Keine Geschäfte mit Walfängern!

Islands Jagd auf Wale

Hunderte Wale stehen dieses Jahr wieder auf der Abschussliste. Ein deutsches Unternehmen macht unbeirrt Geschäfte mit einer Firma, die den Walfang öffentlich unterstützt.

Deutsche See kofinanziert Walfang

Er ist der letzte aktive Walfangunternehmer Islands: Kristján Loftsson. Ob Fischerei- oder Walfangindustrie – Loftsson und sein Familien-Clan spannen im isländischen Meeresgeschäft ein riesiges Firmennetz.

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Er steuert als Aufsichtsratsvorsitzender die Geschicke des größten isländischen Fischereikonzerns, HB Grandi hf. Einer der Hauptkunden dieser Firma ist die Deutsche See Fischmanufaktur. Dass ihr Zulieferer personell und über Kapitalanteile mit der isländischen Walfangfirma Hvalur hf verwoben ist, stößt bei Deutsche See zwar auf Missbilligung – veranlasst die Geschäftsführung aber keineswegs zu konsequentem Handeln. Greenpeace fordert: Keine Geschäfte mit Walfängern, auch nicht indirekt!

Deutsche See: Kein Vorbild für die Branche?

Deutsche See bezieht seinen Fisch, zum Beispiel Rotbarsch, von einem Zulieferer, in dessen Werkhallen getötete Finnwale zerlegt und für den Export vorbereitet werden. Dahinter steckt eine fragwürdige Kooperation mit der isländischen Walfangfirma Hvalur hf, ebenfalls im Besitz der Loftsson-Familie. Doch die Deutsche See  Fischmanufaktur kümmert es nicht wirklich, dass an ihren Fischprodukten – wenn auch symbolisch – das Blut vom Aussterben bedrohter Finnwale klebt. Diese Produkte landen über vielfältige Vertriebswege auf den Tellern deutscher Verbraucher, zum Beispiel über Gastronomie, Kantinen oder Catering-Services. Auch die großen Supermärkte, darunter Edeka, Real, Kaiser’s Tengelmann, Kaufland, Rewe, haben Deutsche See-Produkte im Sortiment. Greenpeace erwartet von Deutsche See, einer Firma, die 2010 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis erhalten hat, deutlich mehr Mut zur Verantwortung. Das Konkurrenzunternehmen Frosta oder auch die Supermarktkette Norma haben bereits ihre Geschäftsbeziehungen zu HB Grandi hf gelöst. Deutsche See sollte diesen Beispielen folgen! Denn laut einer Umfrage lehnt die Mehrheit der Deutschen Fischprodukte ab, wenn der Hersteller mit Walfangfirmen in Verbindung steht.

Islands Walfang stößt auf Widerstand

Der Finnwalbestand im Nordostatlantik gilt laut der Roten Liste der Internationalen Naturschutzunion IUCN offiziell als vom Aussterben bedroht. Dennoch beträgt die isländische Fangquote für Finnwale in den nächsten vier Jahren 154 Tiere pro Fangsaison. Island sieht sich nämlich durch einen formaljuristischen Kniff nicht an das kommerzielle Walfangverbot gebunden. Das Finnwalfleisch selbst verkauft sich in Island allerdings nicht; es wird ausschließlich nach Japan geliefert. Damit verstoßen die Walfänger zusätzlich gegen das internationale Handelsverbot mit Walfleischprodukten nach CITES.

Auch Minkewale werden in Island getötet und vor Ort verkauft. 229 der Zwergwale sollen den Harpunen dieses Jahr zum Opfer fallen. Etwa 40 Prozent des Minkewalfleisches wird von Touristen verzehrt, darunter zahlreiche Deutsche. Greenpeace bittet Touristen, die Island besuchen, kein Walfleisch zu erwerben oder zu verzehren, sondern sich klar dagegen auszusprechen.

Die Mehrheit der isländischen Bevölkerung steht dem Walfang zwar durchaus kritisch gegenüber. Doch die Situation in dem kleinen Land am nördlichen Polarkreis ist speziell. Insider berichten, dass vor allem der Handelsdruck aus dem Ausland das Land bewegen kann, Island zum Umdenken zu bewegen. Nicht umsonst hat bereits US-Präsident Obama mit scharfen diplomatischen Sanktionen gedroht, sollte Island weiterhin am Walfang festhalten. Auch Deutsche See kann seinen Einfluss geltend machen: Als wichtiger Exportpartner der isländischen Fischereibranche, die dort das Rückgrat der Wirtschaftskraft bildet, kann und muss das deutsche Unternehmen ein klares Signal für den Walschutz senden.

Greenpeace fordert die Geschäftsführung von Deutsche See auf, die Handelsbeziehungen zu HB Grandi hf solange einzustellen bis der Walfang beendet ist. 

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Gegenüberstellung: Greenpeace und Deutsche See

Deutschlands größtes Fischhandelsunternehmen, Deutsche See, kauft Fisch von einem von einem isländischen Fischereikonzern, der die Jagd auf bedrohte Finnwale mitfinanziert.