schadstoffe und Krankheitserreger anlagern und diese über weite Strecken z. B. über Ozeane in andere Ökosysteme transportieren, wo sie dann von anderen Tieren aufgenommen werden. Weil viele kleine Organismen Mikroplastik aufnehmen, kann es sich entlang der Nahrungskette weiter verbreiten – von winzigen Meerestieren bis hin zu größeren Fischen, Vögeln und auch Menschen.

Mikroplastik im Körper: Was bedeutet das für unsere Gesundheit?

Auch wenn viele Fragen noch offen sind, wächst die Sorge unter Forschenden. Mikroplastik wird nicht einfach durch den menschlichen Körper aufgenommen und wieder ausgeschieden. Immer mehr Studien zeigen, dass Mikroplastik in unser Körpergewebe übergehen kann z. B. über den Verdauungstrakt. Wie bei vielen Stoffen, die wir heute als gefährlich einstufen, stammen die ersten Warnhinweise aus Tierversuchen. Bei Säugetieren konnten Wissenschaftler:innen bereits nachweisen, dass Mikro- und Nanoplastik (noch kleinere Teilchen) über das Gewebe bis in die Blutbahn vordringen können. Sehr konkret erforscht sind schon die Auswirkungen von Mikroplastik auf die Darmgesundheit: Es gibt Hinweise, dass Mikroplastik das Gleichgewicht der Darmbakterien bei Kindern und Erwachsenen stört und so die natürliche Funktion unseres Darms beeinträchtigen kann. 

Die Forschung steht allerdings erst am Anfang. Wie weitreichend die Folgen für die menschliche Gesundheit sind, wird sich erst in den nächsten Jahrzehnten zeigen. Sicher ist jedoch, dass diese Partikel ursprünglich nie dafür gedacht waren, in unseren Körper zu gelangen.

Warum verschwindet Mikroplastik nicht mehr aus der Umwelt?

Plastik gehört zu den langlebigsten Materialien, die der Mensch produziert. Anders als organische Stoffe baut es sich nicht vollständig ab. Statt zu verschwinden, zerfällt Plastik lediglich in immer kleinere Fragmente. Einmal in der Umwelt angekommen, kann Mikroplastik nicht wieder aus der Umwelt entfernt werden. Seit 70 Jahren wird das Plastik- und Mikroplastik in unserer Umwelt also stetig mehr. Aktuell landen etwa 22 Millionen Tonnen Plastikmüll pro Jahr in der Umwelt. Diese Menge wird sich in absehbarer Zeit noch deutlich vergrößern, da die Plastikproduktion in Zukunft rasant steigen wird.

Das bedeutet auch: Ein großer Teil der Plastikprodukte, die jemals hergestellt wurden, existiert in irgendeiner Form noch immer. Die Lösung für die Plastikflut kann also nur darin liegen, weniger Plastik zu produzieren und zu verbrauchen. Unser Plastikproblem ist vor allem ein Systemproblem: Jedes Jahr werden weltweit hunderte Millionen Tonnen Plastik produziert. Solange immer mehr Plastik hergestellt wird, wächst auch die Menge an Mikroplastik.

Viele kleine weiße Plastikkügelchen am Strand

Januar 2024: Plastikkügelchen an der Küste in Spanien

Was muss sich politisch ändern?

Die effektivste Lösung, um die Freisetzung von Mikroplastik zu verhindern, setzt an der Quelle an: Jährlich werden weltweit hunderte Millionen Tonnen Kunststoff hergestellt, ein großer Teil davon für kurzlebige Produkte wie Einwegverpackungen oder Fast Fashion. Unabhängig davon, wie diese Produkte entsorgt werden, tragen sie massiv zur zunehmenden Mikroplastikbelastung bei: Ein großer Teil des Mikroplastiks entsteht bei Produktion, Nutzung und Recycling des Plastiks, also nicht nur wenn der Plastikmüll in der Umwelt landet.

Um das Problem wirksam zu lösen, braucht es daher:

  • Weniger neues Plastik herstellen: Die Plastikproduktion muss bis 2040 um 75 Prozent sinken.
  • Einsatz von primärem Mikroplastik flächendeckend verbieten: Dies umfasst ein vollständiges Verbot in Kosmetik, Wasch- und Reinigungsmitteln, in landwirtschaftlichen Produkten wie Saatgut oder Düngemitteln, sowie den Einsatz auf Sport- und Spielplätzen  
  • Optimierung von Produktdesign: Produkte müssen so gestaltet werden, dass sie während ihrer Nutzung kein Mikroplastik (z. B. Reifenabrieb oder Textilfasern) mehr freisetzen.
  • Rechtsverbindliche internationale Regeln zur Freisetzung von Mikroplastik, die die gesamte Lebensdauer von der Produktion, über Transport und Nutzung bis zum Recycling und Entsorgung des Plastiks berücksichtigen.

Nur mit diesen Maßnahmen lässt sich die wachsende Mikroplastikbelastung eindämmen – und die gravierenden Folgen für Tiere, Ökosysteme und unsere eigene Gesundheit begrenzen.

Was können wir selbst gegen Mikroplastik tun?

Auch im Alltag lässt sich Mikroplastik reduzieren – obwohl politische Veränderungen entscheidend bleiben.

Hilfreich ist zum Beispiel:

  • Plastikfreie Alternativen nutzen: zum Beispiel Kleidung aus Naturfasern statt aus synthetischen Materialien
  • Produkte mit weniger Verpackung kaufen
  • Kleidung länger tragen und Fast Fashion vermeiden
  • Kosmetik ohne Mikroplastik nutzen
  • Initiativen und politische Maßnahmen unterstützen, die Plastik reduzieren

Jede vermiedene Plastikflasche, jede langlebige Alternative und jede politische Entscheidung für weniger Plastik trägt dazu bei, dass weniger davon als Mikroplastik in der Umwelt landet.

Ein Problem, das wir eindämmen können

Mikroplastik ist ein menschengemachtes Problem – und deshalb müssen wir jetzt handeln, um die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Je weniger Plastik produziert und verwendet wird, desto weniger davon zerfällt in winzige Partikel. Der entscheidende Schritt liegt also nicht am Ende der Kette, wenn Plastik bereits in Flüssen oder Meeren treibt, sondern ganz am Anfang.

Weniger Plastik zu produzieren und bewusst zu konsumieren ist der wirksamste Schutz vor Mikroplastik – für die Umwelt und für uns selbst. Gleichzeitig hilft es, sich weiter über das Thema zu informieren und mit anderen darüber zu sprechen. Es geht dabei nicht darum, bei jedem Coffee-to-go ein schlechtes Gewissen zu haben, sondern ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass Plastikverschmutzung ein globales Problem ist, das wir als Weltgemeinschaft gemeinsam lösen müssen.

Schon kleine Schritte – wie der Austausch mit Freund:innen, Familie oder Kolleg:innen, das Teilen von Wissen und das Hinterfragen unseres Alltagskonsums – können Teil der Lösung sein. Zusammen können wir Druck auf Politik und Industrie ausüben, die Produktion zu reduzieren und nachhaltigere Wege zu fördern.

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