Entsorgung von Millionen Samsung-Smartphones

Retten, was zu retten ist

Samsung sitzt auf 4,3 Millionen möglicherweise feuergefährlichen Smartphones. Ein Problem nicht nur für den Konzern: Nach dem Imageschaden droht nun das Umweltdebakel.

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Beim Elektronikkonzern Samsung herrscht schlechte Stimmung: Bislang sind rund 100 Fälle weltweit bekannt, in denen das Galaxy Note 7 – eigentlich als modernstes Vorzeigemodell seiner Smartphone-Linie gedacht – überhitzte und explodierte. Die Folge: Der koreanische Konzern ruft sämtliche verkauften Exemplare zurück. Aber was geschieht nun mit den brandgefährlichen Telefonen? Samsung macht keine eindeutige Aussage. Sollte der Elektronikriese die insgesamt 4,3 Millionen produzierten Geräte einfach einstampfen statt sie zu recyceln, hätte dies auch für die Umwelt beträchtliche Folgen.

Smartphones stecken nämlich voller Materialien wie Edelmetalle, dazu kommen andere wertvolle Metalle wie Kobalt oder Wolfram und Seltene Erden, die wieder verwendet werden können und nicht einfach in die Umwelt gelangen sollten. Das Öko-Institut hat für Greenpeace ausgerechnet, was – basierend auf Herstellerangaben – in den bislang produzierten Telefonen an wiederverwertbaren Materialen verbaut ist:

  • Mehr als 20 Tonnen Kobalt
  • Mehr als eine Tonne Wolfram
  • Eine Tonne Silber
  • 100 Kilogramm Gold
  • Zwischen 20 und 60 Kilogramm Palladium

Verschmutzung und Verschwendung

Um die aus dem Verkehr gezogenen Telefone zu ersetzen, werden erneut wertvolle Metalle in der gleichen Größenordnung benötigt – ein absolut unnötiger Mehraufwand, der mit einer hohen Umweltbelastung einhergeht. Das achtlose Wegwerfen der Telefone ist demnach eine Ressourcenverschwendung sondergleichen. Um beispielsweise die Menge an Gold zu fördern, die im Galaxy Note 7 verbaut ist, müssen 100.000 Tonnen Erze und Gestein in Minen abgebaut werden – das ist ein Verhältnis von eins zu einer Million pro Kilo Gold. Nicht nur die eingesetzte Energie ist ökologisch problematisch: Um Edelmetalle zu gewinnen, werden außerdem giftige Chemikalien wie Quecksilber und Zyanid benötigt.

Samsung hat erklärt, die zurückgerufenen Geräte weder zu reparieren, noch aufgearbeitet wieder in den Verkauf zu geben. Eine eindeutige Zusage, dass die Telefone ordnungsgemäß recycelt werden, gibt es bislang aber nicht. Denn das ist teuer und aufwendig. Statt die funktionstüchtigen Komponenten des Galaxy Note 7 in anderen Samsung-Produkten zu verbauen, will der Konzern die ungeliebten Telefone offenbar schlicht deponieren: Es handelt sich dabei um einen Berg Elektroschrott, der 28 Seefrachtcontainer füllen würde – die bei weitem schlechteste Lösung. Umweltschäden wären dabei auch durch Chemikalien wie bromierte Flammschutzmittel oder PVC zu befürchten, die sich in Kabeln und anderem Handyzubehör verstecken können.

Greenpeace fordert Transparenz

Eine Greenpeace-Umfrage im August 2016 ergab, dass die meisten Befragten sich Smartphones wünschen, die länger leben, leichter repariert werden können und umstandslos recycelbar sind. Das Note 7 erfüllt offensichtlich keines dieser Kriterien. Mittlerweile hat sich auch das koreanische Umweltministerium der Sache angenommen, und in Medienartikeln Geldstrafen für Samsung angekündigt, falls die Geräte lediglich verschrottet würden.

Greenpeace fordert von Samsung, in der Krise transparent zu handeln, klare Aussagen zu geben und zu retten, was zu retten ist: Wer den Schaden hat, muss den Schrott auch (fachgerecht) entsorgen. Zukünftig müssen Elektronikhersteller an Designs arbeiten, die generell einen einfacheren Komponententausch vorsehen: Das sorgt für längerlebige Geräte – und hätte Samsung in diesem Fall massiv Probleme erspart.

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