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Holztruck im Staat Amazonas
Bruno Kelly / Greenpeace

Greenpeace-Report: Schwacher Schutz begünstigt illegalen Holzeinschlag im Amazonasgebiet

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Ein Greenpeace-Report aus Brasilien zeigt, wie fiktive Baumbestände, von der Industrie ausgedacht, illegalen Holzhandel verdecken. Ein Systemfehler, der das Amazonasgebiet bedroht.

Was ist Holz wert? Selbstverständlich sind gesunde, natürliche Waldbestände für das weltweite Klima unersetzlich; insofern ist Holz eigentlich unbezahlbar. Es gibt aber auch ganz profane Antworten auf die Frage: Ein Kubikmeter des begehrten Ipe-Holzes aus dem Amazonas kann gebrauchsfertig verarbeitet an Exporthäfen für rund 2000 Euro den Besitzer wechseln. Ein profitables Geschäft, das sich viele Holzhändler nicht von Umweltschutzbestimmungen verderben lassen wollen. Ein aktueller Greenpeace-Bericht deckt Machenschaften und Strategien in der brasilianischen Holzwirtschaft auf. Insbesondere zeigt er, wie illegal geschlagenes Holz einen gesetzeskonformen Anstrich erfährt.

Greenpeace beobachtet seit langem den gesetzeswidrigen Holzeinschlag in Brasilien, vor allem in den Urwäldern des Amazonasgebiets. Folgen für die Umwelt sind der Verlust der Artenvielfalt und eine fortschreitende Schädigung des Waldes. Der Kampf ums Holz hat aber auch eine erschreckende gesellschaftliche Komponente: Landbesitzer werden häufig mittels brutaler Gewalt enteignet, Bewohner vertrieben, zusammengeschlagen, gefoltert und getötet. Brasilianische Edelhölzer sind oft nicht nur illegal geerntet, in vielen Fällen klebt Blut an ihnen – die Spur führt bis nach Europa.

Der Greenpeace-Report „Imaginary Trees, Real Destruction“ erklärt, warum es so schwierig ist, illegales von legalem Holz zu unterscheiden. Und das Problem wächst: Zwar gibt es staatliche Schutzmaßnahmen gegen illegale Abholzung, aber die sind schwach und werden kaum kontrolliert. Missbrauch sind Tür und Tor geöffnet.

Bäume, die gar nicht da sind

Das liegt daran, dass die Forstunternehmen selbst Bestandsaufnahmen für die Gebiete machen, in denen sie eine staatliche Lizenz für den Holzabbau haben, etwa für Ipe-Hölzer. Das heißt: Sie schätzen das darin zu erwartende Volumen an Holz. Greenpeace deckt auf, dass viele Holzunternehmen diesen Bestand systematisch und in krimineller Absicht überschätzen: indem sie übertreiben, Bäume falsch identifizieren oder schlicht erfinden. Anhand dieser Zahlen bekommen die Unternehmen von der Umweltbehörde eine Art Guthaben ausgestellt: Darüber, wie viel Holz sie maximal transportieren und verkaufen dürfen.

Die Holzfirmen haben dadurch quasi einen Puffer: die Differenz zwischen dem tatsächlich vorhandenen Holz und dem theoretisch auf dem Papier existierenden. Diese Differenz füllen sie in den Sägewerken mit illegal geschlagenem Holz – weitgehend ohne Verdacht zu erregen. Bei der Verarbeitung läuft also illegales und legales Holz zusammen und lässt sich kaum mehr auseinanderdividieren, aufgrund eines systematischen Fehlers, der weit vor dem Produktionsschritt im Sägewerk passiert.

Greenpeace hat für den Report 586 Dokumente des Umweltamtes von Para untersucht, einem brasilianischen Bundesstaat im Amazonasgebiet. Die Papiere zur Genehmigung des Holzabbaus lieferten teils absurde Zahlen. Über drei Viertel der Dokumente zeigten auffällige Abweichungen, in einigen Fällen wurden Vorkommen gemeldet, die zehnfach höher waren als nach wissenschaftlichen Maßstäben vor Ort realistisch.

Verantwortung liegt auch bei uns

Das Problem ist nicht bloß ein brasilianisches, als gewaltiger Abnehmer ist auch Europa in der Pflicht: Im Zeitraum März 2016 bis September 2017 importierten elf europäische Länder knapp 10.000 Kubikmeter Ipe aus Gebieten, in denen Greenpeace Unregelmäßigkeiten im Abbau vermutet. Deutschland ist mit 210 Kubikmetern ein eher kleiner Abnehmer, Frankreich hingegen mit rund 3000 Kubikmetern der weltweit größte nach den USA. Die Vereinigten Staaten haben im angegebenen Zeitraum 10.170 Kubikmeter importiert, etwas mehr als Europa.

Doch da die Europäische Holzhandelsverordnung nur den sogenannten Erstinverkehrbringer in die Verantwortung nimmt (also den Importeur, aber nicht die Weiterverkäufer), kann die illegal in die EU importierte Ware gut auch auf dem deutschen Markt landen. „Deutschland muss sich darum stärker um die Bekämpfung des illegalen Holzhandels bemühen“, sagt Jannes Stoppel, Greenpeace-Experte für Wälder. Einige der deutschen Firmen, die erneut in dem Report erwähnt werden, sind schon in anderen Recherchen auffällig geworden.

Greenpeace fordert von der brasilianischen Regierung, sämtliche Waldbewirtschaftungspläne zu überprüfen und sie dort auszusetzen, wo Betrug nachgewiesen werden kann. Benötigt wird ein zentralisiertes, transparentes System bei der Vergabe von Lizenzen zum Holzabbau sowie eine strenge Überwachung sämtlicher Produktionsschritte. Die Hoffnung, der Markt selbst könnte die Produzenten in die Schranken verweisen, indem er illegale Praktiken bestraft, hat sich als trügerisch erwiesen. Eine politische Lösung ist zum Schutz des einzigartigen Amazonasgebiets unumgänglich.

Hier finden Sie den Report Imaginary Trees, Real Destruction.

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