Alexandre Paul: Immun gegen Verzweiflung
- Hintergrund
Po-Paul, wie ihn seine Freunde nennen, setzt sich schon sein halbes Leben lang für Greenpeace ein. In den 90er Jahren begann er als Direct Dialoger und warb neue Mitglieder an. Im Jahr 2007 beteiligte er sich an einer Aktion gegen den Bau eines Hafens für Atom-U-Boote in Schottland. Auch damals wurde er verhaftet und verbrachte mehrere Tage im Gefängnis.
Unbeirrt wird weitergemacht
Alexandre widmet sich so entschlossen dem Umweltschutz, dass ihn diese Festnahme nicht aufhielt. Er blieb bei Greenpeace. In einem offenen Brief an die Unterstützer der Arctic 30 schreibt er über seine Arbeit: "Es war bislang ein ziemliches Abenteuer und ich hoffe, dass es noch lange weitergeht." Seit sieben Jahren arbeitet er als Aktivist und Matrose an Bord von Greenpeace-Schiffen mit.
Dem 36-jährigen Kanadier, der in Hochelaga-Maisonneuve (östlich von Montréal) aufwuchs, wurde die Hilfsbereitschaft sozusagen in die Wiege gelegt. Seine Mutter war Krankenschwester und sein Vater Feuerwehrmann, bevor sich beide zur Ruhe setzten.
"Ich fühle mich etwas einsam"
Die Zeilen, die Po-Paul in seiner Einzelzelle rund einen Monat nach seiner Festnahme schreibt, sind nüchtern verfasst, aber humorvoll. "Es ist jetzt über einen Monat her, dass sich eine "Spezialeinheit" aus einem Helikopter abseilte und unser Schiff mit Waffengewalt unter seine Kontrolle brachte", erzählt er. "Das war ein ziemlich beängstigender Moment, muss ich zugeben, surreal, wie in einem Actionfilm. Seitdem ist das Leben ziemlich schwierig."
"Ich fühle mich etwas einsam", ist alles, was Alexandre zu seiner Verfassung in Isolationshaft sagt. Er beklagt sich nicht. Nicht einmal der kalte Winter in Murmansk lässt ihn verzagen. "Da ich Kanadier bin, müsst ihr euch um mich keine Sorgen machen, aber denkt an meine Kollegen aus Brasilien, Süditalien, Argentinien und der Türkei! Für sie muss es wirklich kalt sein."
Mut, Hoffnung, Humor
Aktivisten, die ihre Unterstützer aus der Zelle heraus unterhalten - die Arctic 30 beeindrucken auf ganzer Linie. Mit Mut und Hoffnung und Humor machen sie wahrhaft einen heldenhaften Eindruck. "Gebt die Hoffnung nicht auf", appelliert Po-Paul an uns.
Und tatsächlich, am 21. November 2013 lehnen die zuständigen St. Petersburger Gerichte den Antrag der russischen Behörden ab, die Arctic 30 drei weitere Monate in Untersuchungshaft zu behalten. Alle Aktivisten werden nach und nach freigelassen - müssen aber in Russland bleiben. Am 18. Dezember dann verfügt die Duma eine Amnestie, auch für die Arctic 30, und Po-Paul kann am 27. Dezember heimkehren.
Zum Weiterlesen:
Die Chronologie der Arctic 30