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Humpback Whale in Tonga
© Paul Hilton / Greenpeace

Warum Wale weltweit noch immer bedroht sind

– Die IWC entscheidet über Schutz oder Jagd.

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40 Jahre Moratorium: Das weltweite Walfang-Verbot ist ein historischer Erfolg. Trotz aller Schutzbemühungen in den vergangenen Jahrzehnten sind Meeressäuger weltweit weiter in Gefahr.

Noch immer erlauben einige Länder weiterhin jedes Jahr die Tötung hunderter Großwale zu kommerziellen Zwecken. Zudem gefährden wir Menschen heutzutage Wale auf vielerlei andere Weise. Beim Treffen der Internationalen Walfangkommission (IWC) alle zwei Jahre stehen daher zusätzliche Schutzmaßnahmen oder -  unter Druck der pro-Walfang-Nationen -  eben auch die Aufweichung und Abschaffung des Verbots immer wieder im Fokus der Debatten. Vor mehr als vierzig Jahren, im Jahr 1982, gab es bei der Internationalen Walfangkommission (International Whaling Commission, IWC) einen Durchbruch: Sie beschloss ein weltweites Verbot des kommerziellen Walfangs. Dieses Verbot, das unter anderem Greenpeace maßgeblich vorangetrieben hat, trat 1986 in Kraft und gilt heute, 40 Jahre später, als einer der größten Erfolge globaler Umweltbewegungen. Es hat nicht nur tausende Wale vor den Harpunen bewahrt, sondern auch ermöglicht, dass sich viele Walarten und -populationen weltweit erholen konnten – ein beeindruckender Beweis für die Kraft des Umwelt- und Naturschutzes.

Doch die Geschichte des Walfangs ist hier leider nicht zu Ende. Denn Norwegen, Island und Japan erkennen das Moratorium nicht an. Nach einer zweijährigen Pause haben Walfangflotten in Island im Sommer 2026 den kommerziellen Walfang wieder aufgenommen. Für die aktuelle Saison hat das isländische Forschungsinstitut eine Fangquote von bis zu 150 Finnwalen sowie 168 Zwergwalen festgelegt. Traurige Zahlen gibt es auch aus Norwegen: 418 Wale wurden während der diesjährigen Waljagd getötet – fast die Hälfte waren trächtige WeibchenDie festgelegte Fangquote der norwegischen Regierung lag bei 1.641 Walen. Seit 2024 hat Japan die global gefährdeten Finnwale auf ihre Liste gejagter Arten aufgenommen.  

Doch es gibt Hoffnung: Die isländische Gleichzeitig hat die Regierung hat angekündigt, im Februar 2027 einen Gesetzesentwurf für ein komplettes Walfangverbot vorzulegen. Wirtschaftlich sinnvoll ist die Praxis ohnehin nicht, hinzu kommen Tierschutzverstöße – insgesamt wird die Jagd politisch immer schwerer zu rechtfertigen.

Ringen um globalen Walschutz –  Anstehende Entscheidungen beim IWC Treffen 2026

Ende September geht es bei der  70. Konferenz der IWC in Hobart, Australien,erneut um weltweiten Walschutz – oder seine Aufweichung. Die Greenpeace Meeresbiologin Franziska Saalmann wird sich auf dem Treffen für eine Stärkung des internationalen Walschutzes einsetzen. Folgende Themen stehen bei der IWC-Konferenz auf der Agenda:

  1. Gute Chancen: Abstimmung über neues Walschutzgebiet im Südatlantik
    Es geht um ein mögliches großflächiges Schutzgebiet, das die Mitglieder der IWC bei der anstehenden Konferenz beschließen könnten. Der Vorschlag benötigt eine Dreiviertel-Mehrheit, um angenommen zu werden. Die Abstimmung war beim vorangegangenen Treffen 2024 an nur einer Stimme gescheitert. Es ginge um nahezu das gesamte Meeresgebiet im Südatlantik und darum, Wale hier dauerhaft vor kommerziellem Walfang zu schützen sowie wertvolle Forschung zu ermöglichen. Es ist ein wichtiger Lebensraum für mehr als 50 Walarten wie Buckelwale, Finnwale und Blauwale. Es wäre das erste Schutzgebiet seit über 30 Jahren, das die IWC neu beschließen würde.  Geografisch schlösse es an die bereits vorhandenen Walschutzgebiete im Südpolarmeer (seit 1994) und im Indischen Ozean (seit 1979) an.
  2. Ein Momentum für den Meeresschutz
    Die Ausweisung könnte ein Momentum sein, um Wale vor weiteren Gefahren zu schützen. Mit Hilfe des erst dieses Jahr in Kraft getretenen UN-Hochseeschutzabkommens (BBNJ) ließen sich im neuen Schutzgebiet zusätzliche Zonen ausweisen, in denen industrielle Nutzung verboten ist.
  3. Zusätzlicher Schutz: Resolutionen aus der EU und der Schweiz
    Die IWC soll auch über weitere Maßnahmen gegen den Beifang von Kleinwalen und für ihren besseren Schutz abstimmen. Es liegen Resolutionen zur Verringerung der Gefahr von Schiffskollisionen sowie zum Umgang mit Walstrandungen vor. Das Strandungskomitee der IWC war als internationales Expert:innen-Gremium auch eine wichtige wissenschaftliche Stimme während der Buckelwalstrandungen in der Ostsee im Frühjahr 2026.
  4. Neuer Angriff: pro-Walfang-Nationen wollen Moratorium aushebeln
    Trotz des Walfang-Moratoriums wird dieses nach wie vor nicht von allen Ländern akzeptiert. So werden auch in diesem Jahr wieder einige Länder versuchen, den kommerziellen Walfang salonfähig zu machen. Nur Japan, Norwegen und Island betreiben noch kommerziellen Walfang, wobei Island nun für Februar 2027 einen Gesetzentwurf angekündigt hat, diese schädliche Praxis langfristig zu verbieten.

Das Problem mit dem Walfang, einfach erklärt

Problem

Text

Einige Länder erlauben noch immer, Wale zu jagen, um das Walfleisch zu verkaufen. Dazu gehört Norwegen. Die Jagd bedroht die Wale. Heutzutage werden aber auch andere Gefahren für Wale immer größer, zum Beispiel Lärm und Wasserverschmutzung.

Greenpeace-Lösung

Text

Greenpeace setzt sich für strengere Schutzmaßnahmen für Wale ein. Insbesondere braucht es mehr Schutzgebiete, die auch Walen helfen würden.

Mehr einfache Erklärungen in unserem Umwelt-Glossar.

Noch immer sterben zu viele Wale 

Laut Meldungen an das IWC-Wissenschaftskommittee wurden 2024 über 700 Großwale kommerziell gefangen und getötet. 

Dazu kommt eine gigantische Dunkelziffer von rund hunderttausend Delfinen und Kleinwalen wie beispielsweise dem Grindwal. Sie sind nicht im Moratorium für kommerziellen Walfang der IWC eingeschlossen, denn dieses gilt nur für Großwale. Kleinwale erhalten häufig einen anderen Schutzstatus, da sie in speziellen regionalen Gesetzen behandelt werden. Diese sind oft weniger streng als die internationalen Schutzmaßnahmen für große Wale, was zu einer unzureichenden und inkonsistenten Berücksichtigung ihrer tatsächlichen Bedrohungen und Schutzbedürfnisse führt.

Neben dem gezielten Walfang ist inzwischen die Gefahr, durch Fischerei-Beifang zu sterben, riesig für die Meeressäuger geworden: Mindestens 300.000 verenden hierdurch pro Jahr elendig.

Während das Verständnis für die faszinierende Rolle der Wale im Ökosystem der Ozeane wächst, werden die Bedrohungen, denen sie ausgesetzt sind, immer gravierender. Die Klimakrise, Umweltverschmutzung, Beifang, Überfischung und der drohende Tiefseebergbau gefährden nicht nur diese majestätischen Meeresbewohner, sondern das gesamte Leben in den Ozeanen.

Besonders absurd: Selbst in Island, Japan und Norwegen, wo noch kommerziell gejagt wird, gibt es kaum noch einen echten Markt für Walfleisch. Die Nachfrage ist in den vergangenen Jahrzehnten drastisch zurückgegangen, da sich die Essgewohnheiten und ethischen Einstellungen der Menschen verändert haben. 

In Japan wird ein großer Teil des Walfleisches nicht verkauft und nur im Tiefkühlhaus gelagert, da das Interesse der Bevölkerung daran gering ist. Auch in Norwegen und Island ist der Absatz von Walfleisch stark rückläufig. In Island hat die erneute Aufnahme des Walfangs diese Entwicklung nicht verändert – große Teile des Fleisches finden weiterhin kaum Absatz. Den Großteil des Finnwal-Fleisches exportierte Island nach Japan – nachdem Japan jedoch 2024 seine eigene Waljagd um Finnwale erweiterte, brach der Absatzmarkt weiter ein. 

Diese Entwicklung verdeutlicht, dass der Walfang heute vor allem aus starren kulturellen und politischen Überzeugungen heraus betrieben wird, ohne echte Notwendigkeit. Trotz der geringen Nachfrage und des wachsenden globalen Bewusstseins für den Schutz unserer Meere halten einige Länder an dieser grausamen Praxis fest. Doch die Realität ist klar: Der Walfang ist nicht nur wirtschaftlich sinnlos, sondern auch moralisch zutiefst fragwürdig.

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Walfänger in Island

Trotz des globalen Moratoriums für den kommerziellen Walfang, gibt es bestimmte Ausnahmen und Schlupflöcher, die es einigen Ländern ermöglichen, weiterhin Wale zu jagen: Einige Länder, wie Japan, haben das Moratorium umgangen, indem sie in der Vergangenheit Walfang unter dem Vorwand der wissenschaftlichen Forschung betrieben. Das IWC-Moratorium erlaubt den wissenschaftlichen Walfang, jedoch gab es erhebliche Kritik daran, dass einige Programme eher kommerziellen Interessen als wissenschaftlichen Zielen dienen. Japan ist 2019 sogar aus der IWC ausgetreten und betreibt seitdem wieder offiziell kommerziellen Walfang. 

Länder wie Norwegen und Island sind zwar Mitglied der IWC, haben jedoch offiziell Vorbehalte gegen das Moratorium eingelegt und betreiben weiterhin kommerziellen Walfang. Sie erkennen das Moratorium nicht an und haben eigene Quoten für den Walfang festgelegt Die Wiederaufnahme des Walfangs in Island in diesem Sommer erscheint daher als ein Relikt der alten Politik und insofern wie ein letztes verzweifeltes Aufbäumen der sterbenden Industrie.

So grausam werden Wale gejagt

Walfang ist eine grausame Praxis, bei der Wale mit Harpunen gejagt und getötet werden, oft nach stundenlangem Leiden. Moderne Walfangschiffe nutzen hochentwickelte Sonartechnologie, um die Tiere aufzuspüren, bevor sie sie mit explosiven Harpunen angreifen. Diese Harpunen reißen tiefe Wunden und verursachen enorme Schmerzen, während die Wale oft qualvoll verbluten oder ersticken. Trotz internationaler Bemühungen, den Walfang zu stoppen, wird diese brutale Methode in einigen Ländern weiterhin praktiziert, was nicht nur eine abscheuliche Tierquälerei darstellt, sondern auch das Überleben bedrohter Walarten gefährdet.

Online-Mitmachaktion

https://act.greenpeace.de/echter-meeresschutz-jetzt

Echter Schutz für mindestens 30% unserer Ozeane!

Das Herz unseres Planeten ist in Gefahr! Trotz neuem UN-Schutzabkommen bedrohen Überfischung und Tiefsee-Bergbau unsere Ozeane. Ein Vertrag allein rettet keine Wale – wir müssen jetzt Druck machen! Unterschreibe auch du die Petition „Mission 30x30: Lebensraum Meer“ Danke!

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Beluga Wale

Wie geht es einzelnen Walarten?

Im Vergleich zum verheerenden Ausmaß des historischen Walfangs werden nur noch relativ wenige Wale gejagt. Doch jeder Wal ist einer zu viel, zumal die Auswirkungen von damals für viele Populationen weiterhin spürbar sind. Zusätzlich stellen neue von Menschen verursachte Gefahren wie die Klimakrise, Fischerei-Beifang, Lärm und Verschmutzung ein erhebliches Hindernis für ihre Erholung dar. Hinzu kommen könnten schon bald weitere Bedrohungen, wie der Start von Tiefseebergbau. Ein zusätzlicher Faktor: Wale vermehren sich nur langsam – es braucht einige Jahre, bis sie geschlechtsreif werden und sie bekommen oft nur einmal im Jahr ein Kalb. Einige Beispiele dafür, wie sich die Populationen entwickeln:

Blauwal – Gigant in Gefahr:

Der Blauwal, das größte Tier, das jemals die Erde bewohnt hat, ist besonders bedroht. Einst zahlreich, wurden diese majestätischen Kreaturen durch den industriellen Walfang fast an den Rand der Ausrottung gebracht. Trotz des internationalen Schutzes bleibt ihre Zahl immer noch besorgniserregend niedrig, weil unter anderem durch ihre besonders langsame Fortpflanzung 

Finnwal – Ein Schatten seiner selbst:

Der Finnwal, der zweitgrößte Wal, wurde ebenfalls massiv durch den Walfang beeinträchtigt. Die intensive Jagd auf diese Tiere in den vergangenen Jahrhunderten hat ihre Population stark reduziert. Obwohl sie in den letzten Jahrzehnten Schutzmaßnahmen genossen haben, sind die Populationen immer noch durch die historische Übernutzung geschwächt, und der vollständigen Erholung stehen viele Hürden im Weg. Außerdem machen Island und neuerdings auch Japan wieder kommerzielle Jagd auf die sanften Riesen, ungeachtet ihrer Bedrohung. 

Buckelwal – Hoffnung auf Erholung:

Buckelwale erlitten während des industriellen Walfangs ebenfalls eine drastische Reduzierung ihrer Populationen. Diese Wale sind bekannt für ihre ausdrucksstarken Gesänge und ihre langen Wanderungen, doch auch sie wurden Opfer der Jagd. Glücklicherweise haben sich ihre Populationen seit dem Verbot des Walfangs in einigen Regionen etwas erholt, aber der Druck auf ihre Lebensräume und die gelegentliche illegale Jagd stellen weiterhin eine Bedrohung dar.

Seiwale – Ein kaum sichtbares Opfer:

Der Seiwal, der drittgrößte Wal, hat ebenso erheblich gelitten. Auch er wurde wegen seines Fleisches intensiv gejagt, was die Population drastisch reduziert hat. Trotz des heutigen Schutzes leidet die Art weiterhin an den lange anhaltenden Folgen der jahrzehntelangen Jagd und den Schwierigkeiten, die wir Menschen ihr bereiten.

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