Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Staatssicherheit gegen Umweltschützer

Das Büro der Umweltschutzgruppe Baikal Environmental Wave ist am Freitag vom russischen Staatssicherheitsdienst durchsucht worden. Beschlagnahmt wurden Karten, die die radioaktive Belastung der Region um das Angarsk Elektrolyse Chemiekombinat bei Irkutsk erfassen.

Offizielle Stellen begründeten die Durchsuchung mit der Verbreitung geheimer Daten. Baikal Environmental Wave hatte in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Institut Sosnovgeos die radioaktive Verseuchung von Wasser und Boden um das Angarsker Kombinat kartografiert. Die Karten wurden schon vor zehn Monaten etlichen öffentlichen Stellen zugeschickt. Sie enthielten keine näheren Angaben über das Kombinat selber oder auch nur dessen genaue örtliche Ausdehnung.

Die Mitarbeiter der Organisation wurden im Büro festgehalten. Sie durften weder telefonisch noch per Fax Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen. Der Staatssicherheitsdienst beschlagnahmte die Festplattenlaufwerke sämtlicher Computer, obwohl die beanstandeten Karten weder elektronisch erfasst noch gespeichert waren. Die regionale Behörde des Sicherheitsdienstes verweigerte zunächst jeden Kommentar zu der Durchsuchung. Fernsehjournalisten soll die Veröffentlichung des Vorgangs untersagt worden sein.

Zeitgleich zur Hausdurchsuchung fand das öffentliche Feststellungsverfahren zu den Umweltrisiken durch den Bau einer Ölpipeline durch den Tunkinsky Nationalpark statt. Baikal Environmental Wave führt zurzeit eine Kampagne gegen dieses Projekt am Ufer des Baikalsees an. Auftraggeber ist Yukos, die zweitgrößte Ölgesellschaft des Landes.

An einen Zufall mögen Umweltschützer nicht recht glauben. Für viel wahrscheinlicher halten sie, dass die Staatssicherheit mit der Durchsuchung Unternehmensinteressen schützen will. Im heutigen Russland ist ein solches Vorgehen leider keine Seltenheit.

Nach Medienberichten vom Sonntag sollen die Mitarbeiter von Baikal Environmental Wave nun doch nicht wegen des Verrats von Staatsgeheimnissen angeklagt werden. Auch soll der Umweltschutzorganisation die beschlagnahmte Ausrüstung zurückgegeben werden.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Schleichendes Gift

Wenn Verbote zu spät kommen: Große Teile der weltweiten Orca-Bestände stehen vor dem Aussterben. Schuld ist ein Schadstoff, der seit fast 15 Jahren auf der Schwarzen Liste steht.

Zu viel, zu schnell

Der Modekonzern H&M sitzt auf Ladenhütern im Milliardenwert und weiß nicht wohin damit. Die Entsorgung erfolgt oft auf fragwürdigem Weg, berichten ZDF und Wirtschaftswoche.

Gutes Leben, selbstgemacht

Deutschlandweit zeigten Greenpeace-Aktivisten am Wochenende, wie verantwortungsvoller Konsum geht. Und dass das nichts mit Verzicht zu tun haben muss.