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Rescue operation for a stranded humpback whale in the Baltic Sea - March 28
© Florian Manz / Greenpeace

Verirrter Buckelwal in der Ostsee

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Ein Buckelwal strandete vor Timmendorfer Strand und rang um sein Leben. Trotz wissenschaftlicher Bedenken transportierte ihn eine private Initiative in tiefere Gewässer. Ob das Tier den umstrittenen Rettungsversuch überlebte, ist unbekannt.

Der am 23. März vor Timmendorfer Strand gestrandete Buckelwal lag auf einer Sandbank in der Kirchsee, die zur Wismarer Bucht gehört. Da es ihm immer schlechter ging, entschieden sich die offiziellen Einsatzkräfte gegen weitere Rettungsmaßnahmen. Eine private Initiative hat den Wal am 28. April dennoch geborgen und transportiert. Am 2. Mai wurde er im Norden Dänemarks bei Skagen ausgesetzt, einem maritimen Knotenpunkt. Der Wal ist nun abgetaucht, wie es ihm geht, ist ungewiss. 

 „Am Ende dieses umstrittenen Rettungsversuchs befindet sich ein todkrankes Wildtier lediglich an einem anderen Ort“, sagt Thilo Maack, Meeresexperte von Greenpeace. „Der Buckelwal wurde in einer der meistbefahrenen Schiffsrouten Europas ausgesetzt und seinem Schicksal überlassen. Wir können den Wunsch, dem Tier zu helfen, nachvollziehen, schätzen seine Überlebenschancen aber als minimal ein. Angesichts des hohen öffentlichen Interesses und der deutlichen Kritik vieler Expert:innen an der selbst erklärten Rettungsinitiative, gehören die Trackingdaten und damit der Aufenthaltsort des Wals einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Nur so wird transparent, ob sich das Leiden des Wals auf dieser Reise gelohnt hat.“ 

Die Ansicht, dass die Überlebenschancen des Tiers gering sind, teilen auch andere Expert:innen, darunter das Deutsche Meeresmuseum und das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung in einem  wissenschaftlichen Gutachten. „Das, was mit dem Wal geschehen ist, bedeutete für ihn Angst und Schrecken. Er hat die vergangenen Jahre seines Lebens ohne Kontakt mit Menschen verbracht, er kennt sie nicht und kann nicht einschätzen, ob die Annäherung friedlich oder bedrohlich ist. Greenpeace hat sich über viele Tage an den Rettungsversuchen beteiligt. Jetzt konzentrieren wir unsere Arbeit darauf, den Schutz der Meere - auch als Lebensraum der Wale - voranzubringen.“

Auch die Wissenschaftler:innen der Internationalen Walfangkommission (IWC), bestätigten bereits am 7. April in einem Gutachten, dass weitere Maßnahmen das Leid des Buckelwals verlängern würden, in einem weiteren Gutachten vom 21. April bekräftigten die Forschenden ihre Ansicht. Zur Bergung und zum Transport des Wals am 28. April teilte das IWC-Sachverständigengremium für Strandungen (SEP) mit, dass aktive Eingriffe, einschließlich der Versuche, das Tier wieder ins tiefere Wasser zu bringen oder es zu verlegen – wie beispielsweise durch Abschleppen oder Transport per Lastkahn – sowohl aus Tierschutzgründen als auch im Hinblick auf die Sicherheit der Menschen nicht ratsam seien. „Das Tier scheint schwer geschädigt zu sein und dürfte selbst bei einer Verbringung in tieferes Wasser kaum überleben“, sagt das Expertengremium für Strandungen. „Nach unserer Einschätzung bedeuten diese Maßnahmen, obwohl sie gut gemeint sind, eine erhebliche zusätzliche Belastung für ein Tier, das bereits schwer erkrankt ist, und bringen letztlich kaum Nutzen.“

Dennoch begrüßt Maack die Anteilnahme am Schicksal des Wals in den letzten Wochen: „Es ist ermutigend zu sehen, wie viele Menschen in Deutschland und aller Welt sich um den Meeressäuger sortgen. Täglich verfolgten Millionen Menschen verschiedenste Medien, um zu sehen, wie es dem Wal geht. Diese Anteilnahme ist menschlich und richtig. Wir brauchen sie viel öfter. Denn jedes Jahr sterben rund 300.000 Wale und Delfine weltweit einen ähnlich qualvollen Tod, wenn sie sich in Fischereigeräten verfangen. Die meisten von ihnen sterben allein, ohne Hilfe und ohne dass jemand davon erfährt.“ Diese Aufmerksamkeit sollte jetzt genutzt werden, um Wale und die Meere insgesamt besser zu schützen. Maack: „Ein erster wichtiger Schritt wäre ein konsequentes Fischereiverbot in Schutzgebieten, auch und gerade in der Ostsee.“ 
 

 

Online-Mitmachaktion

https://act.greenpeace.de/echter-meeresschutz-jetzt

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Das tut Greenpeace

Walschutz ist ein Langfristziel

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Nach der Strandung des Wals vor Timmendorfer Strand hat Greenpeace seine Bereitschaft zur Mithilfe an das Rettungsteam vor Ort signalisiert und war auf Abruf. Am 27. März dann baten die Einsatzkräfte um Verstärkung durch unsere Schlauchboote. Nachdem sich der Wal freischwimmen konnte, haben wir mit der Bildung einer Kette aus Booten mitgeholfen, den Wal am erneuten Stranden zu hindern. Im Folgenden war Greenpeace mit unseren Meeresbiolog:innen sowie unseren Schlauchbooten vor Ort in der Wismarer Bucht und im direkten Austausch mit dem Einsatzteam. Unsere Arbeit passierte in enger Abstimmung – von der Wasserschutzpolizei bis zu Walexpert:innen – , um in der sich ständig veränderten Situation angemessen zu agieren.

Der Einsatz für den einen Wal ist beendet, doch wir setzen uns weiter für den Schutz des Lebensraums von Walen ein. So haben wir gerade, gemeinsam mit anderen Umweltschutzorganisationen, einen Appell für mehr Meeresschutz an die Umweltministerkonferenz gesandt. Denn eines ist klar: Das Problem geht über diesen einen Fall hinaus. Schweinswale, die in deutschen Meeren heimisch sind, verfangen sich häufig in Stellnetzen, was ihnen zum tödlichen Verhängnis werden kann. Dies betrifft vor allem die vom Aussterben bedrohte Population des Schweinswals in der zentralen Ostsee.

Auch weltweit bleiben Wale gefährdet, wenngleich sich manche Walpopulationen in den vergangenen Jahren durch das internationale Walfangverbot für die Hohe See etwas erholt haben. Fischernetze und Unterwasserlärm setzen ihnen zu. Greenpeace engagiert sich deshalb für einen langfristigen Schutz der großen Meeressäuger: beispielsweise durch wirksame Schutzgebiete, von denen auch Wale profitieren sowie durch das Verbot von Tiefseebergbau, der die sensiblen Geschöpfe in ihren Lebensräumen stören würde.

Offener Meeresschutz-Appell zur Umweltministerkonferenz

Offener Meeresschutz-Appell zur Umweltministerkonferenz

Gemeinsam mit anderen Umweltverbänden richtet Greenpeace, anlässlich der Strandung des Buckelwals in der Ostsee, einen Appell für mehr Meeresschutz an die Umweltminister:innen.

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Vor Ort

  • Gestrandeter Buckelwal vorm Timmendorfer Strand

    26. März

    Der Buckelwal war am 23. März vor Timmendorfer Strand gestrandet und konnte sich nicht selbst befreien. Einsatzkräfte versuchten mehrere Tage zu helfen.

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  • Greenpeace-Expertin Daniela von Schaper am Timmendorfer Strand, im Hintergrund gestrandeter Wal

    Greenpeace war mit den Kräften vor Ort in Austausch und fuhr am 25. März mit einem Team hin, als man um Hilfe für eine Rettungskette aus Schlauchbooten bat. Im Bild: Greenpeace-Meeresexpertin Daniela von Schaper.

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  • Gestrandeter Buckelwal in flachem Wasser

    Das Problem geht über den einen Wal hinaus: Auch, wenn Populationen sich teils erholen, bleiben Wale gefährdet, beispielsweise durch Fischernetze und Lärm im Wasser.

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  • Rescue Operation for a Stranded Humpback Whale in the Baltic Sea

    27. März

    Nachdem der Wal sich in der Nacht zum 27. März befreien konnte, versuchten Hilfskräfte mit Booten und Geräuschen, den Wal in die richtige Richtung - weg von der Küste, Richtung Nordsee - zu lenken. Greenpeace verstärkte mit zwei Schlauchbooten.

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  • Rescue Operation for a Stranded Humpback Whale in the Baltic Sea

    28. März

    Der Buckelwal strandete auf der Suche nach dem Weg aus dem Ostseegebiet erneut. Das Tier lag am Samstagabend auf einer Sandbank in der Wismarer Bucht.

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  • Walrücken schaut aus dem Wasser.

    31. März

    Immer noch in der Ostsee: Der Wal in der Nähe der Insel Poel am 31. März.

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Wenn das Meer zur Falle für Wale wird

Der Fall erinnert an frühere Strandungen – etwa von Pottwalen in der Nordsee. Auch damals zeigte sich, wie schnell ein falscher Kurs im Ozean tödlich enden kann. Doch während es sich dabei meist um Pottwale handelte, war der Fall des Buckelwals in der Ostsee ein anderer: Buckelwale sind zwar ebenfalls große Wanderer, doch ihr Verhalten und ihre Lebensräume unterscheiden sich.

Buckelwale durchqueren die Weltmeere zwischen tropischen Gebieten, in denen sie ihre Jungen aufziehen, und kalten, nährstoffreichen Regionen nahe der Pole. Auf diesen langen Wanderungen können sie sich verirren – und gelangen so auch in Randmeere wie die Ostsee. Dort waren sie allerdings nie heimisch und sind nur sehr selten anzutreffen.

Dieser Wal war vermutlich genau auf einer solchen Wanderung. Möglicherweise folgte er Schwärmen von Fischen – in den Wochen vor der Strandung wurde er vermehrt an unterschiedlichen Orten der Ostsee gesichtet. Dann geriet er in ein Gebiet, das für ihn zur Falle wurde.

Daniela von Schaper
„Noch immer haben Meeressäugetiere zu wenig Rückzugsräume und ihre Nahrung wird aufgrund der Überfischung immer knapper. Besonders die Ostsee ist in einem schlechten ökologischen Zustand und wurde dem Wal in den letzten Wochen bereits aufgrund von Fischernetzen, die sich um seinen Körper geschlungen haben, zum Verhängnis.“

Daniela von Schaper

Meeresexpertin von Greenpeace

Daniela von Schaper
Zitat
“Noch immer haben Meeressäugetiere zu wenig Rückzugsräume und ihre Nahrung wird aufgrund der Überfischung immer knapper. Besonders die Ostsee ist in einem schlechten ökologischen Zustand und wurde dem Wal in den letzten Wochen bereits aufgrund von Fischernetzen, die sich um seinen Körper geschlungen haben, zum Verhängnis.“
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Buckelwal orientierungslos im flachen Wasser

Die Ostsee stellt für große Wale gleich mehrere Probleme dar:

  • Geringe Tiefe: Anders als der offene Ozean ist die Ostsee vielerorts flach. Große Wale können sich hier leichter festsetzen.
  • Nahrungsmangel: Es fehlen oft ausreichend große Schwärme von Beutefischen.
  • Niedriger Salzgehalt: Der deutlich geringere Salzgehalt kann bei längerem Aufenthalt zu gesundheitlichen Problemen führen, etwa Hautveränderungen.

Gerät ein Wal in solche Bedingungen, kann er schnell geschwächt werden. Orientierungslosigkeit, Erschöpfung oder Krankheit können dann dazu führen, dass er auf einer Sandbank strandet.

Walstrandungen: Ein Wettlauf gegen die Zeit

Die Rettung eines gestrandeten Wals ist extrem schwierig. Anders als kleinere Meeressäuger können Tiere von rund zehn Metern Länge und mehreren Tonnen Gewicht nicht einfach zurück ins Wasser geschoben werden. Selbst koordinierte Einsätze mit Booten, Drohnen und vielen Helfenden sind oft erfolglos – wie die bisherigen Versuche gezeigt haben. 

Fest steht: Nicht jeder nicht-heimische Wal, der sich in die Ostsee verirrt, findet den Weg zurück in den Atlantik. Manche schaffen es – viele nicht. Und so bleibt der Fall, der vor dem Timmendorfer Strand begann, ein eindringliches Beispiel dafür, wie verletzlich selbst die größten Tiere der Erde sind, wenn sie sich in den falschen Gewässern wiederfinden.

Was jetzt für den Meeresschutz getan werden muss

Der Fall zeigt, wie dringend Meeresschutz ist – auch vor unserer eigenen Haustür. Das bedeutet konkret:

  • Schutz sensibler Meeresgebiete stärken: Weniger Schiffsverkehr, weniger Lärm, strengere Schutzgebiete – vor allem die Ostsee ist stark belastet.
  • Unterwasserlärm reduzieren: Wale orientieren sich über Schall. Industrieprojekte, Schifffahrt und militärische Aktivitäten müssen stärker reguliert werden.
  • Meere sauber halten: Plastik und Schadstoffe schwächen Meeressäuger zusätzlich; Netze aus der Fischerei können zu tödlichen Fallen werden. 
  • Forschung und Monitoring ausbauen: Nur wer Wanderbewegungen besser versteht, kann frühzeitig reagieren und Tiere schützen.

Was wir alle für die Wale tun können

  • Abstand halten: Bei Sichtungen von Walen oder anderen Meerestieren niemals nähern oder stören – das kann lebensgefährlich für die Tiere sein.
  • Plastik vermeiden: Weniger Einwegprodukte nutzen und Müll korrekt entsorgen.
  • Nachhaltig konsumieren: Pflanzliche Alternativen statt Fisch wählen. Jeder nicht gegessene Fisch musste auch nicht in einem Fischernetz gefangen werden!
  • Engagement zeigen: Meeresschutzorganisationen unterstützen, Petitionen unterschreiben oder selbst aktiv werden.

Jeder Beitrag zählt – denn damit die Ozeane für Wale kein Irrweg werden, braucht es Schutz auf allen Ebenen.

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