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Farm auf ehemaliger Waldfläche
Christian Braga / Greenpeace

Ein Jahr nach dem „Tag des Feuers" im Amazonas-Regenwald

2019 gab es im Amazonas-Gebiet eine koordinierte Welle gleichzeitiger Waldbrände: den „Tag des Feuers“. Ein Jahr später sind die meisten Beschuldigten noch nicht angeklagt.

Feuer und hilfloser Zorn: Vor einem Jahr erfand in Brasilien eine Gruppe von Landbesitzenden den „Tag des Feuers“. In besonderer Dreistigkeit koordinierten sie am 10. und 11. August 2019 über eine Whatsapp-Gruppe eine massive Zahl von Waldbränden, insgesamt eine Zunahme der Feuer um fast das Zwanzigfache im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. 53 Feuer-Hotspots wurden in indigenen Gebieten und 534 in Naturschutzgebieten registriert. Laut lokalen Medien war es die Absicht der Teilnehmenden, eine politische Botschaft zur Unterstützung der radikalen Anti-Umwelt-Agenda des Präsidenten Jair Bolsonaro auszusenden. 

Ein Jahr später zeigt sich: Die Beschuldigten bleiben bisher großenteils straffrei. Von den 207 Grundstücken, auf denen es an jenen beiden Tagen brannte, wurden nur fünf Prozent der Besitzenden angeklagt. „Das zeigt, dass es um mehr als nur Wegschauen geht – diese Regierung verfolgt eine radikale Anti-Umwelt-Agenda und unterstützt die illegale Waldzerstörung“, sagt Rômulo Batista, Aktivist bei Greenpeace Brasilien.

Tatenlose Regierung

Greenpeace Brasilien hat Hunderte von Grundstücken in der betroffenen Region untersucht. Das Ergebnis: Knapp die Hälfte der am „Tag des Feuers“ registrierten Brandherde (49,96 Prozent) lag innerhalb von 478 ländlichen Grundstücken, die im Umweltregister des Bundesstaates Pará, SICAR, eingetragen waren. Die Besitzer dieser wären also für die Behörden leicht herauszufinden. Bei über 99 Prozent von ihnen handelt es sich um Viehzuchtbetriebe, die Spuren von Weiden innerhalb ihrer Grenzen aufweisen. Mindestens 66 der Besitzenden waren bereits vor dem “Tag des Feuers“ wegen Umweltvergehen bekannt.

„Die Regierung hätte die Täter leicht zur Rechenschaft ziehen können, aber es gibt weder entsprechende Maßnahmen noch einen Plan gegen die Waldzerstörung in dieser Region“, so Batista. Anstatt kriminelles Verhalten zu bekämpfen und die nun zusätzlich von Covid-19 schwer getroffenen indigenen Waldhüterinnen und -hüter zu schützen, reduziere die Regierung den Umweltschutz und verbünde sich mit Umweltzerstörern.

Ende Juli dieses Jahres überflog ein Team von Greenpeace Brasilien die Region. Es zeigt sich: Wo es vergangenes Jahr brannte, sind heute teils vollständig abgeholzte Gebiete, teils solche, bei denen der Wald beschädigt ist und teils bereits Weideland. 

Immerhin: Die lokalen Behörden untersuchen den „Tag des Feuers“ aktuell noch. Die Bundesstaatsanwaltschaft (MPF) in Pará ermittelt zum Rückgang der Umweltinspektionen in der Region und dem Fehlen der staatlichen Militärpolizei zur Unterstützung der Inspektionsteams. 

  • Rinder im Amazonas-Gebiet

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