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Cermaq Salmon Farm in Chile
© Sergio Salazar / Greenpeace

Warum Aquakulturen nicht die Lösung sind

Befürworter der industriellen Aquakultur behaupten schon lange, dass diese so genannte "blaue Revolution" nicht nur billiger, sondern auch nachhaltiger ist als der Konsum von wildgefangenen Fischarten, deren Bestände erschöpft sind.

Lachszucht

Doch der allzeit verfügbare, künstlich rot gefärbte Lachs, der in den Delikatessenläden der westlichen Welt angeboten wird, lässt nichts von der zügellosen Zerstörung ahnen, die diese Industrie in den Erzeugerländern verursacht. Aquakulturen breiten sich mit einer so rasanten Geschwindigkeit aus, dass mittlerweile mehr als 30 Prozent der jährlich weltweit konsumierten Fischproteine daher stammen. Aquakulturen sind für die Zerstörung von unzähligen Ökosystemen und unzähligen von der Fischerei lebenden und auf funktionierende Ökosysteme angewiesenen Gemeinschaften verantwortlich.

In der Lachszucht werden riesige Mengen an Fischen in beengten, voneinander abgeteilten schwimmenden Netzgehegen gehalten. Eine typische Lachsfarm kann bis zu einem Dutzend Netzgehege haben, die jeweils mit bis zu 15.000 Fischen besetzt sind.

Intensive Fütterung

Die Fütterungsbedingungen, die die Haltung von fleischfressenden Fischarten wie Lachs oder Thunfisch verlangt, untergraben den so oft wiederholten Mythos, die industrielle Aquakultur könne das Problem der Überfischung lösen. Um ein Pfund Lachs zu erzeugen, müssen fünf Kilo fetter Fisch - z.B. Hering, Sandaal, Sardine oder Makrele - verfüttert werden. Diese Fischarten werden im wahrsten Sinne des Wortes aus den Meeren gesaugt - das marine Ökosystem gerät dabei entsprechend aus dem Gleichgewicht.

Schwertwale, Delfine, Seehunde und Seelöwen - einst häufig in den Buchten und Mündungen ihrer angestammten Territorien in Britisch-Kolumbien, Kanada und Chile anzutreffen - werden heute erschossen, mit Fallen gefangen, ausgehungert oder mit Apparaten verscheucht, die die Lachsfarmer zum Schutz ihrer Bestände erfunden haben.

Krankheiten

Wie bei allen Formen von Massentierhaltung, wo eine große Anzahl von Tieren auf verhältnismäßig engem Raum gehalten wird, breiten sich auch in der Lachszucht Krankheiten sehr leicht aus. Es ist üblich, regelmäßig Antibiotika in das Futter von Zuchtlachsen zu mischen. Das führt letztlich zu Antibiotika-resistenten Bakterien im Boden unter den Netzgehegen. Diese Bakterien stellen wiederum für die menschlichen Konsumenten und das an die Zuchtanlagen angrenzende Ökosystem ein Risiko dar.

Normalerweise befinden sich die Fischfarmen in der Nähe schnell fließender Gewässer an Flussmündungen und abgeschlossenen Buchten; dadurch werden giftige Fäkalien, nicht gefressene Fischmehlpellets, Fischläuse, tote Fische, entwichene nichtheimische Fischarten sowie chemische und antibiotische Rückstände im gesamten Ökosystem des Mündungsgebiets verteilt.

Eine typische Lachsfarm mit 200.000 Fischen produziert etwa die gleiche Fäkalienmenge wie eine Stadt mit 62.000 Einwohnern. Die Freisetzung dieses Giftcocktails aus den Lachsfarmen in die umliegenden Gewässer bedroht kleinere, heimische Lachsarten sowie die Raubfische, die von ihnen leben und die Zukunft von nachhaltigen Fangpraktiken und Kommunen, die angewiesen sind auf saubere und gesunde Ozeane.

(Stand: Dezember 2005)

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