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Aufräumarbeiten in Bhopal - mit bloßen Händen

Bhopal - der Name steht für die größte Chemiekatastrophe der Geschichte. Und noch heute, mehr als 20 Jahre später, vergiften sich Menschen, wenn sie das Gelände betreten. Unglaublich, dass jetzt indische Regierungsstellen Wanderarbeiter zum Aufräumen dorthin schicken - ohne jede Schutzausrüstung. Damit soll einem Gerichtsurteil entsprochen werden, das die gründliche Entsorgung des Geländes bis zum 20. Juni vorschreibt. Noch bevor die Monsunzeit losgeht.

Mit bloßen Händen, hochgekrempelten Ärmeln oder nur im Unterhemd, ohne Atemschutzmaske versuchen die Arbeiter die hochgiftigen Chemikalienreste, die über das angeblich aufgeräumte Gelände verstreut sind, einzusammeln und wegzuschaffen. Dagegen protestierte am Donnerstag die Internationale Kampagne für Gerechtigkeit in Bhopal (ICJB). Sie erichtete am Eingangstor zum Gelände einen Pavillion, in dem mit Hilfe von großen Schautafeln und Videofilmen der Gebrauch und richtige Einsatz von Schutzkleidung und -masken gezeigt wird.

Die Arbeiter wurden vom Bhopal Gas Tragedy Relief & Rehabilitation Department und dem Madhya Pradesh Pollution Control Board (MPPCB) auf das durch und durch verseuchte Gelände geschickt. Greenpeace, als Mitglied der ICJB, hat den Ämtern schon das Papier Union Carbide Site Clean-Up Protocols zukommen lassen. Darin werden genau die einzuhaltenden internationalen Standards für solche Aufräumarbeiten mit den für solche Fälle üblichen Schutzmaßnahmen beschrieben und gefordert.

Dass das Gelände der ehemaligen Union-Carbide-Fabrik endlich gründlich aufgeräumt wird, ist seit langem die Forderung der Gemeinde Bhopal und vieler Umweltschützer. Aber die jetzt eingeschlagene leichtfertige Art und Weise, wie das von den Regierungsstellen umgesetzt wird, ist meilenweit von dem entfernt, was wir erwartet haben, erklärt Vinuta Gopal von Greenpeace Indien. Wir haben den Pavillion errichtet, um zu informieren und die Aufräumarbeiten zu beobachten, damit endlich die Sicherheitsstandards eingehalten werden.

Rachna Dhingra von ICJB erklärt: Nach den Paragraphen 283 und 284 des indischen Strafgesetzes ist es ein Verbrechen, Männer, Frauen oder Kinder ohne entsprechende Schutzmaßnahmen zu Arbeiten mit gefährlichen Chemikalien heranzuziehen. Wir werden gegen die betreffenden Behörden wegen dieses fortgesetzten Verbrechens Schritte einleiten. Außerdem werden wir die Gesundheit der Arbeiter genau überwachen.

Gopal weist darauf hin, dass den offiziellen Stellen schon lange wissenschaftliche Studien und technische Richtlinien für die Beseitigung von gefährlichem Material nach den höchsten Standards vorlägen. Dort werde auch davor gewarnt, welche Risiken und Gefahren das Missachten der Standards mit sich bringe. Was könnten sie da noch als Ausrede für die kriminelle Gefährdung der Arbeiter und der Bewohner Bhopals vorbringen?, fragt Gopal.

Die ICJB fordert nun von den Behörden, diese riskante Aufräumpraxis sofort zu beenden und erst weiterzumachen, wenn folgende Punkte geklärt sind:

1) Die detaillierten Aufräumpläne müssen umgehend veröffentlicht werden. Außerdem muss die Regierung darlegen, wie sie die Kosten für die Aufräumaktion vom Union Carbide-Nachfolger Dow Chemical zurückerstattet bekommt.

2) Die Regierung muss nachweisen, dass bei den Aufräum- und Entsorgungsarbeiten in Bhopal nicht Beweismaterial für ein noch anhängiges Gerichtsverfahren in New York wegen der Giftgas-Katastrophe verloren gehen kann.

3) Unabhängigen Experten, Gemeindevertretern und NGOs muss erlaubt sein, den ganzen Aufräumprozess zu begleiten und ein Auge darauf zu haben.

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