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Windräder in einem Windpark bei Dahme
Paul Langrock / Greenpeace

Neue Greenpeace-Studie zu Erneuerbaren Energien

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Manchmal ist die Energiewende wie ein Navi mit alten Karten: Das Ziel lässt sich eingeben, doch beim Berechnen der Route fängt es an zu ruckeln. Bis zum Jahr 2020, soviel ist klar, will Deutschland 40 Prozent weniger Klimagase ausstoßen. Gleichzeitig aber soll der Ausbau der Erneuerbaren Energien, der das möglich machen kann, gedeckelt werden. Schon beginnt das Schlingern.

Denn da gibt es Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, der sich gerne als jemand mit ökonomischem Augenmaß präsentieren würde und deshalb das Gesetzt zum Ausbau der Erneuerbaren Energien (EEG) im vergangenen Jahr reformieren ließ. Spätestens ab 2015, so die beruhigend gemeinte Aussage, wird der Zubau von Wind- und Solaranlagen begrenzt werden. Der beabsichtigte Subtext des Ministers: „Wir gebieten dem teuren Wildwuchs der Erneuerbaren Einhalt.“

Kurz darauf wurde dann klar, dass auch der gesamtgesellschaftlich weit teurere Anstieg der Kohleverstromung gebremst werden muss. Denn Umweltministerin Barbara Hendricks hatte nachrechnen lassen, wie Deutschland bei seinen Klimaschutzversprechen eigentlich so dasteht. Das Ergebnis lautete: ziemlich schlecht. Wenn das stets und allerorts bekräftigte 40-Prozent-Ziel nicht meilenweit verfehlt werden soll, dann müsse kräftig nachgebessert werden. Daraus entstand das im vergangenen Dezember beschlossene Aktionsprogramm Klimaschutz. Es nötigt allen Sektoren von Verkehr über Effizienz bis Energieerzeugung zusätzliche Klimaschutz-Anstrengungen ab und macht damit klar: Ohne das Abschalten von Kohlekraftwerken wird es nicht gehen.

Weniger Zubau bei den Erneuerbaren und gleichzeitig weniger klimaschädliche Kohleverstromung? Mit diesen Vorgaben ist noch der gewiefteste Routenplaner überfordert.

Ausbau ökonomisch und ökologisch sinnvoll

Wie es gradliniger geht, macht eine neue Greenpeace-Kurzstudie deutlich. Das Beratungsbüro Energie- und Klimapolitik, kurz EnKliP genannt, hat sie im Auftrag von Greenpeace erstellt. „Auf dem Weg zum 40 %-Ziel“ ist sie etwas wolkig überschrieben. Doch schon der Untertitel wählt einen deutlich festeren Ton: „Mehr Wind an Land und Photovoltaik – Warum die Deckelung keine Kosten spart“.

Darin dröselt Autor Uwe Nestle minutiös auf, weshalb es ökonomisch gesehen Unsinn ist, jetzt den Erneuerbaren-Ausbau zu bremsen. Die garantierten Vergütungen sind inzwischen so niedrig, dass zusätzliche Anlagen auf der Stromrechnung kaum mehr ins Gewicht fallen. Das erklärte Ziel der Bundesregierung, den durchschnittlichen Preis einer Kilowattstunde erneuerbaren Stroms unter 12 Cent zu drücken, könnte bei einem beherzteren Ausbau sogar schon in diesem Jahr erreicht werden – statt wie geplant erst 2018. Der eigentliche Profiteur aber wäre Deutschlands CO2-Bilanz: Schon mit einem Ausbau der Erneuerbaren um zusätzliche 5 Prozentpunkte bis zum Jahr 2020 ließen sich die durch das Aktionsprogramm Klimaschutz wegfallenden Kohlekapazitäten komplett ersetzen.

Entsprechend deutlich ist das Urteil von Greenpeace-Energieexperte Niklas Schinerl: „Mit der Ausbaubremse steht sich die Bundesregierung beim Klimaschutz selbst im Weg.“ Bleibt zu hoffen, dass das Navi der Bundesregierung mit Blick auf den Ausbaudeckel den weisen Satz spricht: Wenn möglich bitte wenden.

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