Atomkraftwerke

Strahlend, gefährlich, unbeherrschbar

Noch sind in Deutschland acht Atomkraftwerke in Betrieb. Erst 2022 werden die letzten drei vom Netz genommen.

Risiko auf Jahre hinaus

Der mehrfache Super-GAU im japanischen Atomkomplex Fukushima Daiichi im Frühjahr 2011 brachte in Deutschland eine erneute Kehrtwende in der Energiepolitik.

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Innerhalb kurzer Zeit war möglich, was Greenpeace jahrelang gefordert hatte: Von 17 AKW an 12 Standorten wurden die sieben ältesten und der Pannenmeiler Krümmel noch 2011 stillgelegt. Doch der letzte Reaktor soll nach einem stufenweisen Ausstieg erst 2022 vom Netz gehen. Wäre der politische Wille vorhanden gewesen, hätte Deutschland auch schon 2015 atomstromfrei sein können.

Am 30. Juni 2011 stimmte der Bundestag mehrheitlich für den Atomausstieg bis 2022. Die bereits wenige Tage nach der Atomkatastrophe vom Netz genommenen Kraftwerke Brunsbüttel, Biblis A und B, Isar 1, Philippsburg 1, Unterweser, Neckarwestheim 1 und Krümmel wurden nicht wieder hochgefahren. Für die restlichen neun kommt das Aus in folgender Reihenfolge: Grafenrheinfeld (2015), Gundremmingen B (2017), Philippsburg 2 (2019), Grohnde, Brokdorf und Gundremmingen C (alle 2021), Isar 2, Neckarwestheim 2 und Emsland (alle 2022).

Haftung ungenügend

Atomkraftwerke können nicht sicher betrieben werden, bis heute ist das Risiko eines Super-GAU nicht auszuschließen. Die Technologie ist viel zu komplex, als dass für alle denkbaren Störfallszenarien Vorkehrungen getroffen werden könnten. Darüber hinaus stehen die Betreiber von Atomkraftwerken beständig unter wirtschaftlichem Druck, was häufig dazu führt, dass bei Entscheidungen Wirtschaftlichkeit vor Sicherheit rangiert.

Alle derzeit laufenden Atomreaktoren weltweit haben konstruktionsbedingte Sicherheitsprobleme, die sich nicht durch Nachbesserungen beheben lassen. Es gibt bekannte Risiken, aber immer auch nicht erkannte, die erst bei einem Unfall offensichtlich werden. Die Betreiber werden bei einem schweren Unfall kaum in Haftung genommen. Die vorgeschriebene Versicherungssumme beträgt in Deutschland gerade einmal 2,5 Milliarden Euro, obwohl die Schäden ins Tausendfache gehen können.

Die Sicherheitsprobleme in Atomkraftwerken führen zu immer neuen Störfällen und zu unzähligen meldepflichtigen Ereignissen. Da eine unfallfreie Atomkraftnutzung nicht möglich ist, bleibt nur der weltweite Ausstieg aus der Atomkraft. Greenpeace zeigt seit Jahren in weltweiten Energieszenarien, wie der Umstieg auf Erneuerbare Energien möglich ist.

Rückstellungen

Der Rückbau eines Atomkraftwerks dauert zehn Jahre und mehr. Die Kosten betragen, je nach Größe des AKW, ab 500 Millionen Euro aufwärts und ein Endlager für den strahlenden Müll gibt es nicht. Die Energiekonzerne sind verantwortlich, während der Laufzeit sogenannte Rückstellungen zu bilden, um den Rückbau zu bezahlen.

Rückstellungen sind steuerfreies Kapital, das für Investitionen in anderen Konzernbereichen genutzt wird. Sie sind jedoch nicht insolvenzsicher und verschaffen den Konzernen Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Energieversorgern. Der Staat kann auf das Geld nicht zugreifen. Das heißt, wenn ein Unternehmen pleite geht, muss der Steuerzahler einspringen.

In der Regel dauert der Rückbau eines Atomkraftwerks länger als erwartet. Entsprechend steigen die Kosten und der Steuerzahler muss dafür aufkommen. Die Bundesregierung muss eingreifen und die Kostenübernahme der Atomkonzerne gesetzlich regeln.

Zur weiteren Information:

Ihr kleiner GAU-Ratgeber

Zum Weiterlesen:

Spiegel online: Kosten und Haftung bei einem schweren AKW-Unfall (Oktober 2013)

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Häufig gestellte Fragen

  • Deutschland hat den Atomausstieg beschlossen. Was passiert jetzt mit den Atomkraftwerken?

    Nachdem im Frühjahr 2011 die sieben ältesten AKW und der Pannenreaktor in Krümmel sofort abgeschaltet wurden, sollen die restlichen neun AKW bis spätestens 2022 laufen. Danach  müssen die zum Teil hochradioaktiv verseuchten Anlagen entsorgt werden. Pro AKW dürfte das bis zu 15 Jahre dauern. Die Kosten sind immens: Greenpeace hat errechnet, dass Rückbau und Entsorgung bis zu 44 Milliarden Euro kosten können.

  • Wie reagierten die Atomkonzerne auf den Ausstieg?

    RWE, E.on und Vattenfall haben Verfassungsbeschwerde gegen den Atomausstieg eingereicht. Sie forden mehrere Milliarden Euro Schadenersatz. Greenpeace hält die Verfassungsbeschwerden für falsch und unbegründet, denn die große Gefahr, die von Atomkraftwerken ausgeht, rechtfertigt deren Stilllegung.

  • Wo soll der Atommüll hin?

    Für mittel- und schwachradioaktiven Atommüll ist ab dem Jahr 2019 das ehemalige Eisenerz-Bergwerk Schacht Konrad als Endlager vorgesehen. Ein Endlager für hochradioaktiven Abfall gibt es weltweit nicht. Erkundet wurde bisher nur der Salzstock Gorleben. Dieser ist aber aus wissenschaftlichen Gründen ungeeignet. Eine schützende Deckschicht fehlt, es gibt zahlreiche Laugenvorkommen und der Salzstock liegt über dem größten Erdgasreservoir Deutschlands.

  • Warum vertragen sich Atomkraft und Erneuerbare Energien nicht?

    Der Ausbau der Erneuerbaren Energien boomt. Bis zum Jahr 2020 können sie bereits 47 Prozent der Stromversorgung sichern. Doch die Erneuerbaren liefern mal mehr und mal weniger Strom. Schwerfällige Kraftwerke wie Atommeiler oder Kohlekraftwerke können jedoch nicht flexibel hoch- und runtergefahren werden. Sie müssen im Dauerbetrieb laufen. Daher werden Erneuerbare Energien immer häufiger vom Netz ausgeschlossen.

  • Forderungen

    • Die Bundesregierung soll sich für einen weltweiten Atomausstieg einsetzen
    • Das Endlagersuchverfahren muss ergebnisoffen und nach wissenschaftlichen Kriterien erfolgen
    • Der ungeeignete Standort Gorleben ist aus der Endlagersuche auszuschließen

    Veröffentlichungen zu diesem Thema

    Report: Unequal Impact

    Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.