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Russisch Roulette auf der Ostsee

Seit Dienstag ist die Ostsee für bestimmte Schiffe verboten - aus Sicherheitsgründen. Betroffen sind zunächst nur Einhüllentanker, die vor dem 6. April 1977 ausgeliefert wurden. Bis Ende des Jahres folgen Tanker, die vor dem 1. Januar 1978 gebaut wurden. Bis zum Jahr 2010 tritt das Verbot dann für immer mehr alte Schiffe mit geringeren Sicherheitsstandards in Kraft. So sieht es der überarbeitete stufenweise Verbotsplan der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) vor.

Der Plan wurde nach der Prestige-Tankerkatastrophe 2002 gefasst. Wie wichtig und dringend die Umsetzung ist, zeigt auch eine neue Untersuchung von Greenpeace. Vom Dezember 2003 bis zum Februar 2005 ermittelte Greenpeace alle Tanker, die durch die Ostsee bestimmte russische und baltische Ölhäfen angesteuert haben. Mit Hilfe eines Online-Registers kam zutage, dass sich mindestens 60 der schlimmsten Schrotttanker darunter befanden.

Durch die oft schmalen Wasserwege der Ostsee werden sich in Zukunft immer mehr Tanker zwängen müssen. Experten erwarten in den kommenden 15 Jahren eine Verdreifachung der derzeitigen Tankerzahlen. Als Grund für den Anstieg werden die prognostizierten Steigerungsraten für viele russische Ölexporthäfen wie Primorsk genannt.

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