Deep Arctic Expedition: Greenpeace erkundet die unbekannte Tiefsee
- Ein Artikel von Dr. Eva Boller
- mitwirkende Expert:innen Franziska Saalmann
- Unterwegs
In bis zu 3.000 Metern Tiefe auf einer Reise ins Unbekannte: Die Deep Arctic Expedition erforscht die arktische Tiefsee – und zeigt, was wir verlieren könnten.
Es ist still in 3.000 Metern Tiefe. Kein Sonnenlicht dringt hierhin, nur die Scheinwerfer eines Tauchroboters tasten sich vorsichtig durch die Dunkelheit. Plötzlich taucht im Lichtkegel eine fremde Welt auf: filigrane Tiefseekorallen, faszinierende Schwämme – und ein „Dumbo-Oktopus“, der lautlos durch die schwarze Weite gleitet. Jeder dieser Momente ist eine Begegnung mit dem Unbekannten. So oder ähnlich wird es bald ablaufen: Tauchgänge, die zeigen, was nie zuvor ein Mensch gesehen hat.
In den vergangenen Jahren war Greenpeace bereits mehrfach in der Arktis im Einsatz. Gemeinsam mit vielen Unterstützer:innen ist es gelungen, den öffentlichen Druck so zu erhöhen, dass Norwegen seine Pläne für Tiefseebergbau vorerst bis 2029 gestoppt hat. Ein wichtiger Erfolg – aber nur eine Atempause.
Unsere Mission ist klar: sichtbar machen, was auf dem Spiel steht. Denn je besser wir etwas kennen, desto zielgerichteter können wir es schützen. Die Erkenntnisse dieser Expedition sollen helfen, echte Meeresschutzgebiete durchzusetzen – in der Arktis und weltweit.
Einen Monat lang – vom 8. Mai bis 5. Juni – ist Greenpeace auf einer außergewöhnlichen Expedition unterwegs und erkundet den am wenigsten erforschten Lebensraum unserer Erde: die arktische Tiefsee. Gemeinsam mit einem internationalen Team erforschen wir entlang des arktischen Mittelatlantischen Rückens – zwischen Norwegen und Grönland – geheimnisvolle Ökosysteme in bis zu 3.000 Metern Tiefe. Mit an Bord der Deep Arctic Expedition sind Wissenschaftler:innen von vier unabhängigen renommierten Forschungseinrichtungen, darunter die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (Deutschland), die Universität Uppsala (Schweden), die Universität Madrid (Spanien) sowie die Universität Bergen (Norwegen). Das 65 Meter lange Forschungsschiff ist unter anderem mit einem Tiefseeroboter, den wir auf den Namen „Holly“ getauft haben, ausgerüstet. Holly besitzt integrierte Kameras für hochauflösende Video-Dokumentation und Greifarme, mit denen das Team Probenahmen für Laboruntersuchungen durchführen kann.
Im Fokus der Untersuchungen stehen Seeberge, hydrothermale Quellen und Schwämme – Orte, die als Hotspots der Artenvielfalt gelten. Zum Expeditions-Team gehört auch der deutsche Meeresbiologe und bekannte Tiefsee-Fotograf Solvin Zankl.
Jetzt mit uns in der Arktis abtauchen!
Der Meeresgrund: Eine Reise an die Grenzen unseres Wissens
Die Tiefsee ist weniger erforscht als die Oberfläche des Mondes – und doch entscheidend für das Leben auf der Erde. Hier existieren Tierwelten in uralten Lebensgemeinschaften, die sich über Jahrtausende entwickelt haben: Korallengärten, Schwammfelder und Arten, die unter extremen Bedingungen überleben.
Die Expedition führt durch Regionen mit intensiver vulkanischer Aktivität – darunter hydrothermale Quellen wie „Loki’s Castle„. Dort treten bis zu mehrere hundert Grad heiße, mineralreiche Flüssigkeiten aus dem Meeresboden aus und schaffen Lebensräume, in denen Organismen Energie ganz ohne Sonnenlicht erzeugen können. Forschende vermuten sogar, dass das erste Leben auf unserem Planeten in solchen Umgebungen entstanden sein könnte.
Faszinierende Arten – und ein verletzliches arktisches Ökosystem
Die arktische Tiefsee ist Heimat außergewöhnlicher Lebewesen: von tief tauchenden Walen, Verwandten des bizarren Blobfischs und seltenen Oktopussen, die Eier auf Manganknollen legen. Zehn spannende Fakten über die Tiefsee finden sich hier. Aber vieles, darunter viele Arten, ist auch noch wenig erforscht, oder sogar noch völlig unbekannt.
Doch diese fragile Heimat steht unter wachsendem Druck. Der geplante Tiefseebergbau bedroht genau jene Regionen, die wir gerade erst beginnen zu verstehen. Die Ausbeutung von Rohstoffen vom Meeresboden würde Ökosysteme zerstören, die sich über Jahrtausende entwickelt haben – bevor wir überhaupt genau wissen, was wir verlieren und mit welchen weitreichenden Konsequenzen.
„Der Tiefseebergbau würde einzigartige Hotspots der Artenvielfalt unwiderruflich zerstören. Daher ist jetzt der Moment, die Arktis dauerhaft vor dem Raubbau zu schützen. Diese Expedition wird wissenschaftliche Belege für die gefährdeten Tiefseeökosysteme der Arktis sammeln. Sie sollen dazu dienen, Meeresschutzgebiete in dieser Region einzurichten. Wir wollen dokumentieren, was auf dem Spiel steht, wenn wir in das komplexe System der Ozeane eingreifen.“
Forschung für den Meeresschutz
Internationale Expert:innen sowie die Greenpeace-Meeresbiologinnen Dr. Sandra Schöttner und Franziska Saalmann sammeln wichtige Daten, die zur Ausweisung neuer Meeresschutzgebiete beitragen können. Ziel ist es, diese einzigartigen Lebensräume besser zu verstehen – und sie wirksam zu schützen, bevor wirtschaftliche Interessen irreversible Schäden anrichten. Zum ersten Mal organisiert und führt Greenpeace so unmittelbar eine wissenschaftliche Entdeckungsreise in die Tiefsee durch.
Klima, CO2 & co.: Warum die Tiefsee uns alle angeht
Was in der Tiefsee geschieht, bleibt nicht dort. Die Ozeane regulieren unser Klima, speichern CO2 und sind Grundlage für globale Ökosysteme. Ihr Schutz ist kein fernes Thema – sondern eine Frage unserer gemeinsamen Zukunft.
Diese Expedition zeigt, wie viel es noch zu entdecken gibt. Und wie dringend wir handeln müssen, um das zu bewahren, was wir gerade erst kennenlernen.
Hier gibt es aktuelle Updates und Livestreams von der Arktisexpedition sowie exklusive Einblicke aus der Tiefsee. Jetzt vorbeischauen und unsere Reise in eine der letzten unbekannten Regionen unseres Planeten begleiten! Diese Expedition bringt unschätzbare Erkenntnisse ans Licht – und macht sichtbar, wie wertvoll und schützenswert die Tiefsee ist.
Doch aus Wissen muss auch Handeln werden, damit diese einzigartigen Lebensräume dauerhaft bewahrt bleiben. Daher: Jetzt unsere Forderung nach starken Hochseeschutzgebieten unterstützen und mithelfen, diese faszinierende Welt zu schützen!