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Neue Hinweise auf Restöl im Golf

Die Suche nach dem Öl bleibt spannend

Geschätzte 780 Millionen Liter ausgelaufenes Öl verschwinden nicht so schnell - auch wenn BP und die US-Behörden gerne das Gegenteil verkünden. Wissenschaftler an Bord des Greenpeace-Schiffes Arctic Sunrise haben in einem neuen Expeditionsabschnitt Wasser- und Sedimentproben im Golf von Mexiko untersucht. Ihre Einschätzung: Das Öl ist noch da!

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Von wegen: Etwa 75 Prozent des ausgelaufenen Öls aus der BP-Katastrophe im Golf seien biologisch zersetzt, verdunstet, abgefackelt und eingesammelt - so die offiziellen Angaben der US-Behörde NOAA. Diese Zahl machte Forscher weltweit stutzig - auch Dr. Rainer Amon, Experte für Biogeochemie. Er und sein Team waren elf Tage lang mit Greenpeace im Golf von Mexiko unterwegs. Er ist sicher: Der Grad an gelöstem Sauerstoff im Wasser ist keinesfalls hoch genug, als dass eine derart große Menge an Öl und Gas von Bakterien zersetzt worden sein kann.

Sauerstoff als Indikator

Der Sauerstoffmangel im Meer kann Aufschluss geben, wie viel ausgeströmtes Öl und Gas aus dem Leck der Deepwater Horizon bereits von Bakterien zersetzt wurde. Bakterien brauchen Sauerstoff zum Abbau. Einfach gesagt: Je niedriger der Sauerstoffgehalt im Wasser, desto höher die Menge an Öl, die bereits zersetzt wurde. Dr. Rainer Amon, Experte für Biogeochemie, sagt: Es gibt klare Zeichen für Sauerstoffarmut über eine große Fläche hinweg - angefangen vom Macondo-Ölfeld bis hin zu 500 Kilometern westlich der Unfallstelle. Wie hoch die Menge der Öl- und Gasbestandteile im Wasser ist, müssen wir nun untersuchen.

Amons Kollege Cliff Nunnally, Experte für Bodenorganismen, hat einen Verdacht: Er vermutet das Öl am Meeresgrund. Er hat im aktuellen Tourabschnitt zahlreiche 60 Zentimeter dicke Schlammproben aus 1.300 Meter Tiefe an Bord der Arctic Sunrise gehäuft. Wenig überraschend, dass die Proben - acht Kilometer von der Unglücksstelle entfernt eingesammelt - übelriechende Ölreste enthalten. Ob es sich es sich dabei um das mit Chemikalien aufgelöste Öl aus dem Leck der Deepwater Horizon handelt, werden unabhängige Labore anhand des sogenannten fingerprint klären. Nunnally untersucht derweil, wie sich das Öl auf die Tiere und Pflanzen im Meeresgrund auswirkt.

Die Expeditionstour der Arctic Sunrise

Auch wenn BP und die amerikanische Regierung uns vom Gegenteil überzeugen möchten - die Folgen der Ölpest im Golf von Mexiko sind noch lange nicht vorbei, betont Kert Davies von Greenpeace USA. Das wissen die Forscher, die betroffenen Fischer, die Anwohner und nicht zuletzt auch die Aufräumteams, die die Ölreste mühsam eingesammelt haben. Greenpeace ist mit der Arctic Sunrise im August zu einer dreimonatigen Expeditionstour in den Golf von Mexiko aufgebrochen. Das Schiff ermöglicht Wissenschaftlern und Journalisten, unabhängige Forschung zu den Folgen der Ölpest zu betreiben. In mehreren Tourabschnitten untersuchten bisher wechselnde Wissenschaftlerteams die Schädigung des empfindlichen Ökosystems im Golf.

Hier geht's zur Karte der Expeditionstour in den Golf von Mexiko

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