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In acht Meter großen Lettern malen Aktivisten und Aktivistinnen auf einem noch nicht frei gegebenen Bauabschnitt der A49 mit Kreidefarbe den 90 Meter langen Schriftzug “AUTOBAHN“ mit durchgestrichenem ersten Wortteil “Auto”.
© Bernd Lauter / Greenpeace

Deutsche Verkehrsplanung

Nirgends ist der Rückstand beim Klimaschutz größer als im Verkehr. Das liegt auch an einer falschen Verkehrsplanung. Warum die Verkehrswende keine weiteren Autobahnen verträgt.

Asphalt ist ein zäher Stoff. Bis tatsächlich mal ein Auto drüber rollt, vergehen oft Jahrzehnte. So ist das etwa bei der A49. Als die Autobahn zwischen Kassel und Gießen geplant wurde, hieß der Bundeskanzler noch Ludwig Erhard und im Tor der Fußballnationalmannschaft stand Sepp Maier. Fertig ist die vierspurige Straße bis heute nicht. Der seit Jahrzehnten bestehende Widerstand gegen sie aber ist größer denn je.

Heute früh etwa demonstrierten sechs Aktivistinnen und Aktivisten von Greenpeace auf einer Talbrücke der umstrittenen A49 in Hessen. In acht Meter großen Lettern malten sie auf einem noch nicht frei gegebenen Bauabschnitt mit Kreidefarbe den 90 Meter langen Schriftzug “AUTOBAHN“ mit durchgestrichenem ersten Wortteil “Auto”. „Statt das Land immer weiter mit umwelt- und klimaschädlichen Autobahnen zu durchziehen, muss die Bundesregierung konsequent in Alternativen wie die Bahn investieren“, sagt Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan.

Längst jedoch beschränkt sich der Protest nicht mehr allein auf dieses eine Projekt. Denn der Verkehr in seiner heutigen Form hat ein mächtiges Klimaproblem. Seit Jahren steigt sein CO2-Anteil. Im vergangenen Jahr gingen erstmals mehr als 20 Prozent der gesamtdeutschen Treibhausgase auf das Konto des Verkehrs. Das liegt ganz maßgeblich an den 48 Millionen in Deutschland gemeldeten Pkw, denn deren Motoren verbrennen noch immer fast ausschließlich Erdöl. Mittelbar aber liegt es auch an der Verkehrsplanung, denn mehr Straßen bedeuten mehr Autoverkehr bedeutet mehr Treibhausgase.

Das Netz ist dicht

Diese Kausalität scheint im Verkehrsministerium bislang niemanden weiter zu stören, wie der Bundesverkehrswegeplan 2030 zeigt. Das Dokument bündelt große Verkehrsinfrastrukturprojekte wie Autobahnen und Bundesstraßen, die über einen Zeitraum von 15 Jahren geplant sind. Obwohl Deutschland mit mehr als 13.000 Kilometern schon eines der dichtesten Autobahnnetze in Europa hat, plant das Haus von Verkehrsminister Andreas Scheuer eifrig weitere. Auf 972 Autobahnkilometer addiert sich die Liste der 44 Neubauprojekte. Mindestens 18 davon würden Schutzgebiete beeinträchtigen, zeigt eine Untersuchung von Greenpeace. In elf Fällen nennt selbst die Bundesregierung die zu erwartenden Umweltauswirkungen der Neubauten „hoch“.

Schon deshalb sollte niemand den anhaltenden Protest gegen die A49 als hessisches Regional-Scharmützel abtun. Der rasante Artenschwund, die unübersehbaren Auswirkungen der Klimakrise, der kritische Zustand vieler Wälder macht es für viele Menschen inakzeptabel, einen gesunden, alten Wald abzuholzen um weitere Autobahnkilometer zu asphaltieren. „Der Protest um die A49 endet nicht am Dannenröder Wald“, sagt Greenpeace Verkehrsexperte Benjamin Stephan. „Die Menschen erwarten von der Bundesregierung eine Verkehrsplanung, die nicht länger rücksichtslos Natur zerstört und die Klimakrise anheizt.“

Greenpeace fordert einen sofortigen Baustopp für weitere Autobahnen und Bundesstraßen. Bei der anstehenden Bedarfsprüfung müssen alle Projekte auf ihre Klimawirkung hin überprüft werden. Freiwerdende Mittel müssen konsequent in den Ausbau klimafreundlicher Alternativen wie der Bahn investiert werden.

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