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Schwimmende Zeitbomben auf der Ostsee

Auch der lyrische Name Arctic Swan (Arktischer Schwan) kann über das Offensichtliche nicht hinwegtäuschen: Es ist eine schwimmende Zeitbombe. Greenpeace hat den 33 Jahre alten Tanker kürzlich in der Kadetrinne zwischen der dänischen Ostsee-Insel Falster und dem deutschen Darß entdeckt.

Doch der Schwan geriet nicht als einziger ins Visier von Greenpeace. Gleich sechs abschreckende Beispiele für gefährlich veraltete Schiffe präsentierte Greenpeace am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Rostock. Sie alle waren innerhalb von nur zwei Tagen bei einer Stichprobe in der Kadetrinne in der vergangenen Woche gefunden worden.

Fazit: Auch ein Jahr nach dem Untergang des Öl-Tankers Prestige vor der spanischen Küste kann es an deutschen Küsten jederzeit zu einem ähnlichen Unfall durch zu alte Einhüllentanker kommen.

Die Politik hat bisher überhaupt nichts gegen die Gefährdung durch Einhüllentanker unter 5000 Tonnen Tragfähigkeit wie die Arctic Swan unternommen, erklärte in Rostock Greenpeace-Schifffahrtsexperte Christian Bussau. Doch auch dieses Schiff ist eine schwimmende Zeitbombe. Insgesamt fahren zur Zeit 3316 Einhüllentanker mit weniger als 5000 Tonnen Tragfähigkeit auf den Weltmeeren. Diese Tanker müssen von den Meeren verschwinden, um die Gefahr einer weiteren Ölpest massiv zu verringern.

Greenpeace fordert ein weltweites Verbot von Tankern, die über zwanzig Jahre alt sind und keine Doppelhülle haben. Für die gefährliche Kadetrinne muss außerdem eine Lotsenpflicht eingeführt werden. Diese Ziele können nur erreicht werden, wenn sie von der International Maritime Organisation (IMO), die zur UNO gehört, beschlossen werden.

Greenpeace hatte bislang Beobachterstatus bei den Versammlungen der IMO. Doch nach der Prestige-Katastrophe unternahm die UN-Organsition nichts, um weitere Ölverseuchungen zu verhindern. Stattdessen leitete der IMO-Rat im Juni 2002 Schritte ein, die nur dem Ausschluss von Greenpeace dienen können.

Einige Mitgliedstaaten, darunter Zypern und die Türkei, warfen Greenpeace vor, zur Unsicherheit auf See beizutragen. Dabei fiel auf, dass vor allem solche Staaten den Ausschluss wollen, die als Billigflaggen-Länder bekannt sind. Gerade unter Billigflaggen fahren viele der von Greenpeace angeprangerten Öltanker. Die IMO wird vermutlich auf ihrer Versammlung im nächsten Monat über den Rauswurf abstimmen.

Greenpeace wünscht sich, dass die IMO lieber über die EU-Regelungen zur Schiffssicherheit abstimmen und das Verbot von Einhüllentanker annehmen würden. Damit wären diese Vorschriften weltweit gültig. Doch auch das wäre nur ein erster Schritt.

Auch die im Okober in Kraft getretenen EU-Maßnahmen enthalten große Lücken. Zum einen gelten sie nur für Tanker mit mehr als 5000 Tonnen Tragfähigkeit, die Schweröl geladen haben. Bei einer anderen, aber ebenso gefährlichen Ladung schlüpfen die Schiffe durch diese Lücke. Zum anderen ist die deutliche Mehrheit der veralteten Schiffe nicht betroffen, weil sie über weniger als 5000 Tonnen Tragfähigkeit verfügen.

Zwar dürfen die Tanker nicht mehr in EU-Häfen einlaufen, um dort Ladung zu löschen oder beladen zu werden, trotzdem können sie nach wie vor unbehelligt an den EU-Küsten vorbeifahren. Nichts anderes machte vor einem Jahr übrigens auch die Prestige vor der galicischen Küste.

Aktueller Bericht zur zweiten Kadetrinnen-Beobachtung 2002/2003 (PDF, 1,4 Mb).

Sechs Fallbeispiele: Böse Schiffe in der Kadetrinne (PDF, 2,8 Mb).

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