Skip to main content
Jetzt spenden
Gelber Schwamm in See bei Palau, Dezember 2011
Alex Hofford / Greenpeace

Klimawandel: Ozeane aus der Balance

Das Wasser in den Weltmeeren ist ständig in Bewegung. Das "Große Ozeanische Förderband", auch thermohaline Zirkulation genannt, lässt gigantische Wassermassen in unterschiedlichen Richtungen um die Erde kreisen und beeinflusst das Klima auf allen Kontinenten.

Angetrieben wird dieses Strömungssystem durch Unterschiede in Wassertemperatur und Salzgehalt: Kaltes salziges Wasser besitzt eine hohe Dichte und sinkt in die Tiefe ab, warmes Wasser ist leichter und bleibt an der Oberfläche. So entstehen starke Umwälzungen. Der Golfstrom prägt das relativ milde Klima in Deutschland und Mitteleuropa: Im Golf von Mexiko, wo es ganzjährig warm ist, erwärmt sich das Meerwasser und dehnt sich aus. Es strömt aus dem Golf in Richtung Norden, dann östlich durch den Atlantik und an der europäischen Küste vorbei bis in die Arktis. Unterwegs erwärmt das Wasser die Luft über dem Meer, und Winde blasen diese Luft zu uns nach Europa.

Arktis und Antarktis

Greenpeace unternahm immer wieder gemeinsam mit internationalen Wissenschaftler:innen Arktisexpeditionen. Dabei fanden sie unter anderem heraus, dass veränderte Meeresströmungen der Hauptauslöser für den Gletscherschwund auf Grönland sind. Subtropisches Wasser strömt jetzt ganzjährig in Richtung Arktis, dringt in die Fjorde ein und lässt die Gletscher schneller schmelzen. Auch in der Antarktis zeigt sich das Eis dem Klimawandel nicht gewachsen. In den zurückliegenden Jahren brachen verschiedentlich große Schelfeisflächen auseinander.

Reißt der Golfstrom ab?

Schmilzt das Eis an Nord- und Südpol, wird der Salzgehalt in den Ozeanen abnehmen. Zwar sind Meer- und Schelfeis salzig, doch das kilometerdicke Gletschereis an Land besteht aus Süßwasser. Zusätzlich werden – ebenfalls durch die Klimakrise bedingt, Niederschläge über den Ozeanen wahrscheinlich zunehmen und das Meer weiter „versüßen“. Diese Veränderung könnte die Meeresströmungen verlangsamen, umlenken, sogar lahmlegen. Sollte beispielsweise der Golfstrom abreißen, würde es in Nordeuropa drastisch kälter werden.

Untergang von Küsten und Inseln?

Die Eisschmelze an den Polkappen lässt auch den Meeresspiegel ansteigen. Unsere dicht besiedelten Küstenregionen und viele Inseln wie zum Beispiel die flachen Südseeatolle könnten schon in 50 bis 100 Jahren überflutet sein.

Wale, Eisbären, Korallen und weitere Opfer der Klimakrise

Die Erderwärmung wirkt sich auf das gesamte Nahrungsnetz in den Meeren aus. Ein Beispiel: Phytoplankton, das kleinen Krebstieren wie zum Beispiel Krill als Nahrung dient, wächst unter der Eisdecke des Polarmeers. Geht das Eis zurück, schrumpfen damit diese Plankton- und damit auch die Krillbestände. Von Krill wiederum ernähren sich zum Beispiel Bartenwale wie Finn- und Blauwale. Eine negative Kettenreaktion.

Auch viele andere Meerestiere sind von der Eisschmelze betroffen. So sind die Populationen einiger Pinguinarten in der Antarktis geschrumpft, seitdem ihre eisigen Lebensräume kleiner geworden sind. Und in der Arktis kämpft der Eisbär ums Überleben, der nur auf gefrorenen Flächen jagen kann.

In den tropischen Meeren sterben ganze Korallenriffe ab, weil die empfindlichen Tiere wärmeres Wasser nicht vertragen. Und es ist nicht nur die Temperatur. Die steigende CO2-Konzentration in der Atmosphäre bewirkt eine Veränderung des Ph-Werts im Meer: Das Meer versauert. Das ist deshalb ein Problem, weil Meerestiere wie Korallen und Muscheln ihre Schalen und Riffs aus Kalk bauen - und dies löst sich in saurem Wasser einfach auf.

Auch Artenwanderungen bewirkt der Wandel: In der Nordsee betrifft dies zum Beispiel den Kabeljau, der immer weiter gen Norden abwandert. Wärmeres Wasser bewirkt auch, das die Fischlarven des Kabeljau weniger Nahrung finden.

Immer schon hat es Klimaveränderungen auf unserem Planeten gegeben, immer gab es dabei Gewinner und Verlierer. Doch die vom Menschen verursachte Klimakrise geht zu schnell. Die meisten Pflanzen und Tiere können sich nur sehr langsam an veränderte Umweltbedingungen anpassen.

(Stand: Mai 2021)

  • Die "Arctic Sunrise" inmitten driftender Eisschollen vor dem Petermann-Gletscher. November 2011

    Expedition Arktis

    Überspringe die Bildergalerie
  • Arktistour am Petermann-Gletscher mit der Arctic Sunrise. Juli 2009

    Arktistour in Grönland

    Überspringe die Bildergalerie
  • Pinguine in der Antarktis springen von einer Eisscholle. Februar 2008

    Pinguine in der Antarktis

    Überspringe die Bildergalerie
Ende der Gallerie

Mehr zum Thema

"No Deep Sea Mining" – Action in Rotterdam

Tiefsee-Arten vom Aussterben bedroht

  • 12.05.2022

Die Artenvielfalt in der Tiefsee ist bedroht – doch statt sie stärker zu stützen, soll bald in der Tiefe Bergbau betrieben werden. Dagegen protestiert Greenpeace in Rotterdam.

mehr erfahren
Eine stattliche Tristan Languste auf einem der Hänge des Tiefseebergs Vema, der mit Algen, Weichkorallen, Hydroiden, Bryozoen (Moostieren) und bunten Schwämmen bedeckt ist.

Tiefseeberg Vema: Artenvielfalt im Atlantik

  • 21.04.2022

Das Greenpeace-Aktionsschiff Arctic Sunrise hat bei einer Expedition zum Tiefseeberg Vema große Artenvielfalt und überraschende Forschungsergebnisse entdeckt.

mehr erfahren
Baitball on Ningaloo Reef

Höchste Zeit für Hochseeschutz

  • 18.03.2022

Nur ein Hundertstel der Hohen See ist geschützt. Die UN verlangt mehr Meeresschutz und erarbeitet darum ein internationales Abkommen. Geschichtsträchtig – wenn es klappt!

mehr erfahren
Chinstrap Penguins in Antarctica

Naturparadies Antarktis

  • 07.01.2022

Die Antarktis ist ein extremer Lebensraum mit einzigartiger Flora und Fauna. Greenpeace untersucht auf einer neuen Expedition die Folgen der Klimakrise und schützenswerte Lebewesen am Meeresgrund.

mehr erfahren
Baby Sea Turtle and Plastic on Bangkuru Island, Sumatra

Plastik im Meer

  • 06.01.2022

Jede Minute gelangt auf der ganzen Welt Plastik in der Größe einer Müllwagenladung in die Ozeane. Die Weltmeere leiden zunehmend darunter – sie sind zur Mülldeponie geworden.

mehr erfahren
Adeliepinguine in der Antarktis

Hängepartie fürs ewige Eis

  • 29.10.2021

Die Antarktis-Kommission CCAMLR versagt wieder beim Antarktis-Schutz.

mehr erfahren