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Das dreckigste Öl der Welt

Der erste große Transport von Öl aus den kanadischen Tarsands hat Europa erreicht. Die Förderung hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen - auch bei Menschen.

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Die Umweltschäden bei der Produktion sind gigantisch: Es ist dreimal klimaschädlicher als konventionell gefördertes Öl. Die eingesetzten Gifte wie Quecksilber oder Arsen sickern ins Grundwasser und schädigen Tier und Mensch. Die Krebsrate in den Ölsandgebieten im nördlichen Alberta ist sehr viel höher als im Rest Kanadas. Es ist das dreckigste Öl der Welt.

600.000 Barrel (95.400.000 Liter) davon sind nun per Tanker im Hafen von Bilbao/Spanien entladen worden - im Auftrag von Repsol, ein international agierender Erdölkonzern mit Sitz in Spanien. Von Bilbao aus soll es in den nächsten Tagen zu einer nahe gelegenen Raffinerie gebracht werden - um dann zum Teil im Tank unserer Autos zu landen.

Aus dem Konzern, der auch vor der Küste der kanarischen Inseln nach Öl bohren will, hieß es, dass dieser Transport ein Pilotprojekt sei. Er solle zeigen, ob es sich lohnt, dieses Öl zu verarbeiten. Unklar ist, wie groß der Aufwand ist, um das Öl zu "veredeln" -  und wie stark die Proteste dagegen sind. Gleichzeitig wies Repsol die Beschwerden der Anwohner über die zum Teil hochgftigen Emissionen als unberechtigt zurück.

Europas Verantwortung

Europa verhandelt seit mehreren Jahren eine neue Richtlinie zur Qualität von Kraftstoffen (FQD). Die ersten Entwürfe sahen vor, Produkte mit einem so negativen ökologischen Fußabdruck wie dem von Öl aus Tarsand nicht zuzulassen. Durch den massiven Einsatz von Lobbyisten und die Drohung, die EU wegen "Diskriminierung"  vor Gericht zu ziehen, hat die kanadische Regierung gemeinsam mit der US-Regierung erreicht, dass diese Einschränkung aus dem letzten Entwurf der Kraftstoffqualitätsrichtlinie herausgenommen wurde. Faktisch heißt das, dass Europa die Treibhausgas-Reduktionsziele im Bereich Transport nicht erreichen kann, wenn in großen Mengen Öl aus Tarsands genutzt wird.

Derzeit importiert Europa circa 4.000 Barrel (636.000 Liter) Tarsand-Öl pro Tag. Die Menge wird aber bis 2020 auf bis zu 700.000 Barrel steigen, wenn in den USA die geplante Keystone XXL Pipeline gebaut wird.

Der erste Protest in Bilbao war mit 50 Aktivisten und Aktivistinnen noch klein. Die örtlichen Umweltschützer aber sind gewappnet und können mit der Unterstützung von Friends of the Earth, Greenpeace und der Organisation Transport&Environment rechnen.

 

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