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Sachalin: Urbevölkerung protestiert gegen Erdölprojekte

Vertreter mehrerer Indigenengruppen haben am Dienstag im Norden der russischen Insel Sachalin mit einem Protest gegen Erdöl- und Erdgasprojekte begonnen. Sie versperrten Zufahrten zu den Baustellen der Projekte Sachalin-1 und -2. Green Wave - Grüne Welle ist die Protestaktion benannt, die von Greenpeace unterstützt wird.

100 bis 150 Vertreter von Niwchen, Ewenken und anderen kleineren Völkern haben sich an dem Protest in der Nähe des Dorfes Nysch beteiligt. Zwei Tage soll die Aktion dauern, bei der die Wege von 9:00 bis 20:00 Uhr Ortszeit versperrt werden. Die Verwaltung des Landkreises hat ihre Zustimmung gegeben.

Die Vertreter der kleinen Völker haben alle Möglichkeiten für friedliche Gespräche mit den Ölförderern ausgeschöpft, sagte Alexei Limanzo, Vorsitzender des regionalen Rates der Urbevölkerung von Sachalin.

Zur Unterstützung der Urbevölkerung und ihrer Interessen sind begleitend Sternfahrten zu den Moskauer Büros der Exxon und dem Ölkonsortium Sakhalin Energy Investment Company geplant, die die Ölprojekte realisieren wollen.

Bereits am Montag hatten Greepeace-Aktivisten vor dem Moskauer Büro der Bankgesellschaft Credit Suisse protestiert. Die Bank bemüht sich um die Finanzierung eines umstrittenen Öl- und Gasprojektes vor Sachalin.

Ölsuche und -förderung bedroht letzte Grauwale

Die Indigenen fordern eine unabhängige Untersuchung, die die Ölprojekte von einer ethnologischen Warte beleuchtet. Die Studie solle von den Erdölunternehmen finanziert werden. Bislang gibt es keine Pläne, wie die Auswirkungen auf den Lebensstil der Urbevölkerung eingedämmt werden können.

Die Ölförderung bei Sachalin ist eine große Gefahr für den Bestand an Grauwalen. Die Tiere sind durch den Lärm der Ölbohrungen und Sprengungen stark beeinträchtigt. In den Flüssen von Sachalin werden die Fische vergiftet. Die Laichplätze von Lachsen, Krabben, Seeigeln und anderen Tieren sind gefährdet.

Letzte Woche auf der IWC hatte die russische Delegation von Grauwalen berichtet, die vom Volk der Tschuktschen gefangen wurden. Sechs dieser Wale waren so stark mit Chemikalien belastet, dass sie schon von weitem stanken und den Indigenen nicht mehr als Nahrung dienen konnten. Als Ursache dafür werden Vergiftungen durch die Ölindustrie vermutet.

Damit ist die traditionelle Lebensweise der Urbevölkerung in Gefahr. Tausende Menschen sind betroffen. Der regionale Rat der Urbevölkerung Sachalins fordert die Gründung des Fonds Ethnounion. Mit dessen Mitteln sollen von unabhängigen Experten entwickelten Programme zur Schadensbegrenzung finanziert werden. (Autorin: Ute Szczepanski)

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