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Aktivisten beenden Protest auf Ölplattform

Über 40 Stunden hielten die vier Kletterer dem arktischen Wetter stand und die Bohrungen von Cairn Energy auf. Jetzt zwang ein eisige Sturm die Aktivisten, Schutz auf der Brücke der Ölplattform zu suchen, wo sie prompt verhaftet wurden.

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Kurz vor Ende des Greenpeace-Protest übermittelte der amerikanische Aktivist Sim McKenna noch über Satellit eine Nachricht: Wir konnten die Bohrungen für zwei Tage aufhalten, mussten uns aber dem arktischen Wetter geschlagen geben. Die letzte Nacht war eisig, das Meer unter uns schäumt und der Wind braust gewaltig. Es ist Zeit, herunterzukommen, aber wir sind stolz, den teuflischen Andrang auf das arktische Öl für einige Tage gestoppt zu haben.

Das Greenpeace-Schiff Esperanza harrt seit elf Tagen vor der Westküste Grönlands aus und macht auf die gefährlichen Bohrungen der britischen Ölfirma Cairn Energy aufmerksam. Unter den scharfen Augen der dänischen Marine, die mit einem 120 Meter langem Kriegsschiff die Esperanza bewacht, konnten vier Greenpeace-Aktivisten mit Schlauchbooten im Morgengrauen des 31. August die Ölplattform Stena Don erreichen und sie erklettern. Ziel des Protestes war, die gefährlichen Probebohrungen von Cairn Energy für einige Tage aufzuhalten. Jeder Tag Verzögerung erhöht die Chance, dass Cairn aufgrund seines engen Zeitfensters die Probebohrungen nicht abschließen kann - der arktische Winter naht und macht jegliche Arbeiten unmöglich.

In der Baffin Bay, etwa 170 Kilometer vor der Küste Grönlands, bohrt das Unternehmen mit Lizenzen der grönländischen Regierung nach Öl. Bisher war die Suche erfolglos; kürzlich konnte Cairn lediglich verkünden, auf Spuren von Erdgas gestoßen zu sein. Greenpeace befürchtet angesichts der wachsenden Goldgräberstimmung einen Sturm auf das arktische Öl, sofern Cairn fündig wird. Dieses wunderschöne, fragile arktische Ökosystem würde unter einer Ölkatastrophe zusammenbrechen. Jetzt schon zeigt sich mit dem Abschmelzen der Arktis, dass wir unsere Abhängigkeit vom Öl beenden und stattdessen in saubere Energien investieren müssen, betont Mc Kenna. Der Aktivist kennt die Folgen einer Ölpest - vor wenigen Wochen half er als Freiwilliger im Kampf gegen das Öl im Golf von Mexiko.

Die Ölkatastrophe der Deepwater Horizon im Golf hat gezeigt, dass auch die Branchenriesen im Falle eines Ölunfalls nicht gewappnet sind. Cairn Energy - ungleich kleiner, mit weniger Erfahrung und geringen Umsätzen - spielt ein gefährliches Spiel:

  • Die Ölbohrungen vor der Westküste Grönlands sind auf die Monate Juli bis September beschränkt. Setzt der arktische Winter ein, können die Bohrarbeiten aufgrund des dicken Eises nicht mehr fortgesetzt werden.
  • Die US-Regierung kalkuliert für ihre eigenen arktischen Gewässer, dass über die Dauer eines Nutzungsrechts in einem bestimmten Seegebiet das Risiko eines Ölunfalls bei über 20 Prozent liegt!
  • Die Baffin Bay ist die Heimat von bis zu 90 Prozent der Narwal-Population weltweit. Dort leben Blauwale, Polarbären, Seehunde, Haie und zahlreiche Zugvögel.
  • Cairn bohrt aktuell in einer Tiefe von 300 bis 500 Metern, verweigert aber, seinen Notfallplan offenzulegen. Die geringen finanziellen Kapazitäten lassen darauf schließen, dass Cairn nicht gerüstet ist. Die kleine Firma verfügt über gerade einmal 14 Schiffe, die eine mögliche Ölpest bekämpfen könnten. Zum Vergleich: BP setzt im Golf von Mexiko über 3.000 Schiffe ein.

Greenpeace fordert weltweit ein Verbot der gefährlichen Tiefseebohrungen.

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