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verbranntes Holz
© imago

Heizen mit Holz: Eine schlechte Alternative zu Gas, Öl und Kohle

Alarmierende Renaissance einer überholten Energieform

Hitze, Dürre, Borkenkäfer und Brände – die letzten Sommer haben unseren Wäldern stark zugesetzt. Und hinter den Kulissen wächst eine weitere Bedrohung rasant: Holzverbrennung zur Energiegewinnung.

Die Klimakrise verlangt von uns allen ein Umdenken: Wir müssen weg von fossilen und hin zu erneuerbaren, emissionsarmen Energieformen – und möglichst unabhängig von Importen werden. Holz als Energieträger gerät dabei immer mehr in den Fokus, denn es scheint besonders attraktiv, wachsen Wälder doch direkt vor der Haustür. Deswegen und weil die Bundesregierung Brennholz als “grünen” Energieträger fördert, hat sich der Verbrauch zwischen 1990 und 2016 von 19 auf 60 Mio. m3 mehr als verdreifacht. Die größte Rolle spielen dabei Biomasse-Feuerungsanlagen, die durch die Verbrennung von Holz, Stroh, Bioabfall etc. Heizwärme, Warmwasser oder Strom erzeugen. Sie machen etwas über die Hälfte des Brennholzverbrauchs aus – das meiste davon in Anlagen mit mehr als 1 Megawatt Leistung. Dort hat sogar eine Vervierfachung des Verbrauchs von 5 auf 23 Mio. m3 stattgefunden. Und dieser Trend geht ununterbrochen weiter: Laut dem Umweltbundesamt (UBA) planen oder erwägen mehrere Betreiber:innen von Kohlekraftwerken in Deutschland, auf das Verfeuern von Holz umzurüsten. Doch das weit verbreitete gute Image von Brennholz hält bei genauerem Hinsehen nicht das, was es verspricht.

Warum Holzverbrennung keine nachhaltige Alternative ist:

Protest vor dem Kraftwerk Bischofferode/Holungen der Stadtwerke Leipzig

Greenpeace-Aktive demonstrieren vor einem Biomassekraftwerk, in dem ganze Bäume, unter anderem aus Schutzgebieten, verbrannt werden.

Der Ersatz fossiler Energieträger mit Holz kann die Klimakrise nicht aufhalten. Im Gegenteil, er schadet dem Klima sogar mehrfach:

• Durch die Verbrennung von Holz gelangt CO2 in die Atmosphäre.

• Die entnommenen Bäume können ihrer natürlichen Funktion, CO2 aus der Luft zu binden und speichern, nicht mehr nachkommen.

• Es wird zusätzlich CO2 durch Maschinenbetrieb bei Holzernte, Transport und Verarbeitung des Holzes (z. B. Hackschnitzel) ausgestoßen.

Immer noch weit verbreitet ist die Meinung, dass sich die Aufnahme von Kohlenstoff durch Holzwachstum und die Abgabe als CO2  bei der Verbrennung in der Waage halten – also nur so viel freigesetzt wird, wie vorher gebunden wurde. Doch dieser in langen Zeiträumen gebundene Kohlenstoff  wird bei der Verbrennung in großen Mengen freigesetzt und gelangt als CO2 klimaschädlich in die Atmosphäre. Es dauert Jahrzehnte, bis diese “Mehremissionen” aus der Luft durch Bäume wieder aufgenommen werden. Insgesamt entsteht mehr Treibhausgas, als in Wäldern zum gleichen Zeitpunkt durch Wachstum gebunden werden kann. Die Aussage, Holzverbrennung sei klimaneutral, ist also in Wahrheit ein Scheinargument. Holz wächst zwar deutlich schneller nach, als sich Öl, Kohle oder Gas bilden können. Der rasant steigende Brennholz-Verbrauch belastet allerdings neben seiner schlechten CO2-Bilanz das Ökosystem Wald. Wir riskieren, den Wald als wichtigen Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise und für die Artenvielfalt zu verlieren.

Welche Alternativen gibt es zur Holzverbrennung?

Um einer weiteren Steigerung des Brennholzverbrauchs vorzubeugen, sollte die Bundesregierung zwei Ansätze kombinieren: Einerseits muss Energie eingespart werden. Andererseits müssen Energien, wie Wind, Solar und Geothermie, konsequent ausgebaut  werden:  

1. Einsparung und Energieeffizienz 

Jeder Haushalt und jede:r einzelne kann Energie sparen – und gleichzeitig den eigenen Geldbeutel schonen. Ein großes Einsparpotential liegt auf Gemeindeebene, im Gebäudesektor und in der Industrie:

  • Gemeindeebene: Straßenbeleuchtung dimmen oder Beleuchtungszeiten verkürzen.
  • Gebäudesektor: Beispielsweise durch ökologische Dämmung und Sanierung, Einbau effizienter Heizungen (Wärmepumpe, Solarthermie, Wärmenetz). Bereits ein Grad weniger spart bis zu sechs Prozent Gas.
  • Industriesektor: Beispielsweise durch Prozessumstellungen auf Wärmepumpen, Elektrodenkessel oder Wasserstoff und verbesserte Speichertechnologien. 

2. Erneuerbare Energien

Um die Versorgungssicherheit im ländlichen Raum zu gewährleisten, kann Waldholz übergangsweise in geringen Mengen für Wärme- und Stromproduktion verwendet werden. Auch Altholz, also Holz, das beispielsweise bereits zu Möbeln verarbeitet wurde, aber nicht weiter verwendbar ist, kann in Maßen für die Energieversorgung verbrannt werden (Kaskadennutzung). Grundsätzlich muss aber auf erneuerbare, saubere Energien, wie Solar, Wind und Erdwärme, umgestellt werden. 

Was fordert Greenpeace von der Bundespolitik, um Holzverbrennung zu begrenzen?

  • Die CO2-Bepreisung von Emissionen aus der Holz- und Biomasseverbrennung kann auf Grundlage von deren Brutto-CO2-Emissionen erfolgen. 

  • Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sollte dahingehend verändert werden, dass Energie aus Holzverbrennung nicht mehr als erneuerbar gilt und somit nicht mehr gefördert und subventioniert wird. Im Gegenzug können saubere erneuerbare Energien konsequent und unbürokratisch unterstützt, gefördert und umgesetzt werden. 

Bisher dürfen in nur 2,8 Prozent der Schutzgebiete keine Bäume gefällt werden. Diesen Anteil auf 15 Prozent zu erhöhen, würde die Wälder stärken und Holzverbrennung reduzieren.

Was kann ich ändern, wenn ich einen Kamin oder Pelletofen besitze?

Auch in Zukunft wird Waldholz in geringem Anteil verbrannt werden müssen, um die Versorgungssicherheit im ländlichen Raum zu gewährleisten. Als Faustregel gilt: Je neuer die Heizung, desto effizienter und sauberer die Verbrennung. Denn: Beim Verbrennen entsteht Feinstaub, der durch neue Systeme besser aus der Luft gefiltert wird. Das gilt für Pellet-, Hackschnitzel- und Scheitholzheizungen. Es lohnt sich außerdem im Handel zu fragen, woher das Holz stammt. So kann verhindert werden, dass illegal gefällte Bäume (z. B. aus Rumänien) verheizt werden.
 

Kaminöfen und Scheitholzheizungen

Wer selbst fällt, sollte dafür sorgen, dass das Holz gut getrocknet ist, denn frisch geschlagenes Holz hat einen Wassergehalt von über 50 Prozent. Dies führt zu folgenden Problemen: Zum einen rußt nasses Holz bei der Verbrennung, es entstehen verstärkt geruchsbelästigende Rauchgase und der darin enthaltene umwelt- und gesundheitsschädliche Feinstaub. Tatsächlich geht das UBA davon aus, dass Holzöfen in Deutschland inzwischen mehr Feinstaub ausstoßen als der Verkehr. Zum anderen ist die Verbrennung weniger effizient, weil das darin enthaltene Wasser erst verdampfen muss. Optimal geeignetes Brennholz hat einen Wassergehalt von 15-20 Prozent. Dafür muss das Holz abgedeckt, trocken und luftig auf einer Unterlage mit Abstand zum Boden rund ein Jahr lang lagern – wurde das Holz gespalten, trocknet es grundsätzlich schneller. 

 

Pelletheizungen

Pellets sollten aus Altholz und Resthölzern bestehen, die nicht mehr stofflich, zum Beispiel für Möbel, verwendet werden können. Sie sollten niemals aus frischem Waldholz bestehen. Dazu kann es hilfreich sein, Pelletanbieter zu prüfen und zu vergleichen. Am besten beim Kauf direkt nachfragen. 

Tipp: Holzheizungen können durch Solar-und Photovoltaik-Module und/oder Erdwärmeanlagen ergänzt oder sogar komplett umgerüstet werden. Dies wird zum Teil staatlich gefördert.

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