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Windpark at Haarberg
© Paul Langrock / Greenpeace

Wie viele Windräder gibt es in Bayern?

Es herrscht Flaute im Freistaat: Unter den Flächenländern der Bundesrepublik ist Bayern bei der Windenergie immer noch Schlusslicht. Warum es so wenig Windkraft in Bayern gibt, weshalb und wo sie sinnvoll ist und wie Wirtschaftsministerin Reiche den Ausbau bremst.

Die Bilanz zum Ausbau der Windkraft in Bayern ist ernüchternd – jedes Jahr aufs Neue. Auch 2025 bleibt der Freistaat wie schon in den Jahren davor unter den Flächenländern bei der sogenannten Installationsdichte – Kilowatt pro Quadratkilometer – Schlusslicht. Zwar stieg die Zahl der genehmigten Windräder in Bayern zuletzt steil an. Aber Wirtschaftsministerin Katherina Reiche könnte per Gesetz dafür sorgen, dass Bayern auf den hinteren Rängen bleibt und viele der bereits genehmigten Anlagen nicht ans Netz kommen. Denn die CDU-Politikerin will bei Wind und Solar sparen. Und das würde vor allem – so eine Studie von Green Planet Energy – Bayern treffen. 

Es stehen Investitionen von 45 Milliarden Euro in sogenannten „Netzengpassgebieten“ auf dem Spiel. Die betroffenen Gebiete liegen zu 40 Prozent in Bayern. In rund 30 von insgesamt 71 bayerischen Landkreisen könnte durch Reiches Initiative der Ausbau von Photovoltaik und Windenergie „massiv ausgebremst werden“, erläutert Carolin Dähling von Green Planet Energy dem Bayerischen Rundfunk. Das entsprechende Gesetz befindet sich gerade in der internen Abstimmung. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) will Änderungen. Auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat Widerstand angekündigt. Er fordert eine stärkere Berücksichtigung süddeutscher Standorte beim Windkraftausbau

Nur 17 Windkraftanlagen in 2025

Denn anders als beim Ausbau der Photovoltaik hinkt der Freistaat beim Ausbau der Windenergie den anderen Bundesländern hinterher: Greenpeace Bayern hat anhand der Daten der Fachagentur Wind und Solar und Daten des sogenannten Marktdatenstammregisters analysiert, wie viele Windkraftanlagen 2025 in Bayern in Betrieb gegangen sind. Auch sahen wir uns an, wie viele genehmigt wurden und wo der Freistaat im Vergleich zu anderen größeren Bundesländern bei der installierten Leistung pro Quadratkilometer steht.

Das Ergebnis: Unter der Koalitionsregierung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) wurden 2025 lediglich 17 Windkraftanlagen in Betrieb genommen. In der Tabelle aller 16 Bundesländer ist Bayern Vorletzter. Nur der Stadtstaat Berlin ist schlechter. Im vergangenen Jahr wurden 196 Anlagen genehmigt, das sind doppelt so viele wie 2024.

Beim bundesweiten Vergleich ist der Wert „installierte Leistung in Kilowatt pro Quadratkilometer“ eine sinnvolle Größe. Man will ja nicht Äpfel mit Birnen oder China mit Liechtenstein vergleichen. Und auch nicht Bayern mit Berlin. Deswegen landet der Freistaat bei der Rangliste der Flächenstaaten bei der installierten Leistung pro Quadratkilometer auf dem letzten Platz: Gerade einmal 39 kW pro Quadratkilometer Windkraft-Leistung sind in Bayern am Netz. Spitzenreiter ist hier das windreiche Schleswig-Holstein mit 610 kW (und übrigens 146 neu gebauten Anlagen – acht Mal so viel wie Bayern).

Schwarz-Grün in NRW weit vor Bayern

Dabei hatten Söder und Aiwanger so hochfliegende Pläne: Die Staatsregierung hatte sich 2023 im Koalitionsvertrag auf Seite 67 das Ziel gesetzt, bis 2030 1000 neue Windenergieanlagen zu bauen. Mit dem derzeitigen Tempo dauert es überschlagsweise 125 Jahre, bis das Realität wird. „Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger schafft es zum wiederholten Male nicht, seine selbst gesteckten Ziele beim Windkraftausbau zu erreichen“, kommentiert Saskia Reinbeck, Energieexpertin von Greenpeace Bayern, die letzten Zahlen  Der letzte Platz des Freistaates zeige, dass Aiwanger die Prioritäten in der bayerischen Klima- und Energiepolitik immer noch falsch setzt.

Bundesweit und auch in Bayern berechtigt allein die Verdoppelung der neu genehmigten Windkraft-Anlagen zu Hoffnungen. „Die aktuellen Zahlen sind ein Silberstreif am Horizont. Jetzt darf der Freistaat nicht erneut die Windkraft-Dämmerung verschlafen“, mahnt Greenpeace-Expertin Saskia Reinbeck. Ein Positiv-Beispiel ist das schwarz-grün regierte Bundesland Nordrhein-Westfalen. Die Verantwortlichen dort haben es 2025 geschafft, 963 Anlagen zu genehmigen, das sind fast fünf Mal so viele Windräder wie in Bayern. Schon jetzt verfügt NRW über drei Mal so viel Leistung aus Windkraft wie der Freistaat – obwohl Bayern doppelt so groß ist.

17 neue Windräder in 2025

2025 sind 17 neue Windkraftanlagen in Bayern ans Netz gegangen. Mindestens 104 pro Jahr sind nötig, damit der Freistaat sein selbst gestecktes Ziel erreicht, ab dem Jahr 2040 klimaneutral zu sein.

Greenpeace findet: Es geht zwar in die richtige Richtung, was Anzahl und Tempo der Genehmigungen betrifft. Allerdings fallen die Zahl und die Leistung der gebauten und auch der genehmigten Anlagen hinter den selbst gesteckten Zielen der Staatsregierung zurück. Laut dem Bayernplan Energie 2040, einer Studie fürs bayerische Wirtschaftsministerium zur Klimaneutralität 2040, hätten ab 2023 zwei Windenergieanlagen mit je 5,5 MW pro Woche in Betrieb gehen müssen. Dieser Wert wurde auch 2024 mit acht Windrädern pro Jahr weit verfehlt. Dadurch vergrößert sich die Lücke zum postulierten Energieplan immer mehr.

Außerdem: „Beim Bau von Windkrafträdern im Wald dürfen nicht wertvolle Ökosysteme und CO2-Senken zerstört werden“, betont Greenpeace-Expertin Saskia Reinbeck. „Sonst ist nichts gewonnen!“ Deshalb ist es ratsam, zuerst alle anderen Flächen komplett auszunutzen, bevor Bäume gefällt werden.

Windräder vor der Staatskanzlei

So berichtet Zeit online über die Aktion von Greenpeace-Aktivist:innen.

Im August 2023 haben Aktivisti an den Fahnenmasten vor der bayerischen Staatskanzlei Windräder angebracht - an den Spitzen der sechs Masten wurden kleine weiß-rote Rotoren befestigt. Ein öffentlichkeitswirksamer Hinweis vor der Landtagswahl im Oktober an Ministerpräsident Markus Söder, endlich seine Wahlversprechen in Sachen Windkraft einzulösen. „Windkraft statt heißer Luft“ stand auf dem größten der Transparente.

Warum gibt es so wenig Windräder in Bayern?

Die CSU mit ihrer Politik spätestens seit 2014 und die Freien Wähler, die mit der CSU seit 2018 eine Koalition bilden, sind politisch verantwortlich für den langsamen Ausbau der Windenergie in Bayern. Am nachhaltigsten blockiert eine – in Teilen immer noch gültige – Regelung der bayerischen Bauordnung seit 2014 den Windkraftausbau: die sogenannte 10H-Regelung. Sie besagt, dass ein 150 Meter hohes Windrad 1,5 Kilometer (Höhe mal 10) Abstand zur nächsten Siedlung haben muss. Diese Regel hat die „Regionalplanung blockiert“ und wirkt bis heute nach, da sie 2022 zwar gelockert, aber nicht aufgehoben wurde.

Ist Windenergie in Bayern überhaupt sinnvoll?

Windenergie ist nicht überall in Bayern sinnvoll. Aber da, wo sie sinnvoll ist, kann sie dazu beitragen, dass der Freistaat sich und seine Bürger:innen aus der Abhängigkeit von fossilen Energien befreit. Laut Wirtschaftsministerium ist die geringe Anzahl der Windräder „den geographischen und topographischen Bedingungen in Bayern geschuldet“, weshalb Aiwanger vor allem auf den Bau von Windrädern im bayerischen Staatsforst setzt. Wind im Wald ist aber nur unter bestimmten Bedingungen sinnvoll. Welche das sind, hat Greenpeace hier zusammengefasst

Eine Studie von Dezember 2023 zeigt zudem, dass die Behauptung, die Gestalt der Landschaft verhindere den Ausbau der Windkraft in Bayern, nicht zutrifft. Bei einer durchgängigen Verringerung der Abstandsregel könnte die Windkraftkapazität im Freistaat fast versechsfacht werden. Bei einer Abstandsverringerung auf 800 Meter könnte die gesamte Stromerzeugung aus Gas durch Stromerzeugung aus Windkraft ersetzt werden – die Initiative Klimaneutrales Deutschland rechnet mit Einsparungen in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro.

Wo in Bayern könnten Windräder gebaut werden?

Bis zum Jahr 2032 müssen 2 Prozent der Fläche Deutschlands – und auch Bayerns – als Fläche für die Windkrafterzeugung ausgewiesen werden. Welche das sind, ist bis 2027 in Bayern vor allem Gegenstand der Regionalplanung. Es werden Gebiete ausgewiesen, die zur Errichtung einer oder mehrerer Windkraftanlagen geeignet erscheinen. Einen groben Überblick, welche Flächen dafür theoretisch in Frage kommen, liefert die sogenannte Gebietskulisse Windkraft. Beim Betrachten dieses Energieatlas wird klar, dass die Gebiete sich sehr ungleichmäßig über den Freistaat verteilen. Stand 2021 standen - in absoluten Zahlen - die meisten Anlagen in Oberfranken (306 von 1611) und die wenigsten in Niederbayern (65). In Oberbayern (141 Anlagen, davon 45 Kleinanlagen) wurde der Ausbau rund um Altötting kontrovers diskutiert. Am Jura-Höhenzug Hahnenkamm in Mittelfranken begreifen viele den Windkraftausbau als Chance, Bürger:innen und Kommunen an erneuerbaren Energien mitverdienen zu lassen – dieses Modell soll ab 2025 in Bayern auch den Ausbau der Windkraft befördern. 

Banner Protest on the Zugspitze
© Greenpeace

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Schon die Bilanz der ersten Legislaturperiode von Söder und Aiwanger war ernüchternd: Von 2018 bis 2023 wurden lediglich 30 neue Windenergieanlagen genehmigt. Im Vergleich dazu hatten andere süddeutsche Bundesländer im gleichen Zeitraum und mit ähnlichen Windbedingungen deutlich mehr ausgebaut: Baden-Württemberg, halb so groß wie Bayern, hat im gleichen Zeitraum 110 Anlagen genehmigt, Rheinland-Pfalz, weniger als ein Drittel der Fläche Bayerns, sogar 165 Windräder. 

Es müssten ab sofort mindestens zwei Windräder pro Woche in Bayern ans Netz gehen, damit die bayerische Staatsregierung das immer noch gültige selbstgesteckte Ziel „Klimaneutralität bis 2040“ noch erreichen kann. Das haben zuletzt auch über 400 bayerische Bürgermeister von Markus Söder gefordert. Dazu braucht es:

  • Möglichst schnell mehr Flächen für Wind: Die Ausweisung der Flächen für Windenergie muss deutlich schneller und über die bisherigen Ziele hinausgehen. Es darf nicht zehn Jahre dauern, bis überhaupt die Flächen für Anlagen gefunden wurden.  Daher fordert Greenpeace statt 1,8 Prozent 2 Prozent Flächen für Wind bis 2025.
  • Ein klares Bekenntnis zum schnellen Ausbau von Windenergie von der Staatsregierung. Dazu gehört auch, Hürden wie 10H komplett auszuräumen, Genehmigungen deutlich zu beschleunigen und zu digitalisieren.
  • Insgesamt mehr Personal: Jeder Landkreis braucht mindestens einen neuen Vollzeit-Windverantwortlichen, der für die Standards gerade steht und Landratsamt, Behörden und Landrat unterstützt.
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