Skip to main content
Jetzt spenden
"No Deep Sea Mining" – Action in Rotterdam
© Marten van Dijl / Greenpeace

Dutzende Arten in der Tiefsee vom Aussterben bedroht

Wissenschaftler:innen warnen, dass dutzende Arten in der Tiefsee vom Aussterben bedroht sind. So ließ die Queen's University Belfast nach Untersuchungen an Hydrothermalquellen 184 Lebewesen der Tiefsee auf die sogenannte Rote Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) setzen.

Die verantwortliche Internationale Meeresbodenbehörde ISA mit Sitz auf Jamaica verhandelt seit einigen Monaten über den Start von Tiefseebergbau, durch den die Zerstörung der Tiefsee droht. Arlo Hemphill von Greenpeace USA hat die ISA-Konferenzen beobachtet, die letzte fand im April 2022 statt. „Die ISA hat den Auftrag, den Meeresboden zu schützen und jeden zukünftigen Tiefseebergbau zu regulieren, doch es scheint, dass sie sich nur auf die Einführung einer neuen zerstörerischen globalen Rohstoffindustrie konzentriert. Der Schutzaspekt ihres Mandats wurde so gut wie ignoriert."

Die Metalle und Seltenen Erden, auf die sich das wirtschaftliche Interesse in der Tiefsee richtet, sollen unter anderem an Hydrothermalquellen abgebaut werden. Je nach Ergebnis des Treffens der verantwortlichen ISA könnte Tiefseebergbau bereits im Juli 2023 starten. Das nordamerikanische Bergbauunternehmen “The Metals Company” reichte mit dem pazifischen Inselstaat Nauru im Sommer 2021 einen entsprechenden Antrag ein.

Greenpeace protestiert gegen Zerstörung der Tiefsee

Gegen den drohenden Start von Tiefseebergbau protestierten im Dezember 2021 Greenpeace-Aktivist:innen in Rotterdam an dem Schiff “Hidden Gem”, das in Zukunft Metalle und Seltene Erden in der Tiefsee abbauen soll. Sie näherten sich der “Hidden Gem” in Schlauchbooten und befestigten ein 6x4 Meter großes Banner am Bohrturm-Aufbau des Schiffes sowie ein 9x3 Meter großes Banner an dessen Bordwand. Beide tragen die Aufschrift “No Deep Sea Mining!” (Kein Tiefseebergbau!). 

Die Crew der Hidden Gem führt seit April 2022 in den tiefen Gewässern vor den Kanarischen Inseln Tests durch. Es ist zu erwarten, dass sie sich demnächst aufmacht um im Pazifik in bis zu 400 Metern Tiefe den industriellen Abbau von polymetallischen Knollen (Manganknollen) zu erproben. 

„In den Tiefen der Meere herrscht eine weitgehend unergründete Artenvielfalt, die dringend Schutz braucht”, so Greenpeace-Meeresexperte Manfred Santen. „Trotz Biodiversitätskrise gerät der größte Lebensraum der Erde zunehmend ins Visier von Regierungen und Rohstoffkonzernen.” Durch Tiefseebergbau werden nicht nur diese Ökosysteme bedroht, sondern auch die Existenzgrundlage der Küstenbevölkerung im Pazifik gefährdet. „Die Lösungen für die Ressourcenfrage, etwa für Kommunikationstechnologie und Batterien, sind Recycling, nachhaltiges Produktdesign und eine funktionierende Kreislaufwirtschaft – nicht Bergbau in der Tiefsee. Unsere Ozeane sind für uns alle überlebenswichtig, sie sind das gemeinsame Erbe der Menschheit.“

  • "No Deep Sea Mining" – Action in Rotterdam

    Greenpeace activists from Belgium, the Netherlands, Germany, and Switzerland unfold a banner that reads "NO DEEP SEA MINING" at the Mining Vessel Hidden Gem in the Waalhaven port of Rotterdam. The Action is part of a protest against Deep Sea Mining.

    Überspringe die Bildergalerie
  • "No Deep Sea Mining" – Action in Rotterdam

    Greenpeace activists from Belgium, the Netherlands, Germany, and Switzerland unfold a banner that reads "NO DEEP SEA MINING" at the Mining Vessel Hidden Gem in the Waalhaven port of Rotterdam. The Action is part of a protest against Deep Sea Mining.

    Überspringe die Bildergalerie
  • Schwarzer Raucher "Kandelabra" in etwa 3.300 Meter Tiefe am Mittelatlantischen Rücken.

    Schwarzer Raucher "Kandelabra" in etwa 3.300 Meter Tiefe am Mittelatlantischen Rücken.

    Überspringe die Bildergalerie
Ende der Gallerie

Greenpeace fordert von Wirtschafts- und Klimaminister Habeck starken Schutz der Tiefsee 

Deutschland besitzt Explorationslizenzen für den Abbau von Manganknollen und Massivsulfiden im Pazifischen und Indischen Ozean. Die Regierung investierte in den vergangenen zehn Jahren bereits 50 Millionen Euro in die Vorbereitung. Die Regierung hat den Schutz der Artenvielfalt als eines der zentralen Zukunftsfelder im Koalitionsvertrag benannt. Greenpeace fordert daher von Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck, sich auf internationaler Ebene dafür einzusetzen, dass der geplante Tiefseebergbau nicht Realität wird. „Wir wissen mehr über die Oberfläche des Mondes als über das artenreiche Leben in der Tiefsee”, so Santen. „Der Schutz unserer Lebensgrundlagen muss vor wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen stehen. Dieses kurzsichtige Denken und Handeln können wir uns schon lange nicht mehr erlauben.“

Deep Sea Report

Deep Sea Report

32 | DIN A4

3.57 MB

Herunterladen

Mehr zum Thema

Eine stattliche Tristan Languste auf einem der Hänge des Tiefseebergs Vema, der mit Algen, Weichkorallen, Hydroiden, Bryozoen (Moostieren) und bunten Schwämmen bedeckt ist.

Tiefseeberg Vema: Artenvielfalt im Atlantik

  • 21.04.2022

Das Greenpeace-Aktionsschiff Arctic Sunrise hat bei einer Expedition zum Tiefseeberg Vema große Artenvielfalt und überraschende Forschungsergebnisse entdeckt.

mehr erfahren
Baitball on Ningaloo Reef

Höchste Zeit für Hochseeschutz

  • 18.03.2022

Nur ein Hundertstel der Hohen See ist geschützt. Die UN verlangt mehr Meeresschutz und erarbeitet darum ein internationales Abkommen. Geschichtsträchtig – wenn es klappt!

mehr erfahren
Chinstrap Penguins in Antarctica

Naturparadies Antarktis

  • 07.01.2022

Die Antarktis ist ein extremer Lebensraum mit einzigartiger Flora und Fauna. Greenpeace untersucht auf einer neuen Expedition die Folgen der Klimakrise und schützenswerte Lebewesen am Meeresgrund.

mehr erfahren
Baby Sea Turtle and Plastic on Bangkuru Island, Sumatra

Plastik im Meer

  • 06.01.2022

Jede Minute gelangt auf der ganzen Welt Plastik in der Größe einer Müllwagenladung in die Ozeane. Die Weltmeere leiden zunehmend darunter – sie sind zur Mülldeponie geworden.

mehr erfahren
Adeliepinguine in der Antarktis

Hängepartie fürs ewige Eis

  • 29.10.2021

Die Antarktis-Kommission CCAMLR versagt wieder beim Antarktis-Schutz.

mehr erfahren
"Prestige" oil spill

Verschmutzung

  • 06.10.2021

Die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 auf etwa zwölf Milliarden Menschen ansteigen. Damit Landwirtschaft und Industrie sie ausreichend versorgen können, wird sich der Druck auf Küstengebiete erhöhen.

mehr erfahren