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Braunkohlekraftwerk Neurath bei Grevenbroich - Dampf steigt aus Kühltürmen auf, im Vordergrund Windräder.
Bernd Lauter / Greenpeace

Klimaschutz: Greenpeace veröffentlicht Abschaltplan für Kohlekraftwerke

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

„Wir können und werden nicht darauf warten, bis auch der Letzte auf der Welt von den wissenschaftlichen Erkenntnissen des Klimawandels überzeugt werden konnte.“ Den Satz sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in ihrer Regierungserklärung. Und meinte mit dem Nachzügler selbstverständlich Donald Trump. „Das Klimaabkommen ist unabkehrbar, und es ist nicht verhandelbar“, setzte Merkel dann noch einen drauf – und machte damit deutlich: Nun, da Trump den weltweit zweitgrößten Klimasünder USA aus dem Pariser Abkommen führen will, muss auch Deutschland noch mal draufsatteln.

Eine Erkenntnis, so richtig wie bekannt. Von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron über Indiens Oberhaupt Narendra Modi bis zu Südkoreas neuem Staatschef Jae-in Moon haben nach Trumps Ankündigung einige G20-Chefs verlautbaren lassen, mehr als bisher zu tun, um das Klima zu schützen. In dieser Gruppe wäre Deutschland als Mutterland der Energiewende gut aufgehoben.

Bundeskanzlerin Merkel ist in erster Linie groß darin, sich als Klimakanzlerin in Szene zu setzen. Fakt ist aber, dass die CO2-Emissionen im vergangen Jahr gestiegen sind. Mit 906 Millionen Tonnen waren sie so hoch wie im Jahr 2009. Warum? Weil das Land an klimaschädlicher Kohle festhält. Greenpeace legt nun mit einer bei Energy Brainpool beauftragten Studie einen detaillierten Abschaltplan vor. Der zeigt, wann welches Kohlekraftwerk vom Netz gehen muss, damit Deutschland seine Klimaziele einhält, ohne dabei die Versorgungssicherheit zu gefährden. Bis zum Jahr 2030 wäre dann Schluss mit der Kohle.

Deutschland: Spitzenreiter bei Braunkohle-Produktion

„Die Kanzlerin muss verhindern, dass die Energiewende auf halbem Weg stecken bleibt. Nur der Kohleausstieg wird sie wieder in Gang bringen“, sagt KarstenSmid, Greenpeace-Experte für Energie. Durch den kann das von der Bundesregierung gesteckte Klimaziel eingehalten werden, den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Davon sind wir im Jahr 2017 allerdings um einige Prozentpunkte entfernt – wenn es so weitergeht, schafft Deutschland bis zum finalen Datum 36 Prozent.

Nun muss man Deutschland zu Gute halten, dass wir innerhalb weniger Jahre aus der hochgefährlichen Atomenergie aussteigen – hier bräuchte etwa Frankreich dringend Nachhilfe. Das aber ist kein Grund für das unverhältnismäßige Festhalten an Kohle. Denn der Ausbau Erneuerbarer Energien schreitet voran, Strom ist reichlich da: Die Kraftwerke exportieren immer häufiger dreckigen Kohlestrom ins Ausland, weil er hier nicht gebraucht wird. Und dennoch wird gebaggert – kein anderes Land baut so viel Braunkohle ab, wie Deutschland.

Nach vorne blicken

Greenpeace hat in der Vergangenheit gezeigt, wie der Kohleausstieg sozialverträglich gestaltet werden kann. Auch die Technik ist da – für Energien, die ihre Kraft aus den unendlichen Ressourcen Wind und Sonne ziehen. Ihr Einsatz nimmt weltweit zu. Der Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens steht eigentlich nichts im Wege – auch nicht ein Trump im Weißen Haus. „Mit dem 40-Prozent-Ziel steht und fällt die Glaubwürdigkeit der Kanzlerin im internationalen Klimaschutz“, sagt Greenpeace-Experte Karsten Smid. „Nur wenn klimaschädliche Kohlemeiler gut geplant vom Netz gehen, wird das Klimaziel erreicht.“ Und nur so bleibt Bundeskanzlerin Merkel glaubwürdig, um beim anstehenden G20-Gipfel in Hamburg von den Staaten eine schnelle Umsetzung des Pariser Abkommens fordern zu können.“

Studie: Klimaschutz durch Kohleausstieg

Studie: Klimaschutz durch Kohleausstieg

66 | DIN A4

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