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Portugal: Kork, Fisch und Sonnenglut

Portugals Kicker galten als Geheimtipp für den Titel. Aber auch dieses Mal schaffen sie, den Titel nicht mehr zu holen! Dafür können die fußballverrückten Portugiesen mit dem Potenzial für den Weltmeistertitel der anderen Art aufwarten: 3.000 Sonnenstunden im Jahr. Für 2009 ist in dem iberischen Land die größte Solaranlage der Welt geplant. Die Anlage im Süden soll mit rund 350.000 Sonnenkollektoren 62 Megawatt Strom produzieren. Damit wäre das Kraftwerk mehr als sechs Mal stärker als die bisher größte Anlage der Welt, die im bayrischen Pocking steht.

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Doch jeden Sommer fluchen die Portugiesen auch über die Hitze, die Jahr für Jahr zu katastrophalen Waldbränden führt. Auch auf den Webseiten des nationalen portugiesischen Fußballverbands wirbt man deshalb: Portugal sem fogos - depende de si - Portugal ohne Feuer - das hängt von uns selbst ab Verstärkt wurde die Brandgefahr im letzten Jahr durch die schlimmste Wasserknappheit seit 30 Jahren.

Geographie, Politik und Fußball

  • Fläche: 92.391 Quadratkilometer(zusammen mit den Azoren und den Madeira-Inseln)
  • Einwohnerzahl: 10,5 Millionen
  • Hauptstadt: Lissabon
  • Amtssprache: Portugiesisch
  • Staatsform: Parlamentarische Demokratie
  • Religion: Rund 90 Prozent Katholiken, Minderheiten von Protestanten, Orthodoxen, Muslimen, Juden
  • Portugal ist das vierte Mal bei einer FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft dabei. Bestes Ergebnis bislang: 1966 erreichte die portugiesische Mannschaft einen 3. Platz.

Klima:

Heißes mediterranes Klima herrscht vor allem an der bei Touristen beliebten Südküste, der Algarve, und im Innern des Landes vor. Der Norden mit seiner Atlantikküste ist rauer, kühler und feuchter. Portugal wird von drei Flüssen durchzogen, die alle in Spanien entspringen und in den Atlantik münden. An der Mündung des größten Flusses, des Tejo, liegt die Hauptstadt Lissabon. Das Landesinnere ist vorwiegend gebirgig. Im Westen und Süden fallen die Berge zu einer großen intensiv bewirtschafteten Küstenebene hin ab. Die Gebirge des Landes bestimmen das Binnenklima.

Menschenrechte

Mit Portugals Polizei ist offenbar nicht zu spaßen: Amnesty International berichtet über Gewalt und Misshandlungen durch Polizeibeamte. In den Gefängnissen herrschten systematische Mängel. Die Zahl der Todesfälle in den Strafvollzugseinrichtungen sei alarmierend hoch, beklagt die Menschenrechtsorganisation. Im Juni 2005 hat die Regierung einer Reform des Gefängnissystems zugestimmt.

Wirtschaft

In Europas Top-Wirtschaftsliga hat Portugal bislang noch nicht mitgespielt. Aber mit dem Eintritt in die Europäische Gemeinschaft 1986 ging es zumindest bis zum Jahr 2000 stetig bergauf. Zurzeit wächst Portugals Wirtschaft allerdings langsamer als im europäischen Durchschnitt, was vor allem am hohen Haushaltsdefizit von sechs Prozent liegt. Die Landwirtschaft, in der immerhin noch 15 Prozent der Bevölkerung zu meist sehr niedrigen Löhnen arbeiten, benötigt dringend ein neues Trainingskonzept: Sie gehört zu den ineffizientesten in Europa.

Trotz Vinho Verde, Portwein, Mandeln und Oliven - Portugal hat den klassischen Wechsel von einer Agrarnation zur Dienstleistunggesellschaft vollzogen. Punkten kann das Land dabei vor allem im Tourismus, der etwa acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Am liebsten kommen die Spanier. Und die sind auch im Handel ihre Lieblingsmannschaft: Bekleidung, Schuhe, Kork, Papier und Zellstoff sowie Maschinen gehen aus dem Land. Autos und Autoteile sowie Agrarprodukte werden importiert.

Natur- und Umweltprobleme

Seit Jahren ist Portugal unangefochtener Weltmeister in der Korkproduktion. Etwa die Hälfte des weltweit angebauten Korks wächst im Land des Vizeeuropameisters - vor allem in der südlichen und kargen Region Alentejo. Doch Konkurrenz droht aus dem eigenen Land: Die schnell wachsenden Eukalyptusplantagen, die Zellstoff für die Papierherstellung liefern, verdrängen mehr und mehr die alten Korkeichenwälder. Eine Entwicklung, die Portugal schnell ins umweltpolitsche Abseits führen könnte: Die Monokulturen sind anfällig für Brände, laugen die Böden aus, und es kommt verstärkt zu Bodenerosion.

Zusätzlich leiden die oft Jahrhunderte alten Korkeichen seit ein paar Jahren unter einem seltsamen Siechtum. Mindestens fünf Prozent der Bäume gehen jedes Jahr ein - ohne erkennbaren Grund. Die Wissenschaftler rätseln noch, was es mit dem Sterben auf sich hat. Verschiedene Faktoren spielen vermutlich eine Rolle: der saure Regen, Überdüngung der Böden wegen allzu vieler Schweine, die zwischen den Eichen weiden, und nicht zuletzt der Klimawandel, der zu immer unbeständigeren Regenfällen geführt hat. Korkbäume reagieren sensibel. Sie scheinen nicht in unsere schnelllebige Zeit zu passen: Erst nach fünfzig Jahren kann man das erste Mal ernten und dann auch nur alle neun Jahre.

Der Klimawandel macht nicht nur den verletzlichen Korkeichen zu schaffen, er ist auch verantwortlich für eins der größten Umweltprobleme Portugals: Die alljährlich wiederkehrenden Waldbrände haben ein ungeahntes Ausmaß erreicht. Im schlimmsten Brandjahr 2003 sind etwa 350.000 Hektar Wald verbrannt. Das meiste davon waren Eukalyptus- und Kiefernplantagen. Von sechs Prozent der gesamten portugiesischen Waldfläche blieben nichts als schwarzen Stumpen. Und auch im letzten Sommer gingen wegen der anhaltenden Dürre fast 70.000 Hektar Wald in Flammen auf. Zusammen entspricht das etwa 588.000 Fußballfeldern in zwei Jahren.

Doch den Portugiesen sind ihre Wälder nicht nur als Wirtschaftsgut wichtig. Derzeit sind 5,1 Prozent der Wälder geschützt, es gibt neben dem 72.000 Hektar großen Nationalpark Peneda-Gerês im Norden des Landes zwölf Naturparks, neun Naturreservate und drei geschützte Landschaften. Auch Klimaschutz ist Waldschutz: Das Kyoto-Protokoll hat Portugal 2002 ratifiziert. Doch für den wirtschaftlich schwächelnden EU-Staat, der seinen Energiebedarf vor allem mit Erdöl- und Erdgasimporten deckt, gelten entschärfte Bedingungen: Er darf seinen CO2-Ausstoß bis 2010 um 27 Prozent im Vergleich zu 1990 steigern. Noch sind es tatsächlich etwa 40 Prozent. Damit liegt Portugal zurzeit im oberen Drittel, was seine CO2-Emissionen pro Kopf betrifft: Platz 44 von 176.

Sonstiges

Fisch, vor allem der in vielen Variationen zubereitete Bacalhau (Kabeljau), gehört in Portugal zum alltäglichen Speiseplan. Doch trotz fast 1.800 Kilometer Küste muss die ehemalige Seefahrernation drei Viertel ihres Fisches importieren. Mit knapp 190.000 Tonnen Fisch liegt Portugal bei den Fischproduzenten eher im Mittelfeld: Platz 44 von 106.

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