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Illegale Öleinleitungen - die tägliche Katastrophe

Der Rohöltanker Flawless wird verdächtigt, illegal Öl in die Ostsee gepumpt und so die Katastrophe vor der estnischen Küste ausgelöst zu haben. Das Schiff wird vermutlich innerhalb der nächsten zwei Tage Port Said am Mittelmeer erreichen. Greenpeace fordert, dass dort das Öltagebuch der Flawless überprüft wird. Im Öltagebuch muss penibel jede Veränderung der Ölmenge an Bord dokumentiert werden.

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Der jährliche schleichende Öleintrag in die Ostsee wird auf über 20.000 Tonnen geschätzt. Das ist jedes Jahr ein Tankerunfall, von dem kaum jemand etwas mitbekommt, sagt Christian Bussau, Schifffahrtsexperte bei Greenpeace. Was wir jetzt sehen, ist nur die Spitze des Eisbergs. Praktisch jeden Tag leiten Schiffe illegal Öl ein. Die Behörden sind machtlos, ihnen fehlen Geld und Personal. Wie viele Tiere im Jahr durch diese Verschmutzung sterben, weiß niemand.

Pro Jahr werden mehrere hundert Ölverschmutzungen in Nord- und Ostsee bei der Luftüberwachung festgestellt. Es ist wissenschaftlich belegt, dass die Öleinleitungen die Meereslebewesen stark schädigen. Schon kleinste Mengen werden im Meerwasser verteilt und von den Organismen aufgenommen. So gelangen sie in die Nahrungskette.

Bussau: So kann es nicht weitergehen. Die Kontrollen der Schiffe in den Häfen müssen verschärft werden. Anhand der Öltagebücher lässt sich feststellen, ob die Schiffe illegal Öl einleiten. Außerdem muss die Luftüberwachung verstärkt werden und die Strafen für die Ölsünder müssen drastisch erhöht werden. Ölverschmutzung der Meere ist kein Kavaliersdelikt. Man kann die Flawless jetzt in Port Said schnappen.

Um auf die vielen Bedrohungen der Weltmeere aufmerksam zu machen, ist Greenpeace seit November 2005 mit dem Flaggschiff Esperanza auf den Ozeanen unterwegs. Die einjährige Greenpeace-Expedition steht unter dem Motto SOS Weltmeer. Walfang, Überfischung, Verschmutzung durch Öl und andere Einleitungen stehen dabei im Mittelpunkt der Expedition.

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