Energiewende vorantreiben

Giftige Kohle

Kohle ist gefährlich – für das Klima und unsere Gesundheit. Aus den Kraftwerksschloten quillt nicht nur tonnenweise CO2, sondern auch toxisches Quecksilber. Auch deshalb muss der schrittweise Kohleausstieg beginnen: jetzt!

Raus aus dem Dreck

Quecksilber ist hochgiftig! Deshalb sind Fieberthermometer verboten und Energiesparlampen in Verruf geraten. Doch die größten Quecksilber-Schleudern in Deutschland sind Kohlekraftwerke.

  • /

Deutsche Kohlekraftwerke pusten im Jahr über 5000 Kilogramm Quecksilber in die Luft. Damit stammen rund zwei Drittel dieser Emissionen aus den Schloten von Kohlemeilern. Gefährlich ist das insbesondere für Embryos und Kleinkinder.

Quecksilberverbindungen schädigen die Entwicklung des zentralen Nervensystems und damit die geistige Entwicklung. Es wird hauptsächlich über die Nahrungskette und hierbei speziell über den Verzehr von Fisch aufgenommen. „Quecksilber ist für das sich entwickelnde Zentralnervensystem eine der giftigsten Substanzen, die es gibt“, sagt die Toxikologin Prof. Dr. Ellen Fritsche. Auch bei Erwachsenen, die viel Fisch essen, sind zu hohe Werte im Blutbild nachweisbar. Eine Studie der Süddänischen Universität Welche vermutet, dass die hohe Zahl der Parkinson-Erkrankungen auf den Färörer-Inseln mit dem Konsum von quecksilberbelastetem Walfleisch zusammenhängt.

Menschen nehmen die Substanz nicht, wie zu vermuten wäre, überwiegend über die Luft auf, sondern über Lebensmittel– hauptsächlich durch Speisefisch. Das Quecksilber aus den Schloten verbreitet sich über die Atmosphäre selbst in weit entlegene Gebiete wie die Arktis. Die größte Konzentration ist in den Meeren zu finden – gespeist von Flüssen. Das Gift verbleibt nicht nur lange in der Umwelt; es sammelt sich im menschlichen Körper an und baut sich dort nicht wieder ab. Bereits kleine Mengen können dem Gehirn schaden.

Deutschland setzt auf dreckige Kohle

Wie alarmierend die Gesundheitsgefährdung ist, zeigt eine internationale Untersuchung von 2013 zur Quecksilberbelastung in Europa: Danach kommen in der EU pro Jahr etwa 1,8 Millionen Babys mit bedenklichen Methylquecksilberwerten zur Welt. Nachgewiesen wurden diese Werte in Haarproben.

Um die Gesundheitsrisiken zu minimisieren, haben die USA bereits gehandelt und das Limit für den Quecksilberausstoß von Kohlekraftwerden massiv gesenkt. In Deutschland würde lediglich eines von insgesamt 52 deutschen Kohlekraftwerken die Vorgaben in den USA erfüllen. Trotz angekündigter Energiewende sind sogar vierzehn neue Kohlemeiler geplant; es ist mehr dreckiger Kohlestrom im Umlauf als noch vor ein paar Jahren.

Gift für Mensch und Umwelt

Doch Quecksilber ist nicht das einzige Gesundheitsrisiko. Mit der Studie „Tod aus dem Schlot“ machte Greenpeace bereits im Jahr 2013 auf das Problem zu hoher Feinstaubbelastung durch Kohlekraft aufmerksam. In Deutschland verursacht die Kohleverstroumg laut dieser Untersuchung jährlich bis zu 3100 vorzeitige Todesfälle.

Kohle ist toxisch – für die Gesundheit und für das Klima: Kohlekraftwerke – insbesondere Braunkohlemeiler – stoßen nicht nur große Mengen giftiges Quecksilber aus, sie sind auch die größten CO2-Schleudern. Zahlen der EU-Kommission haben erst kürzlich belegt, dass vier der fünf größten CO2-Emittenten in Europa Braunkohlekraftwerke in Deutschland sind. 

„Welcher Gründe bedarf es noch, bevor die schmutzigen Kraftwerke nachgerüstet werden oder besser gleich vom Netz gehen“, sagt Andree Boehling,  Greenpeace-Experte für Energie. „Die Energiewende muss auch zum Schutz der Menschen vor den enormen Gesundheitsgefahren durch die Kohle beschleunigt werden!.“

Was macht die Politik?

Beim diesjährigen G7-Gipfel im bayerischen Elmau kündigte Kanzlerin Angela Merkel in ihrer Abschlusserklärung die "Dekarbonisierung" der globalen Wirtschaft im 21. Jahrhundert an. Klar ist: Um das Ziel zu erreichen, führt am Kohleausstieg in Deutschland kein Weg vorbei. Doch während Frau Merkel auf der internationalen Bühne Klimaschutz fordert, bleibt sie in Deutschland untätig.

300.000 Unterschriften für einen schrittweisen Kohleausstieg haben die Organisationen Bund, NABU, Greenpeace, Oxfam, 350.org und Klimaallianz am 1. Juli 2015 den Koalitionsspitzen am Bundeskanzleramt übergeben. Doch Kanzlerin Angela Merkel, CSU-Chef Horst Seehofer und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) enttäuschten die Erwartungen mit einem Kompromiss, der die Kohleindustrie schont und ein Erreichen der deutschen Klimaschutzziele mehr als fraglich erscheinen lässt. 

Ende 2015 werden in Paris knapp 200 Staats- und Regierungschefs einen neuen Weltklimavertrag unterzeichnen. Welche Richtung die Energiepolitik in Deutschland einschlägt, kann wegweisend für die Klimaverhandlung sein. Deutschland muss zeigen, dass das Ziel machbar ist, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken – trotz Ausstieg aus der Atomkraft. Doch das geht nur, wenn auch der Ausstieg aus dem Kohlezeitalter jetzt beginnt.


 

Weiterlesen
schließen

Nachrichten

Häufig gestellte Fragen

  • Welche Auswirkungen hat die Verbrennung von Braunkohle?

    Die Braunkohleverbrennung hat globale Folgen: Sie trägt maßgeblich zum Klimawandel bei. Rund 20% aller CO2-Emissionen in Deutschland stammen aus Braunkohlekraftwerken. Dabei sind sie noch nicht einmal effizient: Nicht einmal die Hälfte der in der Kohle enthaltenen Energie wird in Strom umgewandelt. Pro Kilowattstunde werden allein schon 1140g CO2 ausgestoßen, damit ist die Braunkohle der klimaschädlichste aller Energieträger überhaupt.

  • Warum boomt die Braunkohle trotz Energiewende?

    Braunkohlekraftwerke heizen den Klimawandel an und schädigen unsere Gesundheit durch Feinstaub, Schwefeldioxid und Schwermetallemissionen. Trotzdem ist die Braunkohle im jetzigen Energiemarkt konkurrenzlos billig. Der gegenwärtige Braunkohleboom liegt vor allem am Einbruch der CO2-Preise, die bei unter fünf Euro pro Tonne dümpeln. Die Regierungen Europas haben es versäumt, den Emissionshandel zu reformieren und davon profitieren nun vor allem die Betreiber von Kohlekraftwerken. Viele externe Kosten der Braunkohle, wie z.B. Gesundheitsschäden durch Schadstoffemissionen werden bei der Preisfindung am Energiemarkt nicht berücksichtigt.

  • Wie wirkt sich der Kohleboom auf Deutschlands Klimaziele aus?

    Wenn die Entwicklung so weitergeht wie zurzeit, wird es kaum möglich sein, das Reduktionsziel für 2020 – minus 40 Prozent CO2 im Vergleich zu 1990 – zu erreichen. Die CO2-Emissionen Deutschlands steigen seit dem vergangenem Jahr wieder. Ausschlaggebender Gründ dafür sind die Kohlekraftwerke. Und es wird noch schlimmer: Vier oder fünf neue Kohlekraftwerke stehen kurz davor wieder ans Netz zu gehen. Die CO2-Bilanz Deutschlands wird sich so weiter verschlechtern.

  • Forderungen

    • Keine neuen Braunkohletagebaue
    • Keine neuen Kohlekraftwerke
    • Braunkohleausstieg bis 2030, Steinkohleausstieg bis 2040
    • 60 Prozent Erneuerbare bis 2030, 80 Prozent bis 2040, 100 Prozent bis 2050

    Publikationen