Corona-Krise: Interview mit Hao Wu von Greenpeace Ostasien über das Leben in Wuhan

Manchmal hilft ein Rat

„Vertraut darauf, dass diese Situation irgendwann vorübergeht.“ Unser Kollege Hao Wu lebt in Wuhan. Im Interview erzählt er, wie das Corona-Virus sein Leben verändert hat.

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Restaurants in Peking öffnen wieder. Die Menschen können unter Auflagen wieder Ausflüge unternehmen. Selbst in Wuhan, dem Epizentrum des Corona-Ausbruch in China, hat die Regierung die Ausgangssperren gelockert. Unser Kollege Hao Wu arbeitet seit Jahren als leitender Forscher für Greenpeace Ostasien. Sein Zuhause ist in Wuhan. Im Interview erzählt der 36-Jährige, wie er die vergangenen Wochen erlebt hat.  

Greenpeace: Du lebst in Wuhan. Wie hast du in den vergangenen Wochen gelebt?

Hao Wu: Ab dem 20. Januar bin ich zu Hause geblieben, auch wenn wir noch bis Anfang Februar durch Wuhan fahren konnten. Dann kam der Lockdown und niemand durfte mehr sein Wohngebiet verlassen. Wir durften uns nur innerhalb unserer Viertel bewegen.

Meine Eltern und Freunde habe ich seit Monaten nicht mehr gesehen. Die ganze Zeit konnten wir nur im Netz oder über das Handy chatten. Mit meinen Kollegen ging das eigentlich gut. Ich habe mich auch früher viel über Mail, Skype oder Zoom mit ihnen ausgetauscht.

Jetzt können wir wieder ein oder zwei Stunden rauszugehen. Trotzdem sind die Straßen noch sehr leer. Aus der Stadt dürfen wir noch nicht wieder. Die Quarantänerichtlinie gilt weiter im ganzen Land. Selbst Reisende, die aus einer Stadt mit wenigen oder gar keinen Corona-Fällen kommen, müssen 14 Tage in Quarantäne.

Wie belastend waren die vergangenen Wochen für dich?                                         

Weil es anfangs kaum Informationen gab, habe ich mir Sorgen gemacht, etwa dass Lebensmittel knapp werden oder andere lebensnotwendige Güter ausgehen. Zum Glück hatten wir für das chinesische Neujahrsfest Ende Januar viel gelagert. Und im Februar funktionierte die Versorgung dann wieder.

Was war für dich die größte Herausforderung?

Die größte Herausforderung war, meine Familie zu beschwichtigen. Ich wohne mit meiner Frau, unserem Sohn und meinen Schwiegereltern zusammen; sobald sich jemand unwohl fühlte, war die Sorge da, sich angesteckt zu haben. Das wurde aber besser, nachdem wir zwei Wochen zu Hause waren.

Hast du in den vergangenen Wochen trotzdem weiter für eine bessere Umwelt arbeiten können?

Ja, das musste gehen, denn  es gibt viel zu tun. Eigentlich sollte im Herbst in Kming, im Süden Chinas die die CBD CoP 15, die wichtigste Konferenz für den Schutz der biologischen Vielfalt, stattfinden. Der Termin ist jetzt verschoben, aber das ist weiter ein sehr wichtiges Thema für uns.

Wir schauen genau, welche Auswirkungen die Epidemie auf unsere Kampagnen und auf das Wohlbefinden unserer Kolleginnen und Kollegen hat und passen unsere Pläne entsprechend an. Es gibt Wege, wie man die Epidemie und gleichzeitig den Klimawandel oder den Schutz von Wildtieren angehen kann. Dazu werden wir jetzt verstärkt arbeiten.

Satellitenbilder zeigen eine geringere Luftverschmutzung in Teilen Chinas: nämlich dort, wo aufgrund des Corona-Ausbruchs die Produktion in Fabriken und der Verkehr zurückgegangen sind. Merkst du, dass die Luft sauberer ist?

Ja, die Luft ist gerade viel besser als in den vergangenen Jahren. Vermutlich ist das in Europa und den USA ähnlich.

Der Corona-Ausbruch hat die industrielle Produktion und das gesellschaftliche Leben in China dramatisch verändert. Zusammen mit wetterbedingten Faktoren hat das die Luftqualität im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert.

Die Ursachen der Luftverschmutzung in Schlüsselregionen haben sich aber kaum verändert, zeigen Analysen. Die Stahl- und Aluminiumwerde oder die Kraftwerke laufen nahezu unverändert weiter. Während der Neujahrsfeiertage stieg die Produktion der Stahlindustrie im Vergleich zu den Vorjahren sogar leicht.

Die Epidemie hat den Lebensstil im ganzen Land stark verändert. Während der Verkehr und damit auch die Emissionen dort zurückgegangen sind, lassen die vielen Menschen zu Hause den Strom- und Gasverbrauch steigen. In Peking etwa waren während der Neujahrsfeiertage 14 Wärmekraftwerke in Betrieb, mehr als viermal so viel wie im Vorjahreszeitraum.

Nachhaltig wird die Luft nur sauberer, wenn wir weniger Kohle, Öl und Gas verbrennen und die Emissionsstandards in den schmutzigsten Industrien kontinuierlich verbessern.

Dein Tipp an uns, die wir jetzt zu Hause sitzen. Was hat dir am meisten geholfen in den vergangenen Wochen?

Seid geduldig. Und sprecht mit anderen Menschen, wenn euch die Situation stresst. Manchmal hilft schon ein einfaches Gespräch. Vertraut darauf, dass diese Situation irgendwann vorübergeht.

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