Verbraucher, Aktivisten und Kreative fordern von Lidl: Schluss mit Billigfleisch

Auf allen Kanälen

Ob im Netz oder vor Discounter-Filialen: Die Wahrheit über grausame Tierhaltung für Lidls Billigfleisch-Produktion muss ans Licht. Deshalb sind Aktivisten on- und offline kreativ.

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So sieht‘s aus, so hört es sich an: Schweine vegetieren in engen, dunklen Ställen, quieken erbärmlich in ihrer Qual. Die von Greenpeace-Aktivisten großflächig auf die Fassade einer Hamburger Lidl-Filiale geklebten Fotos und die Schreie aus Lautsprechern demonstrieren, was eigentlich verborgen bleiben sollte. Wenn es nach Lidl ginge. Doch durch Bilder und Geräusche wird aus dem Geschäft das, was hinter dem Schnitzel steckt: ein konventioneller Schweinestall. Statt Auslauf und Stroh zum Wühlen gibt es für das reinliche und äußerst intelligente Borstenvieh dort meist nur dreckige Spaltenböden. Mehr als 90 Prozent aller Schweine werden in Deutschland so gehalten – auch die, die später zu Lidl-Fleisch werden. Nicht nur Verbraucher, auch Kreative fordern nun in einem internationalen Designwettbewerb Transparenz. Denn der Käufer soll entscheiden können, was für Fleisch auf seinen Teller kommt.

„Wir wollen die nackte Wahrheit“ steht auf Englisch neben einem spärlich gefiederten Huhn. „What are you hiding?“ (Was verbirgst du?), platziert eine anderer Teilnehmerin des Wettbewerbs auf einem Lidl-Logo. Schon mehr als 200 deutsch- und englischsprachige Beiträge sind bislang auf der Kreativplattform jovoto.de eingegangen. Nicht minder untätig sind Online-Aktivisten, die sich seit Monaten per Protestmail oder Facebook-Kommentar an den Discounter wenden.

Das Schweigen der Handelskette

Denn laut Greenpeace-Umfrage wollen auch Discounterkunden wissen, wie ihr Fleisch produziert wurde, und für mehr Tierwohl mehr zahlen. Bislang jedoch reagierte Lidl nicht auf diese Wünsche. „So tun, als sei nichts, wird auf Dauer nicht funktionieren“, erklärt Christiane Huxdorff, Greenpeace-Expertin für Landwirtschaft. „Bei den jüngst geplatzten Sondierungsgesprächen hatten sich CDU/CSU, die Grünen und die FDP sogar auf eine verbindliche Herkunftskennzeichnung für Fleisch verständigt. Auch wenn die Einführung erst in ein paar Jahren erfolgen sollte, zeigt es jedoch, dass das Thema platziert ist.“

Tierwohl-Logo weckt Erwartung

Denn derzeit erfahren Verbraucher kaum etwas über die Herkunft des Fleisches im Supermarkt. Zahlreiche Siegel werben um die Gunst der Verbraucher – die meisten sind (ent-)täuschend. So führt auch der Aufdruck „Initiative Tierwohl“ auf der Lidl-Eigenmarke Landjunker in die Irre. Entgegen des auf das Wohlwollen des Verbrauchers abzielenden Namens hat das Tier in der Verpackung oft kein glückliches Leben geführt. Erstens stammt nur ein Bruchteil des Fleisches aus besserer Haltung – obwohl alle Lidl-Produkte das Label tragen. Und zweitens sind die Kriterien zwar besser, aber immer noch so schlecht, dass sie überwiegend gegen das Tierschutzgesetz verstoßen.

Der Aufdruck auf der Verpackung weckt jedoch andere Erwartungen. Denn der gesunde Menschenverstand könnte zu Recht folgern: Wo Tierwohl drauf steht, sollte auch Tierwohl drin sein. „Lidl muss klar benennen, woher das Fleisch stammt“, sagt Huxdorff. „Unternehmen haben eine Verantwortung Verbrauchern, Tieren und der Umwelt gegenüber. Das schließt den Verkauf von Fleisch aus tierschutzwidriger Haltung aus.“

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