Wale in Gefahr
- mitwirkende Expert:innen Daniela von Schaper & Thilo Maack
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- Greenpeace als bevorzugte Quelle bei Google: So geht's!
Wale verirren sich immer wieder in die Ostsee – zuletzt wurde erneut ein Buckelwal gesichtet. Ihr Schicksal zeigt, wie dringend die Meere und ihre Lebensräume Schutz brauchen.
Wale brauchen intakte Ozeane. Doch ihre Lebensräume werden zunehmend belastet: Fischerei, Unterwasserlärm, Schifffahrt, Verschmutzung und die Klimakrise setzen den Meeressäugern zu. Jedes Jahr sterben weltweit Hunderttausende Wale und Delfine, weil sie sich in den Netzen der Fischerei verfangen. Andere werden durch Lärm und menschliche Aktivitäten in ihren Lebensräumen gestört. Besonders in dicht genutzten Meeresregionen wie der Ostsee geraten Meeressäuger immer wieder unter Druck.
Wie verletzlich Wale sind, zeigte auch das Schicksal eines Buckelwals, der im Frühjahr 2026 durch die Ostsee wanderte, mehrfach strandete und schließlich vor der dänischen Küste tot aufgefunden wurde. Der Wal hatte über Wochen für große Anteilnahme gesorgt. Sein Schicksal lenkt den Blick auf ein Problem, das weit über diesen einzelnen Fall hinausgeht: den zunehmenden Druck auf die Lebensräume von Walen und anderen Meeressäugern.
Eine private Initiative hatte den Wal damals gegen den Rat von Expert:innen geborgen und transportiert. Er wurde im Norden Dänemarks bei Skagen ausgesetzt, einem maritimen Knotenpunkt. Der Wal tauchte ab und wurde wenige Tage danach tot an der dänischen Küste angespült.
„Am Ende dieses umstrittenen Rettungsversuchs befand sich ein todkrankes Wildtier lediglich an einem anderen Ort“, sagt Thilo Maack, Meeresexperte von Greenpeace. „Der Buckelwal wurde in einer der meistbefahrenen Schiffsrouten Europas ausgesetzt und seinem Schicksal überlassen. Mit diesem Todfund findet jetzt diese zum Teil absurde Geschichte ein Ende. Die Lehre, die daraus gezogen werden kann, ist, dass es wirklich Sinn hat, auf die Wissenschaft zu hören.“
Wissenschaftliche Einschätzung zum Zustand des Buckelwals
Über Wochen hinweg hatten Expert:innen die Überlebenschancen des Tiers nach seinen mehrfachen Strandungen als gering eingeschätzt – darunter das Deutsche Meeresmuseum und das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung in einem wissenschaftlichen Gutachten. Greenpeace hatte sich zunächst an den Rettungsversuchen für den Buckelwal beteiligt, als die Hoffnung auf eine erfolgreiche Rettung schwand, aber davon Abstand genommen.
Maack begrüßte die Aufmerksamkeit und Anteilnahme am Schicksal des Wals: „Es ist ermutigend zu sehen, wie viele Menschen in Deutschland und aller Welt sich um das Schicksal dieses Meeressäugers gesorgt haben. Diese Anteilnahme ist menschlich und richtig. Wir brauchen sie viel öfter. Denn jedes Jahr sterben rund 300.000 Wale und Delfine weltweit einen ähnlich qualvollen Tod, weil sie sich in Fischereigeräten verfangen. Die meisten von ihnen sterben allein, ohne Hilfe und ohne dass jemand davon erfährt.“ Diese Aufmerksamkeit sollte jetzt genutzt werden, um Wale und die Meere insgesamt besser zu schützen. Maack: „Ein erster wichtiger Schritt wäre ein konsequentes Fischereiverbot in Schutzgebieten, auch und gerade in der Ostsee.“
Wenn das Meer zur Falle für Wale wird
Das Problem geht über Einzelfälle hinaus. Schweinswale, die in deutschen Meeren heimisch sind, verfangen sich häufig in Stellnetzen, was ihnen zum tödlichen Verhängnis wird. Dies betrifft vor allem die vom Aussterben bedrohte Population des Schweinswals in der zentralen Ostsee.
Auch weltweit bleiben Wale gefährdet, wenngleich sich manche Walpopulationen in den vergangenen Jahren durch das internationale Walfangverbot erholt haben. Fischernetze ebenso wie Lärm unter Wasser setzen ihnen zu. Greenpeace setzt sich deshalb dafür ein, dass Wale zukünftig besser geschützt werden: beispielsweise durch konsequente Schutzgebiete, von denen auch Wale profitieren; Wenn das Meer zur Falle für Wale wird
Buckelwale durchqueren die Weltmeere zwischen tropischen Gebieten, in denen sie ihre Jungen aufziehen, und kalten, nährstoffreichen Regionen nahe der Pole. Auf diesen langen Wanderungen können sie sich verirren – und gelangen so auch in Randmeere wie die Ostsee. Dort waren sie allerdings nie heimisch und sind nur sehr selten anzutreffen.
„Noch immer haben Meeressäugetiere zu wenig Rückzugsräume und ihre Nahrung wird aufgrund der Überfischung immer knapper. Besonders die Ostsee ist in einem schlechten ökologischen Zustand und kann Meeressäugern wegen der Fischerei in Schutzgebieten und umhertreibenden Geisternetzen zum Verhängnis werden.“
Buckelwal orientierungslos im flachen Wasser
Die Ostsee stellt für große Wale gleich mehrere Probleme dar:
- Geringe Tiefe: Anders als der offene Ozean ist die Ostsee vielerorts flach. Große Wale können sich hier leichter festsetzen.
- Nahrungsmangel: Es fehlen oft ausreichend große Schwärme von Beutefischen.
- Niedriger Salzgehalt: Der deutlich geringere Salzgehalt kann bei längerem Aufenthalt zu gesundheitlichen Problemen führen, etwa Hautveränderungen.
Gerät ein Wal in solche Bedingungen, kann er schnell geschwächt werden. Orientierungslosigkeit, Erschöpfung oder Krankheit können dann dazu führen, dass er auf einer Sandbank strandet.
Walstrandungen: Ein Wettlauf gegen die Zeit
Die Rettung eines gestrandeten Wals ist extrem schwierig. Anders als kleinere Meeressäuger können Tiere von rund zehn Metern Länge und mehreren Tonnen Gewicht nicht einfach zurück ins Wasser geschoben werden. Selbst koordinierte Einsätze mit Booten, Drohnen und vielen Helfenden sind oft erfolglos.
Fest steht: Nicht jeder nicht-heimische Wal, der sich in die Ostsee verirrt, findet den Weg zurück in den Atlantik. Manche schaffen es – viele nicht. Und so bleibt der Fall, der vor dem Timmendorfer Strand begann, ein eindringliches Beispiel dafür, wie verletzlich selbst die größten Tiere der Erde sind, wenn sie sich in den falschen Gewässern wiederfinden.
Was jetzt für den Meeresschutz getan werden muss
Der Fall zeigt, wie dringend Meeresschutz ist – auch vor unserer eigenen Haustür. Das bedeutet konkret:
- Schutz sensibler Meeresgebiete stärken: Weniger Schiffsverkehr, weniger Lärm, strengere Schutzgebiete – vor allem die Ostsee ist stark belastet.
- Unterwasserlärm reduzieren: Wale orientieren sich über Schall. Industrieprojekte, Schifffahrt und militärische Aktivitäten müssen stärker reguliert werden.
- Meere sauber halten: Plastik und Schadstoffe schwächen Meeressäuger zusätzlich; Netze aus der Fischerei können zu tödlichen Fallen werden.
- Forschung und Monitoring ausbauen: Nur wer Wanderbewegungen besser versteht, kann frühzeitig reagieren und Tiere schützen.
Was wir alle für die Wale tun können
- Abstand halten: Bei Sichtungen von Walen oder anderen Meerestieren niemals nähern oder stören – das kann lebensgefährlich für die Tiere sein.
- Plastik vermeiden: Weniger Einwegprodukte nutzen und Müll korrekt entsorgen.
- Nachhaltig konsumieren: Pflanzliche Alternativen statt Fisch wählen. Jeder nicht gegessene Fisch musste auch nicht in einem Fischernetz gefangen werden!
- Engagement zeigen: Meeresschutzorganisationen unterstützen, Petitionen unterschreiben oder selbst aktiv werden.
Jeder Beitrag zählt – denn damit die Ozeane für Wale kein Irrweg werden, braucht es Schutz auf allen Ebenen.
Offener Meeresschutz-Appell zur Umweltministerkonferenz
Anzahl Seiten: 2
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