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Niederlande: ein Königreich für etwas weniger Gedränge!

Die elf Oranje-Kickers kommen aus einem kleinen Land mit großer Bevölkerung, wo anscheinend auf fast allen Gebieten Gedränge herrscht: Legt man allein die Landfläche zugrunde, ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von rund 400 Bewohnern pro Quadratkilometer. Das sichert dem Königreich den 16. Platz in der Bevölkerungsdichte weltweit.

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Land und Leute

Der Küstenstaat kann mit Fug und Recht für sich in Anspruch nehmen, auf dem Gebiet der Kultur ganz oben mitzuspielen. Mit mehr als 1.000 Museen führt das Land die Liste mit der höchsten Museumsdichte der Welt unangefochten an.

Ebenfalls Platz 1 haben die Niederlande bei noch einer Drängelei inne: Kein anderes Land der Welt hat auf einem Quadratkilometer so viele Fahrzeuge. Dabei bringt man die Holländer ja eher mit Fahrrädern in Verbindung. Oder mit Wohnwagen. Tatsächlich gibt es in jedem zehnten niederländischen Haushalt einen solchen. Noch beliebter sind Caravans nur in Schweden.

Beachtenswert ist auch das Schienennetz: Auf über 2.800 Kilometer Länge kann man sich im Zug fortbewegen. Bezogen auf die Fläche ist das Europarekord. Weit übertroffen wird das jedoch vom Netz der Wasserwege. Per Schiff sind mehr als 5.000 Kilometer befahrbar - in einem Land, das von Nord nach Süd nur 300 Kilometer, von Ost nach West sogar nur 180 Kilometer misst.

Geografie, Politik und Fußball

  • Fläche: 41.528 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 16,6 Mio.
  • Hauptstadt: Amsterdam, Regierungssitz in Den Haag
  • Amtssprache: Niederländisch
  • Staatsform: Parlamentarische Monarchie
  • Unabhängigkeit: 23. Januar 1579 von Spanien
  • Achtmal gelang den Oranjes bislang der Sprung in eine WM-Endrunde. Die größten Erfolge feierte das Team 1974 und 1978: Zweimal in Folge erreichte die Mannschaft das Finale - und beide Male scheiterte sie am jeweiligen Gastgeber. Diesmal wollen sie ganz vorne mitspielen. Eine Qualifikation mit acht Siegen ohne Niederlage beweist, dass sie durchaus das Zeug dazu haben.

Wirtschaft

Denkt man an Produkte aus den Niederlanden, fallen einem sofort Tomaten, Gurken und Käse ein. Doch damit lässt sich die Wirtschaft des Landes nicht erschöpfend beschreiben: Sie ist stark exportorientiert. Unter 226 Nationen weltweit findet man die Niederlande an Position 6 - sehr beachtlich für so ein kleines Land. Das hat die Niederlande zu einer der reichsten Nationen überhaupt gemacht.

Vielleicht überraschend: Nur knapp über zwei Prozent der Beschäftigten arbeiten im Agrarsektor. Die Mehrheit der Niederländer - rund drei Viertel aller Beschäftigten - ist im Dienstleistungsbereich tätig, wo auch der Großteil des Bruttoinlandproduktes (BIP) erwirtschaftet wird. Der Schwerpunkt liegt auf Finanzdienstleistungen und Transport/Logistik. Darin spiegelt sich auch die besondere Rolle der Niederlande für Europa wieder: Mit dem für Europa wichtigsten Hafen in Rotterdam ist das Land das Gateway to Europe. Mehr als 29.000 Schiffe legten dort 2009 an, 80 jeden Tag des Jahres. Wieder Gedrängel!

Korruption und Menschenrechte

Bis vor ein paar Jahren hätte jeder mit Erstaunen reagiert, wenn man in den als besonders liberal und tolerant geltenden Niederlanden das Thema Menschenrechte aufs Tapet gebracht hätte. Seit dem 11. September 2001 und den politisch motivierten Morden an dem Politiker Pim Fortuyn und dem Regisseur Theo van Gogh scheint auch die niederländische Gesellschaft ihre Toleranz gegenüber Fremden, insbesondere Muslimen, abzulegen. Asylsuchende werden im Regelfall in "Verwaltungshaft" genommen, über ihre Anträge wird im Eilverfahren entschieden, nicht wenige wurden schon in Krisengebiete zurückgeschickt.

Mit Korruption haben die Niederländer allerdings offenbar kaum Last. Nur wenige Länder auf der Welt gelten als weniger korrupt. Und in Sachen Pressefreiheit gibt es fast nur hinsichtlich der Paparazzi-Fotos von der königlichen Familie gelegentlich Ärger.

Natur und Umwelt

Bei der hohen Bevölkerungsdichte hält man es kaum für möglich, dass es in den Niederlanden auch noch Natur gibt. Doch es gibt sogar eine ganze Menge. 20 Nationalparks zählt das Land. Jeder beherbergt eine einzigartige Landschaft mit Tieren wie Rotwild, Dachsen, Bibern, Ottern oder Seehunden. Bis 2018 sollen die Parks miteinander vernetzt werden, um den Austausch untereinander zu ermöglichen. 18 Prozent der Fläche des Landes sollen so einen Schutzstatus erhalten.

Viel Landfläche haben die Niederländer dem Meer abgerungen. "Gott schuf die Welt, und die Niederländer die Niederlande" lautet ein Sprichwort. Das gewonnene Land müssen sie nun mit Deichen schützen: Ohne Schutzmaßnahmen stünde rund ein Drittel des Landes bei normaler Nordseeflut mehrere Meter unter Wasser. Der tiefste Punkt der Niederlande - Zuidplaspolder - liegt sieben Meter unter dem Meeresspiegel.

Mit höheren und stärkeren Deichen dürfte es in der Zukunft angesichts steigender Meeresspiegel aber nicht mehr getan sein. Die Niederländer haben daher ihre Taktik geändert: Sie wollen nicht mehr gegen das Wasser kämpfen, sondern mit dem Wasser leben. Experten schätzen, dass das Land innerhalb des nächsten Jahrhunderts zu einer "Hydrometropole" wird, die auf dem Wasser treibt. Bereits heute entstehen ganze schwimmende Wohnviertel, die sich um bis zu fünf Meter heben und senken können.

Greenpeace in den Niederlanden

Bereits seit März 1978 gibt es ein Greenpeace-Büro in den Niederlanden mit Sitz in Amsterdam. Leicht rückläufig war dort in den vergangenen Jahren die Zahl der Unterstützer. Sie ist aber mit 550.000 Menschen bezogen auf die Einwohnerzahl immer noch Weltspitze. Greenpeace arbeitet in den Niederlanden erfolgreich zu den Themen Klima- und Urwaldschutz, Export von Elektronikschrott, Walfang und der nationalen Energiegesetzgebung. Ein Dauerbrenner: Die Schließung des einzigen Atomkraftwerks der Niederlande in Borssele. 2013 soll es endlich so weit sein.

(Autor: Helge Holler)

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