Abkommen bewahrt Teile von kanadischem Urwald vor Kahlschlag

Schutz für den Great-Bear-Regenwald

Seit 1997 setzt sich Greenpeace für ein Schutzgebiet ein. Durch ein endgültiges Abkommen sind seit Februar 2016 nun 85 Prozent der bewaldeten Fläche vor der Säge sicher.
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Der Regenwald des Großen Bären im kanadischen Bundesstaat British Columbia zieht sich an der Westküste Kanadas hoch bis Alaska. Er ist einer der größten gemäßigten Küstenregenwald der Erde und bietet Landschaften wie aus dem Märchenbuch: Mit Fjorden, die weit ins Land hineinreichen, mehr als 1.000 Jahre alten Bäumen und faszinierenden Tierarten, darunter Seeadler, Wölfe und – wie der Name sagt – auch Bären. Eine Rarität ist der weiße Kermode- oder Geisterbär, ein heiliges Symboltier einiger indigenen Völker.

1997 startete Greenpeace eine internationale Kampagne zum Schutz des Great-Bear-Regenwaldes, denn Holz- und Papierfirmen bedrohten das Naturparadies durch massive Holzeinschläge.

Der Kampf um den Erhalt und Schutz des Great-Bear-Regenwaldes dauerte fast zwei Jahrzehnte – einer der längsten in der Greenpeace-Geschichte. Und er zahlte sich aus: 2016 stellte British Columbia 85 Prozent des bewaldeten Gebietes unter Schutz vor industriellem Holzeinschlag. Insgesamt sind damit mehr als drei Millionen Hektar Wald vor der Säge sicher –  ein Gebiet, das in etwa der Fläche Belgiens entspricht. Rund 550.000 Hektar dürfen nur unter strengsten rechtlichen Auflagen eingeschlagen werden.

DER LANGE WEG ZUM ERFOLG

Greenpeace protestierte Ende der 1990er Jahre vor Ort im Great-Bear-Regenwald und in Deutschland bei kanadischen Botschaften und Abnehmern von Holz und Zellstoff.  Im Sommer 1999 besuchen zwei Vertreter der indigenen Nuxalk gemeinsam mit Greenpeace insgesamt 15 deutsche Städte, um auf die dramatische Bedrohung ihrer Heimat aufmerksam zu machen. Und drei als "Wütende Großmütter" bekannt gewordene kanadische Frauen protestierten zusammen mit Greenpeace im Jahr 2000 bei den großen deutschen Papierherstellern und Holzhändlern gegen die Zerstörung der Wälder.

1999 organisierte Greenpeace eine Reise für deutsche Papierfabrikanten und Zeitschriftenverleger in die Urwälder British Columbias, damit diese sich selbst ein Bild vom Raubbau machen konnten. Die deutschen Handelspartner waren wenig begeistert von den Kahlschlägen und drohten daraufhin der kanadischen Papierindustrie, ihre Verträge zu stornieren, wenn kein Einschlagstopp erlassen würde. 2001 stimmten die kanadischen Unternehmen aufgrund des wachsenden Drucks endlich einem Moratorium zu.

RINGEN UM SCHUTZABKOMMEN

Während die Motorsägen schwiegen, begannen mehrjährige wissenschaftlich begleitete Verhandlungen zwischen den verschiedenen Interessensvertretern, die in einem Schutzvorschlag für den Regenwald mündeten: 2004 empfahlen die Wissenschaftler, zur Bewahrung der Artenvielfalt einen umfassenden Schutzplan. Dieser Vorschlag war die Basis dafür, dass die Provinzregierung British Columbias sowie die Regierungen der First Nations am 7. Februar 2006 entschieden, einen großen Teil des Waldes als Schutzgebiet auszuweisen. 2009 wurden weitere Gebiete unter Schutz gestellt.

FINALES HISTORISCHES SCHUTZABKOMMEN

Im Februar 2016 kam es zu einer endgültigen Einigung zwischen Umweltorganisationen Greenpeace, dem Sierra Club und Forest Ethics, mehr als 20 First Nations, Forstfirmen und der Regierung British Columbias. Durch das finale Abkommen werden nun 85 Prozent der bewaldeten Fläche des Great-Bear-Regenwaldes vor der Säge geschützt. 

„Nach fast zwei Jahrzehnten harter Aktionen und zäher Verhandlungen kann im Great-Bear-Regenwald endlich Ruhe einkehren", freut sich Sandra Hieke, Waldexpertin von Greenpeace Deutschland. „Ich hoffe, Vertreter der Politik sowie der Papier- und Holzwirtschaft weltweit nehmen den Prozess zum Schutz dieses Waldes in Kanada als Beispiel. Für den Klima- und Artenschutz sind viele solcher Schutzabkommen nötig."

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