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Tiefseekrake Casper auf Meeresgrund
NOAA Office of Ocean Exploration and Research

Hoffnung für Artenschutz in der Tiefsee

Bewegung auf internationaler Ebene: Einige Länder setzen sich gegen den Beginn des Tiefseebergbaus ein, darunter Deutschland.

Hoffnungsvolle Signale aus Jamaika, bei Verhandlungen der Internationalen Tiefseebodenbehörde (ISA) im November 2022 hat sich eine deutliche Dynamik hin zum Schutz der Tiefsee entwickelt. Während Frankreichs Präsident Emanuelle Macron den Tiefseebergbau verbieten lassen will, hat sich auch Deutschland für eine sogenannte Vorsorgende Pause ausgesprochen. Mit der Pause wirbt die Bundesregierung für ein Innehalten und keine vorschnellen Entscheidungen auf Kosten der Meeresumwelt  Der Tiefseebergbau wäre ein massiver Eingriff in die Tiefsee, mit unabsehbaren Folgen für Lebensräume und Artenvielfalt.

Die verantwortliche Internationale Meeresbodenbehörde ISA mit Sitz auf Jamaica verhandelt seit einigen Monaten über den Start von Tiefseebergbau. Je nach Ergebnis der Verhandlungen innerhalb der ISA könnte Tiefseebergbau bereits im Juli 2023 starten. Das nordamerikanische Bergbauunternehmen “The Metals Company” reichte mit dem pazifischen Inselstaat Nauru im Sommer 2021 einen entsprechenden Antrag ein.

„Es ist eine gute Nachricht, dass die Bundesregierung eine Vorsorgende Pause für die Tiefsee einfordert”, so Till Seidensticker, Meeresexperte bei Greenpeace Deutschland. “Der Tiefseebergbau ist eine Bedrohung für die einzigartige Artenvielfalt und Ökosysteme der Meere.”

Wissenschaftler:innen warnen, dass Dutzende Arten in der Tiefsee vom Aussterben bedroht sind. So ließ die Queen's University Belfast nach Untersuchungen an Hydrothermalquellen 184 Lebewesen der Tiefsee auf die sogenannte Rote Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) setzen. Die Metalle und Seltenen Erden, auf die sich das wirtschaftliche Interesse in der Tiefsee richtet, sollen unter anderem an Hydrothermalquellen abgebaut werden. 

Greenpeace protestiert gegen Zerstörung der Tiefsee

Gegen den drohenden Start von Tiefseebergbau protestierten im Dezember 2021 Greenpeace-Aktivist:innen in Rotterdam an dem Schiff “Hidden Gem”, das in Zukunft Metalle und Seltene Erden in der Tiefsee abbauen soll. Sie näherten sich der “Hidden Gem” in Schlauchbooten und befestigten ein 6x4 Meter großes Banner am Bohrturm-Aufbau des Schiffes sowie ein 9x3 Meter großes Banner an dessen Bordwand. Beide trugen die Aufschrift “No Deep Sea Mining!” (Kein Tiefseebergbau!). 

Die Crew der Hidden Gem führt seit Oktober 2022 in der Clarion Clipperton Zone   im Pazifik in bis zu 4000 Metern Tiefe den industriellen Abbau von polymetallischen Knollen (Manganknollen) durch. 

„In den Tiefen der Meere herrscht eine weitgehend unergründete Artenvielfalt, und auch die Rolle der Tiefsee für das Klima ist unerforscht. Deswegen braucht die Tiefsee dringend Schutz”, so Greenpeace-Meeresexperte Till Seidensticker. „Trotz Biodiversitätskrise geraten Teile der Weltmeere ins Visier von Regierungen und Rohstoffkonzernen.” Durch Tiefseebergbau werden nicht nur diese Ökosysteme bedroht, sondern auch die Existenzgrundlage der Küstenbevölkerung im Pazifik gefährdet. „Der Ressourcenfrage sollte durch echten Wandel im Recycling und Produktdesign gelöst werden, nicht  durch die Erschließung neuer Rohstoffquellen in der Tiefsee. Unsere Ozeane sind für uns alle überlebenswichtig, sie sind das gemeinsame Erbe der Menschheit.“

  • "No Deep Sea Mining" – Action in Rotterdam

    Greenpeace activists from Belgium, the Netherlands, Germany, and Switzerland unfold a banner that reads "NO DEEP SEA MINING" at the Mining Vessel Hidden Gem in the Waalhaven port of Rotterdam. The Action is part of a protest against Deep Sea Mining.

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  • "No Deep Sea Mining" – Action in Rotterdam

    Greenpeace activists from Belgium, the Netherlands, Germany, and Switzerland unfold a banner that reads "NO DEEP SEA MINING" at the Mining Vessel Hidden Gem in the Waalhaven port of Rotterdam. The Action is part of a protest against Deep Sea Mining.

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  • Schwarzer Raucher "Kandelabra" in etwa 3.300 Meter Tiefe am Mittelatlantischen Rücken.

    Schwarzer Raucher "Kandelabra" in etwa 3.300 Meter Tiefe am Mittelatlantischen Rücken.

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Greenpeace fordert von Wirtschafts- und Klimaminister Habeck starken Schutz der Tiefsee 

Deutschland besitzt Explorationslizenzen für den Abbau von Manganknollen und Massivsulfiden im Pazifischen und Indischen Ozean. Die Regierung investierte in den vergangenen zehn Jahren bereits 50 Millionen Euro in die Vorbereitung. Im Konstrast dazu wurde im Koalitionsvertrag  der Schutz der Artenvielfalt als eines der zentralen Zukunftsfelder benannt.  Greenpeace fordere trotz des Kurswechsels weiter einen engagierten Einsatz  auf  internationaler Ebene, so Seidensticker: “ Die Artenvielfalt in der Tiefsee ist wichtiger als wirtschaftliche und geopolitische Interessen, der geplante Tiefseebergbau darf nicht Realität werden”.

Deep Sea Report

Deep Sea Report

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