Camila Speziale: "Durch die Hölle und zurück"

Fotografieren, Klettern, Umweltschutz - die Argentinierin ist mit ihren Hobbies bestens als Aktivistin qualifiziert. Die Jüngste der Arctic 30 war gespannt auf die Arktis und ging euphorisch an Bord der Arctic SUnrise. Tapfer überstand sie die Kälte und die enttäuschenden Anhörungen in Murmansk.
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Camila war gerade in Begriff, die Plattform zu erklettern, als sich russische Sicherheitskräfte näherten. "Es war wie in einem Horrorfilm, als sie gegen unsere Boote prallten." Diese Zeilen schreibt sie, als sie nach der Festnahme von Sini Saarela und Marco Weber wieder auf der Arctic Sunrise sitzt. Ihren letzten Blogeintrag betitelt sie mit "Durch die Hölle und zurück, um die Arktis zu retten". "Ich hätte nie erwartet, mal mit einer Waffe bedroht zu werden, vor allem nicht bei einem friedlichen, gewaltfreien Greenpeace-Protest."

Camila freute sich auf die Arktis. Schnee hatte die Argentinierin noch nie gesehen. Zum ersten Mal in ihrem Leben brach sie zu einer so weiten Reise auf. "Meine Mama macht sich schon Sorgen, weil ich jetzt für einen ganzen Monat nicht daheim sein werde", erzählt Camila kurz vor Reiseantritt im sonnigen Buenos Aires, ihrer Heimatstadt. Dass es weit mehr als ein Monat werden sollte – damit rechnete zu dem Zeitpunkt niemand.

Kein Verständnis für Ölfirmen

Die 21-Jährige hat sich dem Umweltschutz verschrieben. Schon früh begann sie zu demonstrieren, unter anderem gegen die Bergbauindustrie in Argentinien. Auch die Arktis muss beschützt werden, findet sie. Für die Machenschaften von Ölfirmen in der Arktis hat sie kein Verständnis. "Wie können diese Leute ihren Kindern in die Augen schauen und ihnen erzählen, dass sie einen so schönen Ort zerstört haben, nur um sich zu bereichern?"

In allem, was Camila sagt, scheint ihr Pflichtgefühl gegenüber ihrer Familie durch. "Ich bin etwas traurig und habe ein schlechtes Gewissen, meine jüngeren Geschwister zurückzulassen. Aber ich tue das schließlich auch für sie."

"Unser Leben wurde angehalten"

Lange musste sie um ihre Freiheit fürchten und um ein Leben mit ihren geliebten Angehörigen. Papa Néstor Speziale durfte seine Tochter am 24. Oktober in Murmansk besuchen. An diesem einen Tag schloss er Camila für einen kurzen Moment in die Arme.

Camilas Mama hat in Argentinien Tag für Tag auf Neuigkeiten von ihrer ältesten Tochter gewartet. "[…] man muss den Druck aushalten und die Unmöglichkeit überwinden, zur Arbeit zu gehen. Denn unser Leben wurde angehalten", erzählt Paula Boscaroli der argentinischen Tageszeitung "BuenosAiresHerald". "Trotzdem machen wir weiter, wie jeder es für seine Kinder tun würde."

Mutig für die Umwelt

Als freie Fotografin beweist Camila ein gutes Auge für soziale und ökologische Missstände. In ihrer Freizeit besucht sie Fotografiekurse, um sich künstlerisch weiterzubilden. Außerdem geht sie leidenschaftlich gern klettern - für eine Greenpeace-Aktivistin ein nützliches Hobby.

Camila ist mutig. Seit vier Jahren engagiert sie sich für Greenpeace. An ihrer Freiwilligenarbeit reizt sie vor allem die persönliche Herausforderung. Sie hat begriffen, dass es völlig egal ist, an welchem Ende der Erde man wohnt – der Klimawandel betrifft uns alle. Die Vorstellung, aktiv daran mitzuarbeiten, dass unser Planet bewohnbar bleibt, treibt sie an.

Am 21. November durfte Camila das Gefängnis in St. Petersburg verlassen und am 28. Dezember erreichte sie endlich Buenos Aires, gemeinsam mit Kollege Miguel.

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