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Wind Turbine Counter Against Slow Energy Transition in Bavaria
© Greenpeace

Zähler für Windräder in Bayern

Bayern ist bundesweit Schlusslicht bei der Windenergie - obwohl die Staatsregierung seit Jahren immer wieder neue Rekorde für den Ausbau von Windrädern verspricht.  Jetzt macht Greenpeace den “Fortschritt” mit einem Tracker in München sichtbar. 

Das Kabinett Söder würde den im Schneckentempo voranschreitenden Windkraftausbau Bayers sicherlich gerne unter den Teppich kehren. Doch da macht Greenpeace ihnen einen Strich durch die Rechnung. Seit Anfang September steht ein zwei Meter hoher Windrad-Zähler im Herzen Münchens am Marienplatz. Er zeigt, wie viele oder besser, wie wenige Windräder im Jahr 2023 ans Netz gingen und neu genehmigt wurden. Zum Zeitpunkt des Aufstellens am 14. September 2023 waren es nur sechs Windräder, die dieses Jahr in Betrieb genommen und lediglich fünf, die bisher genehmigt wurden. 

Die bayerische Staatsregierung hat sich zum Ziel gesetzt, Bayern bis 2040 klimaneutral zu machen. Die Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) hat im Auftrag des Verbandes der bayerischen Wirtschaft (vbw) berechnet, was das für den Ausbau der erneuerbaren Energien in den nächsten Jahren bedeutet: Jedes Jahr müssen 104 Windräder in Bayern ans Netz gehen. Außerdem muss pro Jahr die Fläche von 8.342 Fußballfeldern sowie 52.000 Hausdächer mit Photovoltaik-Anlagen bestückt werden. Hinzu kommen u.a. Gebäudesanierungen sowie der Ausbau von Netzen und Batteriespeichern. “Ein riesiger Kraftakt, von dem bisher leider noch nicht viel zu sehen ist”, sagt Greenpeace-Sprecherin Saskia Reinbeck.

Protest beim CSU-Parteitag am 23.9. in München

Greenpeace-Protest am CSU-Parteitag in München, 23. September 2023

Wie weit Bayern von dem nötigen Ausbau-Tempo entfernt ist, offenbart ein Blick auf die Bilanz der letzten fünf Jahre: Seit Beginn der Legislatur 2018 wurden lediglich 30 neue Windenergieanlagen genehmigt, zeigt eine Greenpeace-Analyse des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur. Im Vergleich dazu haben andere süddeutsche Bundesländer mit ähnlichen Windbedingungen deutlich mehr ausgebaut: Baden-Württemberg, halb so groß wie Bayern, hat im gleichen Zeitraum 110 Anlagen genehmigt, Rheinland-Pfalz, weniger als ein Drittel der Fläche Bayerns, sogar 165 Windräder. Auch das ist noch zu wenig, um die Klimaziele in Deutschland einzuhalten, macht aber deutlich, wie weit abgeschlagen Bayern inzwischen ist.

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Bayern könnte erst in 280 Jahren klimaneutral sein 

Der Blick in die Zukunft zeigt: Wenn Bayern weiterhin in diesem Tempo Emissionen reduziert, dann wird das Bundesland erst im Jahr 2301 – also in rund 280 Jahren – klimaneutral sein. Es braucht mehr als das 10-fache Tempo, um bis 2040 die Emissionen auf netto Null zu reduzieren. Das bedeutet eine enorme Kraftanstrengung, die alle Sektoren betrifft.

Am 8. Oktober 2023 wird in Bayern gewählt – neue Regierung, neue Chance für das Klima? Greenpeace fordert von der zukünftigen Landesregierung endlich echten Klimaschutz zu betreiben und Bayern als Wirtschaftsstandort zu modernisieren. Dafür muss dringend auch der Ausbau von Windenergieanlagen beschleunigt werden. 

Es müssten ab sofort mindestens zwei Windräder pro Woche in Bayern ans Netz gehen, damit die Bayerische Staatsregierung das selbstgesteckte Ziel “Klimaneutralität bis 2040” noch erreichen kann. Das haben zuletzt auch über 400 bayerische Bürgermeister von Markus Söder gefordert. Dazu braucht es:

  • Möglichst schnell mehr Flächen für Wind: Die Ausweisung der Flächen für Windenergie muss deutlich schneller und über die bisherigen Ziele hinausgehen. Es darf nicht zehn Jahre dauern, bis überhaupt die Flächen für Anlagen gefunden wurden.  Daher fordert Greenpeace statt 1,8 Prozent 2 Prozent Flächen für Wind bis 2025.
  • Ein klares Bekenntnis zum schnellen Ausbau von Windenergie von der Staatsregierung. Dazu gehört auch, Hürden wie 10H komplett auszuräumen, Genehmigungen deutlich zu beschleunigen und zu digitalisieren.
  • Insgesamt mehr Personal: Jeder Landkreis braucht mindestens einen neuen Vollzeit-Windverantwortlichen, der für die Standards gerade steht und Landratsamt, Behörden und Landrat unterstützt.
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